Wienerwald Die Küche bleibt kalt

Nach 20 Jahren ist die Hendl-Kette wieder einmal pleite - angeblich wegen der Euro-Umstellung.

Wien - "Der ,Wienerwald' ist der Einzige, der es schafft, die Hähnchen zweimal kalt zu machen!", witzelte Late-Night-Talker Harald Schmidt noch im vergangenen Jahr. Sollte sich kein Investor für die traditionsreiche Restaurantkette finden, dürften auch die Küchen der 23 österreichischen Filialen bald kalt bleiben.

Denn das Traditionsunternehmen musste erneut Insolvenz beantragen. Das teilte der heutige Geschäftsführer Joern K. Hansen am Mittwoch mit. Bereits 1982 stand das Unternehmen wegen Liquiditätsproblemen vor dem Aus. Der deutsche Teil des früheren Hendl-Imperiums sei bisher von der Insolvenz nicht betroffen, hieß es.

Für die Pleite macht Hansen die Euro-Umstellung verantwortlich. Sie habe in den Filialen zu starken Umsatzeinbußen geführt, sagte er. Den rund 360 Gläubigern des Unternehmens droht möglicherweise ein Forderungsausfall von 60 Prozent. Die Erfüllung von rund 40 Prozent der ausstehenden Positionen soll durch den Verkauf von Grundstücken finanziert werden.

Zu Hochzeiten waren es 1500 Filialen

Wienerwald war 1955 vom österreichischen Kellner Friedrich Jahn in München gegründet worden. Zu seinen besten Zeiten zählte das Unternehmen 1500 Filialen, viele davon in den USA und Kanada. Knapp 30 Jahre nach der Gründung musste Jahn das Unternehmen wegen Zahlungsschwierigkeiten verkaufen, die Kette wurde in eine deutsche und eine österreichische Gesellschaft geteilt.

Nach mehreren Eigentümerwechseln wurde Wienerwald unter der Führung eines der Stadt Wien nahestehenden Konzerns dann wieder zusammengeführt und warf nach Anfangsschwierigkeiten auch Gewinne ab.