Wal-Mart Ärger im Karton

Auch nach vier Jahren Missmanagement auf dem deutschen Markt zeigt sich der US-Handelsriese zäh. Wal-Mart versucht, eigene Gesetze für sich geltend zu machen, und gerät erneut mit der Gewerkschaft aneinander.
Von Brigitte Lausberg

Hamburg - Nach vier Jahren, mit dem vierten Vorstandschef und einer Reihe schwerer Niederlagen zeigt sich Wal-Mart Germany bei Auskünften über sein Deutschlandgeschäft verschlossen. Spekulationen über die angeschlagene wirtschaftliche Lage des Unternehmens sind die Folge.

Jährlich soll der Konzern in Deutschland rund 300 Millionen Euro Verlust erwirtschaften. Die Schließung von Filialen dürfte folgen. Anfragen der Redaktion, mögliche Spekulationen richtig zu stellen, lässt die deutsche Konzernleitung ungenutzt verstreichen.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi entließ der Konzern in den vergangenen Monaten bereits eine hohe Zahl seiner Filialbeschäftigten, genaue Zahlen lägen bisher jedoch nicht vor.

"Die träumten den amerikanischen Traum"

Auch nach vier Jahren hat sich die Deutschlandtochter des weltgrößten Einzelhandelskonzerns scheinbar nicht an die Gepflogenheiten des deutschen Marktes gewöhnt. Der Konzern hatte den harten Wettbewerb in Deutschland offenbar deutlich unterschätzt. "Die träumten den amerikanischen Traum", sagte ein Analyst der BHF-Bank gegenüber manager-magazin.de.

Doch preisaggressive Discounter wie Aldi und Lidl holten Wal-Mart  bald auf den Boden der Tatsachen zurück. War der Händler einst angetreten, um den deutschen Markt aufzurollen, rangiert er heute mit einem geschätzten Jahresumsatz von 2,7 Milliarden Euro weit hinter Metro (49,5 Milliarden Euro), Rewe (37,5 Milliarden Euro) und Aldi (32,8 Milliarden Euro) auf Platz zwölf.

Tariflich vereinbarte Löhne gibt es bei Wal-Mart nicht

Auf hohe Löhne und den Einfluss der Gewerkschaften war der Konzern aus Amerika nicht vorbereitet. Es sind die Gewerkschaften, die dem Konzern zunehmend auf die Finger schauen.

Denn auch nach vier Jahren ist Wal-Mart nicht bereit, seinen Mitarbeitern tariflich vereinbarte Löhne zu zahlen. Der Konzern weigert sich beharrlich einen Anschlusstarifvertrag mit den Gewerkschaften zu unterzeichnen, der dies gewährleisten würde.

Folgt der Rückzug aus Deutschland?

Vertreter der Gewerkschaft ausgeschlossen

Die landesüblichen Regeln und Gesetze scheinen dem Konzern nach wie vor fremd. Erst kürzlich untersagte das Unternehmen dem Gewerkschaftsbeauftragten, der einer Einladung des Betriebsrats gefolgt war, die Teilnahme an der Sitzung zum Jahresabschluss - solch ein Ausschluss ist gesetzlich nicht erlaubt.

Der Betriebsrat klagte und erhielt in erster Instanz Recht. Wal-Mart kündigte Berufung an. Nun soll in Kürze vor dem Wuppertaler Landesarbeitsgericht abermals entschieden werden. "Wir rechnen fest damit, dass das Urteil erneut zu unseren Gunsten ausfallen wird", sagte Verdi-Sprecher Hans Martin Poschmann gegenüber manager-magazin.de.

Jahresabschlüsse bleiben unveröffentlicht

Doch die Weigerung des US-Konzerns, sich gemäß der landesspezifischen Vorschriften zu verhalten, nimmt damit noch kein Ende. Denn Wal-Mart stellt sich nach Angabe der Gewerkschaften auch bei der Veröffentlichung von Jahresabschlüssen quer. "Der Konzern hat seit drei Jahren nicht eine Bilanz veröffentlicht, obwohl er das müsste", sagte Verdi-Sprecher Thomas Schmidt.

Dem Antrag der Gewerkschaft beim Handelsregister auf Veröffentlichung der Jahresabschlüsse für die Jahre 1999, 2000 und 2001 wurde bereits statt gegeben. Doch Wal-Mart weigert sich weiterhin, diese offen zulegen. Laut Poschmann hat Wal-Mart erklärt, die Bilanzen seien gar nicht erstellt worden. Gegen das Bußgeld des Handelsregisters von 2500 Euro hat das Unternehmen bereits Einspruch erhoben.

Folgt der Rückzug aus Deutschland?

Schon lange spekulieren Experten darüber, ob sich der Konzern nach den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre und der anhaltenden Konsumflaute nun schrittweise aus Deutschland zurückziehen wird.

"Das wäre wahrscheinlich das Beste", sagt ein BHF-Bank-Analyst gegenüber manager-magazin.de. Wal-Mart habe die Lage in Deutschland völlig falsch eingeschätzt. Arbeitskräfte und Ladenflächen seien hierzulande eben teurer als in den USA.

Ein Scheitern würde für den Handelsgiganten jedoch einen gehörigen Imageschaden zur Folge haben. Zudem kann sich der Konzern die Verluste seines deutschen Ablegers scheinbar leisten. Weltweit erwirtschaftete Wal-Mart im vergangenen Jahr einen Gewinn von 6,7 Milliarden Dollar.

Wal-Mart: Der Handelsriese hat in Deutschland fast alles falsch gemacht

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