Deutsche Bank Mitgehangen, mitgefangen

Bei der Worldcom-Pleite sitzt die Deutsche Bank mit im Boot, angeblich als einer der größten europäischen Gläubiger. Das Kreditinstitut dementierte indes die Kredithöhe.

Frankfurt - Die Deutsche Bank  soll mit einem Engagement von 1,01 Milliarden Euro der größte europäische Gläubiger des insolventen US-Telekommunikationskonzerns Worldcom .

Diese Summe geht aus dem am Sonntag von Worldcom eingereichten Antrag auf Gläubigerschutz hervor. Die Bank dementiert jedoch: Nicht mehr als 214 Millionen Dollar betrage das Kreditrisiko bei Worldcom. Und für diese Summe sei im zweiten Quartal eine ausreichende Risikovorsorge getroffen worden.

Darüber hinaus halte die Bank einen Eigenbestand in Worldcom-Anleihen. Ohne den Gegenwert zu nennen, erklärte die Deutsche Bank, die Summe sei "vernachlässigbar".

Das gemeldete Milliarden-Engagement bei Worldcom ist laut Deutscher Bank ein Interpretationsfehler: Zwar sei die Summe im Worldcom-Insolvenzantrag genannt, ebenso 189 Millionen, die die Tochter DB Alex Brown betreffen. Doch diese Beträge umfassten Positionen, die die Bank als Wertpapierverwahrer halte.

Die Münchener Rück ist auch betroffen

Der Telekomkonzern hatte am Sonntag Gläubigerschutz beantragt und damit für die größte Firmenpleite der US-Wirtschaftsgeschichte gesorgt. Vorausgegangen war das Eingeständnis der Firma, Kosten in Höhe von rund 3,85 Milliarden Dollar nicht korrekt verbucht zu haben.

Früheren Angaben von Analysten zufolge ist Worldcom bei bis zu 60 Banken weltweit verschuldet. Zu den größten Gläubigern zählen unter anderem die US-Häuser JP Morgan Chase und die Citigroup .

Die Commerzbank  erklärte unterdessen, nicht bei Worldcom engagiert zu sein. Die Münchener Rück  bestätigte ein Engagement in Höhe von 80 Millionen Euro in Anleihen und Aktien von Worldcom.

Deutsche Geschäftspartner, Kreditgeber und Versicherer des Telekomriesen hatten bereits Ende Juni ihre eigenen Risiken im Zusammenhang mit dem Unternehmen überwiegend als begrenzt bezeichnet.

Die Risikovorsorge bei der Deutschen Bank dürfte steigen

"Die Zahl ist eine Überraschung und ich erwarte einen starken Anstieg der Risikovorsorge bei der Deutschen Bank im zweiten Quartal, nicht nur wegen Worldcom", sagte Analyst Kurt Becker von der Privatbank Merck Finck & Co zu dem Engagement der Bank. Es bleibe allerdings abzuwarten, wie hoch der Anteil von Krediten und Bonds in dem Betrag von 1,01 Milliarden Dollar tatsächlich sei.

Neben der Deutschen Bank ist Worldcom zufolge von den europäischen Banken noch die niederländische ABN Amro mit 753,1 Millionen Dollar nennenswert bei Worldcom engagiert.

Die Aktien der Deutschen Bank gaben im Montagshandel zeitweise um mehr als 3,8 Prozent auf 60,12 Euro nach. Damit notierten die Papiere auf dem tiefsten Stand seit November 2001.

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