Wahl 2002 Schröders neuer Superminister?

Der Kanzler will VW-Personalvorstand Peter Hartz offenbar für zwei Ministerämter begeistern.

Berlin - Die Pressestelle bei Volkswagen musste an diesem Dienstag eine Frage besonders häufig beantworten: Will Peter Hartz nun oder will er nicht? Am Morgen hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, der VW-Personalvorstand solle eine Art Gegenspieler zum Unions-Schattenminister Lothar Späth werden.

Nach der Präsentation seiner Pläne zum Arbeitsmarkt wolle ihn Kanzler Gerhard Schröder zum Superminister für Wirtschaft und Arbeit ernennen. Doch der "Überraschungscoup", wenn er denn je ernsthaft erwogen wurde, ist keiner. Denn der 60-Jährige hat in dieser Richtung keinerlei Ambitionen.

"Ich will weder Bundesminister noch Ministerpräsident werden - zumal ich einen tollen Job als Personalvorstand bei VW habe. In Fachfragen, von denen ich etwas verstehe, berate ich die Bundesregierung gerne", ließ Peter Hartz über die VW-Pressestelle verlauten.

Ein klassisches Sommertheater

Bereits am Vormittag war der Bericht von Regierungsseite zurückgewiesen worden. "Da ist nichts dran", sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye. Und SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler sprach in Berlin von "abwegigen Spekulationen".

Ein klassisches Sommertheater also - das immerhin ein Schlaglicht auf die Halbwertzeit von politischen Äußerungen wirft, die durch einen auf Spekulationen ruhenden Bericht ausgelöst wurden. Denn kaum verbreiteten die Agenturen den Bericht, hieben Oppositionspolitiker wortstark auf den Kanzler ein:

Der CSU-Landesgruppenvorsitzende Michael Glos forderte Schröder auf, sich hinter Bundesarbeitsminister Walter Riester zu stellen und diesem das Vertrauen auszusprechen, der FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle attestierte der rot-grünen Koalition gar eine personelle Bankrotterklärung.

Doch die einzige Erklärung, die an diesem Tag wirklich Bestand hatte, war die von Peter Hartz selbst: In einem Kabinett Schröder will er nichts werden.

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