Deutsche Telekom Wie geht es weiter?

Die von der Bundesregierung offenbar gewünschte Abwahl von Telekom-Chef Ron Sommer wird immer ungewisser. Sein potenzieller Nachfolger 205294,gehandelt. Der Vorstand stehe mittlerweile geschlossen hinter dem Telekom-Chef, heißt es.

Frankfurt am Main - Der Vorstand der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen) ist am Montag in der Bonner Konzernzentrale zusammengekommen. Einen Tag vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung über die Zukunft Ron Sommers berate das Gremium über ihr morgiges Vorgehen, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Unklar ist, ob auch Technik-Vorstand Gerd Tenzer an der Gesprächsrunde teilnimmt. Tenzer gilt bislang als Favorit des Aufsichtsrats für eine mögliche Sommer-Nachfolge.

Unterdessen ist weiter unklar, ob es im Aufsichtsrat eine Mehrheit für Sommers Ablösung gibt. "Es ist den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat bis jetzt nicht klar gemacht worden, aus welchen Gründen Sommer abgelöst werden soll," sagte der Sprecher der Gewerkschaft Verdi, Hermann Zoller.

Noch am Wochenende hatte es geheißen, dem Telekom-Aufsichtsrat solle am Dienstag Technik-Vorstand Gerd Tenzer als Nachfolger Sommers vorgeschlagen werden und seine Wahl gelte als sicher. Für eine Ablösung Sommers und die Wahl Tenzers ist der Bund auf die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat angewiesen, die zehn der insgesamt 20 Mitglieder stellen. Der Aufsichtsrat der Telekom tritt am Dienstag zusammen.

"Es gibt eine Front gegen ihn"

Der Gewerkschaftssprecher sagte, im Augenblick sei die Situation sehr verwirrend. "Ich glaube nicht, dass eine Entscheidung vor der eigentlichen Aufsichtsratssitzung fällt." In Telekom-Kreisen hieß es, Tenzer gelte als "Königsmörder", falls er seiner Nominierung zustimmen sollte. Der acht Mitglieder umfassende Vorstand hatte sich am Donnerstag geschlossen hinter Sommer und die Firmenstrategie gestellt.

"Es gibt eine Front gegen ihn", zitierte die "Financial Times Deutschland" aus Vorstandskreisen. Finanzchef Karl-Gerhard Eick lehnte eine Führungsaufgabe im Vorstand nach einem Ausscheiden von Sommer ab und durchkreuzte damit Überlegungen, für die Übergangszeit eine Doppelspitze mit Tenzer zu bilden.

Die "FTD" berichtete ohne Angaben von Quellen, Anhänger des Telekom-Chefs wollten den Gegnern von Sommer einen Kompromiss vorschlagen. Sommer solle zunächst Vorstandschef bleiben, aber nach einer "Schamfrist" in den Aufsichtsrat wechseln. In der Zwischenzeit solle ein geeigneter Nachfolger gesucht werden.

Aktie taumelt - "zu früh gefeiert"?

Der im Aufsichtsratspräsidium der Telekom vertretene Ehrenvorsitzende der Agfa-Gevaert-Gruppe, André Leysen, wollte sich nicht näher zum Stand der Personaldiskussion äußern. Er rechne mit einer "dem Telekom-Aufsichtsrat würdigen Diskussion", sagte Leysen.

Zugleich übte Leysen scharfe Kritik an Goldman-Sachs-Chef Henry Paulson, der sich für einen Verbleib Sommers ausgesprochen habe. Diese Einmischung sei "unprofessionell", sagte Leysen. Goldman Sachs ist langjähriger Berater der Deutschen Telekom.

Kanzlerrüge von Angela Merkel

CDU-Chefin Angela Merkel sagte der "Süddeutschen Zeitung", Kanzler Gerhard Schröder erwecke "den fatalen Eindruck einer stümperhaften Einflussnahme der Bundesregierung und des Bundeskanzlers auf dem Rücken der Kleinaktionäre". Mit einem solchen Verhalten füge er dem Unternehmen und dem Standort Deutschland schweren Schaden zu.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat eine Stellungnahme zur Diskussion um Ron Sommer zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt. Er werde dazu jetzt nichts sagen, um den Prozess nicht durch Bemerkungen zu beeinflussen, sagte er am Montag in Potsdam.

Müller wörtlich: "Fragen Sie mich morgen nach der Aufsichtsratssitzung." Der Minister äußerte sich am Rande einer Veranstaltung des "Forums Ostdeutschland" der SPD zum Mittelstand.

An der Börse gaben die Aktien der Telekom einen Großteil der in der vergangenen Woche erzielten Kursgewinne wieder ab. Die T-Aktie war mit einem Minus von 6,67 Prozent auf 11,33 Euro der größte Verlierer im Dax, der zur gleichen Zeit nur mit 0,5 Prozent im Minus lag.

"Wir haben zu früh gefeiert. Die vergangene Woche war geprägt von Hoffnungen auf einen schnellen Rücktritt von Herrn Sommer und auf eine schnelle Lösung für alle Probleme", sagte Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest. "Jetzt erhalten wir klarere Signale, wer der nächste Chef sein könnte", fügte er hinzu.

Der Telekom-Analyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein, Hannes Wittig, sieht Tenzer als Übergangslösung. "Tenzer ist ein Kandidat, der es der Bundesregierung erlaubt, eine Bruchlandung zu vermeiden und nur eine Bauchlandung hinzulegen." Tenzer habe keine persönlichen Allüren und sehe den Job als Pflichtaufgabe.

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