MG Technologies Etappensieg im Dauerstreit

Großaktionär Happel blitzt beim Amtsgericht ab. Der Konzern spricht vom "wichtigen Sieg".

Frankfurt - Otto Happels brisanter Antrag auf Sonderprüfung der 1999/2000er Bilanz der MG Technologies wurde zurückgewiesen. Der mit rund zehn Prozent an dem Chemie- und Anlagenbaukonzern beteiligte Großaktionär teilte am Freitag mit, der Beschluss des Amtsgerichts Frankfurt sei am 17. Juli in erster Instanz erfolgt. Dennoch sei ein Teilerfolg erzielt worden, da das Gericht die Zulässigkeit des Antrags und die inhaltlichen Voraussetzungen für die Sonderprüfung bejaht habe.

Ein MG-Sprecher sagte in einer ersten Reaktion gegenüber der Agentur Reuters: "Dies ist ein wichtiger Sieg für uns". Die MG-Aktie drehte nach der Mitteilung gegen den Markttrend fast vier Prozent ins Plus, lag am Nachmittag in einem schwächeren Gesamtmarkt aber dann wieder mit 0,66 Prozent im Minus bei 7,50 Euro.

Den nun abgewiesenen Antrag hatte Happel im vergangenen August eingereicht. Happel wirft der MG unter anderem vor, ihn über die Lage des Konzerns beziehungsweise der MG-Tochter Lurgi getäuscht und Bilanzen manipuliert zu haben. Im Blickpunkt steht dabei der Konzernabschluss 1999/2000.

Die MG-Führung um Vorstandschef Kajo Neukirchen hatte dies jedoch stets entschieden zurückgewiesen und sich dabei auf ein uneingeschränktes Testat des Wirtschaftsprüfers KPMG berufen.

Streitfrage: Was sind eigennützige Motive?

Happel ist Sohn des Gründers des Bochumer Anlagenbauers Gea und war früher dessen Vorstand und Aufsichtsratschef. 1999 hatte er seine Gea-Mehrheitsanteile gegen Bargeld und 20 Millionen MG-Aktien verkauft. Im Zuge der Auseinandersetzung mit Happel um die angeblichen Bilanzfälschungen hatte der MG-Kurs im vergangenen Jahr einen Rekordtiefstand von 4,36 Euro erreicht.

"Offensichtlich irrtümlich" habe das Amtsgericht nun den Antrag mit der Begründung abgelehnt, der Großaktionär verfolge wegen des Wertverlustes seiner Beteiligung neben den unternehmensbezogenen Interessen auch eigene Ziele, hieß es in der Mitteilung von Happel.

Das Amtsgericht unterstelle hierbei fälschlicherweise, dass diese Ziele vorrangig seien. Es verkenne, dass die von Happel verfolgten Interessen mit denen des Unternehmens gleich liefen.

Happel kündigt Beschwerde an

Dabei habe das Gericht die Antragsbegründung als grundsätzlich geeignet dafür bewertet, hinreichende Verdachtsmomente für Pflichtverletzungen des Vorstands zu zeigen. Happel werde nun Beschwerde beim Landgericht Frankfurt einlegen und dort seinen Antrag in vollem Umfang weiterverfolgen.

Im Dauerstreit vor Gericht zwischen der MG und ihrem Großaktionär Happel hatte der Konzern bereits Ende Dezember einen Etappensieg erreicht. Das Landgericht Frankfurt wies eine Anfechtungsklage des ehemaligen Gea-Vorstands gegen zwei mg-Hauptversammlungsbeschlüsse für das Geschäftsjahr 1999/2000 als unbegründet ab. Happel wollte damals die Entlastung des Vorstands und eine Satzungsänderung verhindern, die die Abberufung von Aufsichtsräten erschwert.

Zu dem nun erfolgten Gerichtsentscheid zum Antrag auf Sonderprüfung sagte der MG-Sprecher weiter, der Erfolg vor Gericht sei ein wichtiges vertrauensbildendes Signal an die Kapitalmärkte. Der Bescheid bestätige die Auffassung des Unternehmens, dass dem Antrag eigennützige Motive zu Grunde liegen. Wenn Happel dennoch von einem Teilerfolg spreche, versuche er eine schwere Niederlage in einen Sieg umzuwandeln, sagte der MG-Sprecher.

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