DaimlerChrysler Kurs auf Amerika

Der Kleinwagen Smart macht beim Absatz einen Sprung um 6,3 Prozent – jetzt soll der US-Markt erobert werden.

Stuttgart/Renningen - Kommt der Smart schon im kommenden Jahr auf den US-Markt? "Die Nachfrage ist vorhanden, das haben unsere Marktstudien ergeben", sagte Smart-Sprecher Hubert Kogel gegenüber manager-magazin.de.

Derzeit werde noch untersucht, welche baulichen Veränderungen an dem Kleinwagen vorgenommen werden müssten, damit er auf dem US-Markt zugelassen werden kann. In 17 Ländern wird der Kleinwagen bisher angeboten. In den USA soll das bestehende Vertriebsnetz von DaimlerChrysler  genutzt werden.

Wann der Smart, der in den Zulassungsstatistiken Deutschlands und anderer europäischer Staaten seit eineinhalb Jahren in der Spitzengruppe liegt, in den USA startet, stehe aber noch nicht fest - frühestens im kommenden Jahr, vielleicht aber auch erst 2004. Ein früherer Termin war vor den Anschlägen am 11. September geplant, wurde auf Grund des Ereignisses aber verschoben.

In Europa sind dagegen bereits die ersten Modelle des Joint Ventures zwischen dem Autoveredler und Tuner Brabus und Smart erhältlich. Für die Luxusvariante ("First Edition") des Smart-Cabrios werden 22.500 Euro verlangt, das City-Coupé kostet 19.900 Euro – der günstigste Standard-Smart ist dagegen bereits ab 8250 Euro zu haben.

Im kommenden Jahr will Andreas Renschler, seit Oktober 1999 Vorsitzender der Geschäftsführung, noch zwei Roadster-Modelle auf den Markt bringen. 2004 werden dann die ersten Smart-Viersitzer, die nicht mehr zweieinhalb sondern vermutlich 3,23 Meter lang sein werden, im niederländischen Born produziert. Die Fabrik gehört Mitsubishi, an der die Smart-Mutter DaimlerChrysler zu 37 Prozent beteiligt ist. Renschler, der vor seinem Wechsel an die Smart-Spitze für die M-Klasse bei Mercedes verantwortlich war, setzt damit seinen Kurs der Typenvielfalt beim Smart fort.

Nach der jüngsten Zulassungsstatistik der Fachzeitschrift "Autohaus" belegt der Kleinwagen in seinem Segment den Spitzenplatz: Von Januar bis Mai sind 18.692 Modelle in Deutschland verkauft worden, das entspricht einem Marktanteil von 20,2 Prozent. Auf den weiteren Plätzen folgen Renault Twingo (18,46 Prozent), VW Lupo (18,14 Prozent), Ford Ka (12,34 Prozent) und der BMW-Spross Mini Cooper (10,39 Prozent).

Warum der Smart in Japan ohne Parkplatz-Pflicht auskommt

Von Januar bis Juni verkauften sich die Coupés und Cabrios des Winzlings aus dem Hause DaimlerChrysler 62.450-mal - ein Plus von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die größten Märkte blieben Deutschland (21.000 Autos) und Italien (17.700). Die höchsten Zuwachsraten wurden in Großbritannien und in Japan erzielt, wohin 4415 (2911) beziehungsweise 3279 (2431) Kleinwagen – seit Herbst 2001 als Rechtslenker-Varianten - geliefert wurden, teilte die Micro Compact Car (MCC) Smart GmbH mit.

In Japan entfällt für Smart-Besitzer die in den Städten übliche Nachweispflicht für einen Parkplatz. Als einziges Importmodell bekam Smart den so genannten K-Bonus für Leichtfahrzeuge, nachdem das ohnehin schon kleine Auto in der Breite um 45 Millimeter auf 1,47 Meter verschmälert wurde.

Die Wirtschaftskrise und die damit verbundenen schmaleren Budgets in den Privathaushalten sind laut Smart-Sprecher Kogel nicht ausschlaggebend für den Absatzschub. Die Käufer verfügten über ein Haushaltsnettoeinkommen von durchschnittlich etwa 3000 Euro und nutzten den Smart hauptsächlich als Zweit- oder Drittwagen.

Allerdings würden 93 Prozent aller Käufer, die mit dem Smart ein vorhandenes Auto ersetzten, upgraden – auffällig sei, dass viele Kunden vom VW Golf auf den Smart umstiegen. Zwei Drittel der Smart-Nutzer seien männlich, während in der Kleinstwagenklasse in Europa insgesamt das Verhältnis umgekehrt aussehe: zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer.