Deloitte/Andersen "Ein hohes Maß an Unsicherheit"

Wachstum trotz Branchenflaute - im Gespräch mit manager-magazin.de erläutert Dietrich Schmitt aus der Geschäftsführung von Deloitte Consulting, wie er sich die Zukunft mit 300 angeworbenen Andersen-Beratern vorstellt.
Von Christian Buchholz

mm.de:

Kein Zusammenschluss, keine Fusion - aber 300 Mitarbeiter der Arthur Andersen Business Consulting GmbH (ABC) arbeiten bald für Deloitte Consulting. Was ist passiert?

Schmitt: Ganz einfach: 300 Andersen-Mitarbeiter waren auf der Suche nach einer neuen beruflichen Heimat - und haben sie jetzt gefunden. Ab September werden wir an einem Strang ziehen. Andersen Business Consulting war quasi vom Markt abgekoppelt, weil sich das internationale Netzwerk durch verschiedene Entwicklungen der Ländergesellschaften aufgelöst hatte.

mm.de: Das heißt, die neuen Mitarbeiter bekommen neue Verträge zu veränderten Konditionen?

Schmitt: Über finanzielle Angelegenheiten ist zwar Stillschweigen vereinbart. Aber es ist erklärte Absicht beider Seiten, künftig gemeinschaftlich zusammenzuarbeiten. Ein wichtiges Kriterium für die ABC-Mitarbeiter war sicherlich, dass Deloitte Consulting der international größte Berater in Privathand ist - im Gegensatz zu den anderen großen Mitbewerbern. Dadurch können die Andersen-Partner ihren Status auch bei uns behalten. Die Alternative für sie wäre gewesen, bei einem Mitbewerber als Angestellter zu arbeiten.

mm.de: Vielleicht entscheiden sich einige doch noch dafür?

Schmitt: Das kann man zwar nicht komplett ausschließen, schließlich geht es um Personen und Teams, die individuelle Entscheidungsfreiheit haben. Aber die grundsätzliche, positive Entscheidung beider Seiten ist Fakt. Sonst wären wir auch nicht an die Öffentlichkeit gegangen.

mm.de: Bevor die Prüfersparte von Arthur Andersen sich mit Ernst & Young zusammenschloss, war KPMG bereits als neuer Partner öffentlich annonciert. Könnte es in diesem Fall auch noch zu einer Kehrtwende kommen?

Schmitt: Abgesehen von den beschriebenen Einzelfällen - nein. Dafür ist der Abstimmungsprozess zu weit gediehen.

mm.de: Denken Sie schon an Kürzungen?

Schmitt: Das wäre das Falsche. Wir wollen wachsen, das haben wir schon vor einer Woche im Zusammenhang mit unserem neuen Namen "Braxton" erklärt.

Warum Berater jetzt wieder ihr altes Handwerkszeug auspacken müssen

mm.de: Apropos, ab wann wird Deloitte Consulting sich offiziell "Braxton" nennen?

Schmitt: Von Oktober an, dafür ist ein weltweiter Werbeetat von 60 Millionen Dollar vorgesehen. Aber zurück zu unseren neuen Mitarbeitern: Wir denken nicht an Restrukturierungen, sondern wollen unseren Aufstieg unter die Top Five im Land gern noch weiter ausbauen.

mm.de: Als nächstes könnte Accenture auf ihrem Einkaufszettel stehen, der IT-Berater aus dem Hause Andersen.

Schmitt: Einzelne Gruppen von Accenture haben Expertisen, an denen man immer interessiert ist. Aber die Gruppe insgesamt ist für uns nicht interessant. Mit der Entscheidung von heute haben wir dagegen eindeutig unsere Kompetenz gestärkt.

mm.de: Wo hatte Deloitte Consulting denn Schwächen?

Schmitt: Kurz gesagt, wir waren und sind stark in der Prozess- und in der IT-Beratung. Die Methoden, beispielsweise eine Wertschöpfungskette zu verbessern, beherrschen wir - auch durch Partner wie SAP oder Siebel - sehr gut. Von ABC werden aber etwa 200 Strategie-Spezialisten kommen, die unsere Kompetenz auf diesem Feld verstärken. So entsteht ein komplementäres Beratungsangebot, das unsere Marktposition erheblich stärkt.

mm.de: Im Moment warten die Unternehmen aber nicht gerade sehnsüchtig auf neue Beratungsangebote ...

Schmitt: Richtig ist, dass der Markt momentan durch ein hohes Maß an Unsicherheit geprägt ist. Im Zentrum steht für uns darum eine durch und durch vertrauensvolle Partnerschaft mit den Kunden. Es geht jetzt nicht mehr darum, Klimmzüge zu machen wie zu den Hypezeiten des E-Business. Damals hatten Handelsplattformen im Internet oder immer neue IT-Software eine extrem hohe Bedeutung erlangt. Unsere Leistung bezieht sich heute wieder viel stärker auf das traditionelle Geschäft und reale Probleme.

mm.de: Welche sind das?

Schmitt: Die Kernthemen, die die Wirtschaft schon seit langem beeinflussen, Financial Performance und Internationalisierung sind die beiden entscheidenden. Aktuell steht für viele Unternehmen auch die Frage, wie stärke ich das Vertrauen von Investoren und Konsumenten, ganz oben.

mm.de: Kann Ihnen die EU-Kommission im Fall Andersen noch einen Strich durch die Rechnung machen?

Schmitt: Abgesehen davon, dass wir keine marktbeherrschende Stellung innehaben, müssen wir den Vorgang nicht nach Brüssel melden. Es handelt sich ja nicht um eine Fusion oder eine Übernahme, sondern schlicht um einen - wenn auch erheblichen - Zuwachs beim Personal.

Deloitte Consulting/Andersen: Die neue Nummer fünf unter Deutschlands Beratern Neu belebt: Deloitte Consulting tauft sich in Braxton um


Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.