Deutsche Bank Wilde Spekulationen?

Das Institut plant Berichten zufolge Abschreibungen in Milliardenhöhe - Experten haben Zweifel.

Hanburg/London - Die Deutsche Bank plant einem Zeitungsbericht zufolge milliardenschwere Abschreibungen im Zusammenhang mit ihren US-Übernahmen. Das berichtet die Londoner Zeitung "The Business" am Sonntag ohne Nennung von Quellen. Für die erste Bilanz, die der neue Vorstandssprecher Josef Ackermann zu verantworten hat, hätte die hohe Summe verheerende Folgen.

Die Goodwill-Abschreibungen aus den Käufen des Investmenthauses Bankers Trust und des Vermögensverwalters Scudder Asset Management könnten sich auf bis zu neun Milliarden Euro belaufen, berichtet das Blatt. "Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank gegenüber manager-magazin.de.

Experten erheben dagegen Zweifel an dem kolportierten Abschreibungsplan. Vom Bilanzierungsansatz mache ein solches Vorgehen keinen Sinn, sagte Georg Kanders, Analyst bei der West LB Panmure gegenüber manager-magazin.de. Durch diesen Schritt könne die Bank künftige Kosten nicht reduzieren.

Bilanzierungsentscheidungen zur Jahreshälfte?

Die Deutsche Bank legt ihren Geschäftsbericht seit 2001 nach der Bilanzierungsvorschrift US-GAAP vor. Danach ist es seit Jahresanfang nicht mehr erlaubt, Goodwill über Jahre hinweg abzuschreiben. Wenn Unternehmen sich von Bilanzpositionen trennen wollen, wäre dies nur noch durch eine einmalige Abschreibung möglich, erklärte ein Experte. Ein Verlustvortrag über mehrere Jahre sei nicht mehr erlaubt.

Im Normalfall würden Unternehmen einmal jährlich einen Impairment-Test durchführen, in dem der Bilanzwert und die tatsächlichen Goodwillbestände gegenüber gestellt werden. Erst dann würde entschieden, ob Abschreibungsbedarf bestehe. Es sei jedoch ungewöhnlich, dass Unternehmen solche Werthaltigkeitsprüfungen und Bilanzierungsentscheidungen zur Jahreshälfte träfen, erklärte die Expertin weiter.

Scudder-Asset-Management-Kauf in Bilanz noch nicht erfasst

Die Deutsche Bank hatte im Geschäftsbericht 2001 ein immaterielles Vermögen von 8,741 Milliarden Euro ausgewiesen. Würde der Finanzkonzern nun eine Abschreibung von neun Milliarden Euro vornehmen, handelte es sich um eine 100-prozentige Abschreibung, sagte eine Analystin der Vereins- und Westbank. Sie hält ein solches Vorhaben für unwahrscheinlich.

Die Übernahme von Bankers Trust kostete die Deutsche Bank 1999 rund 9,4 Milliarden US-Dollar. In der Bilanz des entsprechenden Geschäftsjahres wurde ein Goodwill-Zugang von 6,759 Milliarden Euro verbucht. Der Kauf des Vermögensverwalters Scudder Asset Management sei dagegen bisher nicht in den Büchern ausgewiesen, da das Geschäft erst zum 8. April dieses Jahres besiegelt worden sei und dementsprechend erst im Geschäftsbericht des zweiten Quartals aufgeführt würde.

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