Babcock Borsig Angestellte renovierten die Privatvilla

Der frühere Babcock-Chef Klaus Lederer spannte Angestellte für private Zwecke ein. Die Frage ist, wer dafür bezahlte.

Düsseldorf/Oberhausen - Der frühere Lenker des Babcock-Borsig-Konzerns, Klaus Lederer, hat angeblich private Renovierungsarbeiten an seiner Villa über das Unternehmen abgerechnet.

Die Handwerkerrechnungen seien über die Kostenstelle des Vorstandsvorsitzenden abgerechnet worden, schreibt das Magazin "Capital" in einem Vorabbericht.

Der langjährige Sprecher von Lederer, Hans-Joachim Wieckmann, betonte dagegen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, alle Rechnungen seien vom Vorstandschef aus eigener Tasche bezahlt worden.

Lederers Sprecher: "Alles aus eigener Tasche bezahlt"

"Man kann ausschließen, dass Professor Lederer Rechnungen vom Unternehmen bezahlen ließ", sagte Wieckmann, der Lederer bei seinem Wechsel von Babcock Borsig zur ehemaligen Konzerntochter HDW Holding GmbH gefolgt war. Über den Abrechnungsweg könne er noch nichts sagen.

Die Leistungen an Lederers Villa habe die Babcock-Tochter BDL (Babcock Dienstleistung GmbH) erbracht, die auch Bewachungsaufgaben übernommen habe. Lederer habe alle Leistungen zu marktüblichen Preisen bezahlt.

Ermittlungsverfahren wegen Untreue läuft an

Unterdessen hat die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf das Ermittlungsverfahren gegen Lederer wegen Untreue und Insolvenzverschleppung der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Düsseldorf übertragen. Geklagt hatte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Die Staatsanwälte werden prüfen, ob ein Anfangsverdacht besteht", sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Heiko Manteuffel.

Die Schutzvereinigung wirft Lederer vor, er habe Babcock Borsig wissentlich durch den Verkauf der Mehrheit an der größten deutschen Werft HDW in die Zahlungsunfähigkeit getrieben.

Mit dem Verkauf hätten 450 Millionen Euro, die Babcock bilanztechnisch aus der Werftkasse genommen habe, zurückgegeben werden müssen. Dem "Spiegel" gegenüber hatte ein Aufsichtsratsmitglied dazu erklärt, es sei zwar möglich, dass Lederers zur Pleite führenden Aktionen "legal" gewesen seien – "eine Schweinerei sind sie aber allemal".

PwC moniert fehlende Prüfberichte

PwC moniert fehlende Prüfberichte

Laut "Capital" steht jetzt auch noch für den Babcock-Jahresabschluss 2000/2001 das Testat der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) auf wackeligen Füßen. So monierten die Prüfer mangelhafte oder gänzlich fehlende Prüfungsberichte der Tochtergesellschaften, heißt es unter Berufung auf einen internen Bericht von PwC, den Lederer unter Verschluss gehalten habe. Babcock erklärte dazu, das neue Management müsse sich zunächst um die Zukunft des Unternehmens sorgen. Die Vergangenheit werde später aufgearbeitet.

Insgesamt sollen für Banken und Kreditversicherer bei Babcock knapp 1,4 Milliarden Euro auf dem Spiel stehen. Die Münchener HypoVereinsbank (HVB) trage mit einem Engagement von 221 Millionen Euro das höchste Risiko.

Kreditrisiko soll 1,4 Milliarden Euro betragen

Die Kreditschulden des Babcock Borsig-Konzerns sind offenbar niedriger als von Medien berichtet. Die Bank dementierte zwar, es handele sich nur um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. In Bankenkreisen hieß es dazu allerdings, dass Kreditteile von der früheren Babcock-Tochter HDW und vom früheren HDW-Eigner TUI (früher Preussag) bei der HVB bedient werden müssten. Dies könne 221 Millionen Euro ausmachen.

Unter den übrigen Babcock-Gläubigern sind laut "Capital" die Commerzbank mit 198 Millionen Euro eingebunden, die Dresdner Bank mit 155 Millionen Euro vertreten, die WestLB mit 120 Millionen Euro, die BHF-Bank mit 106 Millionen Euro und die Deutsche Bank mit 90 Millionen Euro. Ein Babcock-Sprecher erklärte, zu den Zahlen gebe es im Hause noch keinen Überblick.

Die "Börsen-Zeitung" berichtet, dass die HVB ihre Risikovorsorge für faule Kredite in diesem Jahr auf bis zu 2,5 Milliarden Euro anheben werde. Zuvor waren noch 2,1 Milliarden Euro angekündigt worden.

Babcock Borsig: Rüge vom Kanzler

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