Deutsche Telekom "Sommer war nicht mehr der Richtige"

Ron Sommers Rücktritt war vor allem eine Reaktion auf die Tatsache, dass der Aufsichtsrat nicht mehr geschlossen hinter ihm stand. Im Gespräch mit manager-magazin.de erklärt AR-Chef Hans-Dietrich Winkhaus, warum auch er Sommer nicht mehr stützen wollte.
Von Heide Neukirchen

Hamburg - Nach der Sondersitzung des Telekom-Aufsichtsrats am 16. Juli begründete Ex-CEO Ron Sommer seine Demisson in erster Linie damit, dass der Aufsichtsrat "nicht mehr uneingeschränkt zu mir und der von mir verantworteten Strategie für das Unternehmen steht".

Diesen Sachverhalt hat AR-Chef Hans-Dietrich Winkhaus inzwischen bestätigt. Auch er habe dem CEO bei der Sitzung des Aufsichtsrats das Vertrauen entzogen, sagte er zwei Tage nach dem Rücktritt Sommers.

Noch wenige Wochen zuvor, am 8. Mai, hatte Winkhaus in einem Interview mit manager-magazin.de sich klar hinter Sommer gestellt. Wörtlich sagte er damals: "Auf Ihre Frage, ob bei dieser Kursentwicklung der CEO noch zu halten ist, antworte ich: Ja, er ist zu halten, weil er ein guter CEO ist. Wir sehen keine Notwendigkeiten, an der Spitze der Telekom eine Veränderung vorzunehmen."

Sommer stand für Internationalisierung

Den Sinneswandel begründete er nun gegenüber manager-magazin.de mit der Einsicht, dass Sommer "in der jetzigen Phase nicht mehr der richtige Mann" gewesen sei.

Sommer sei vornehmlich für die Internationalisierung und den Umbau des Konzerns gewesen. Jetzt aber brauche das Unternehmen einen Mann mit anderen Talenten an der Spitze, "einen Mann, der einen strengen Spar- und Konsolidierungskurs fährt".

Winkhaus weiter: "Ein Aufsichtsratsvorsitzender kann nicht permanent Vertrauenserklärungen für den Firmenchef abgeben." Nachdem sich die Meinungsspirale gegen die Telekom und Sommer immer schneller gedreht hätte, "wären in immer kürzeren Abständen aufeinanderfolgende Loyalitätserklärungen nötig gewesen". Diese habe er, sagte Winkhaus, in den letzten zwei Wochen nicht mehr abgeben wollen.

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