Telekombranche Die Absteiger und die Aussitzer

In der hoch verschuldeten Telekommunikationsbranche rollen die Köpfe. Ein Überblick über die Absteiger und die Aussitzer.
Von Jochen Eversmeier und Anne Preissner

Die Absteiger

Sir Peter Bonfield

, von der Queen geadelter CEO von British Telecom (BT) , musste im Januar vorzeitig abtreten. Sechs Jahre verfolgte Sir Peter eine aggressive Expansionsstrategie, häufte einen Schuldenberg von 13,6 Milliarden Pfund (Ende 2001) an. Kurz vor seinem Abgang wurde der BT-Konzern aufgeteilt und weitgehend zu einem nationalen Netzbetreiber zurecht gestutzt.

Bernie Ebbers gründete 1983 die US-Telefonfirma LDDS, später umbenannt in Worldcom . Ebbers akquirierte mehr als 70 Unternehmen - darunter den größeren Konkurrenten MCI. Überkapazitäten und Wettbewerb führten zu einem dramatischen Preisverfall. Bei einem Umsatz von 35,2 Milliarden Dollar (2001) weist Worldcom Verbindlichkeiten in Höhe von 29,3 Milliarden Dollar aus. Am 30. April musste der Rüpel der Wall Street, der sich gern aus der Unternehmenskasse bediente, zurücktreten.

Joseph Nacchio musste seinen Job als Qwest-CEO Mitte Juni aufgeben. Offiziell tat er das freiwillig. Qwest , der einstige Überflieger, steht bei der US-Börsenaufsicht SEC unter Verdacht, die Umsätze künstlich aufgebläht zu haben. Die SEC untersucht, die Staatsanwaltschaft in Denver/Colarado hat strafrechtliche Ermittlungen gegen den schwer angeschlagenen Telekomkonzern eingeleitet. Zukäufe ließen die Schulden des Unternehmens auf 26,6 Milliarden Dollar steigen, Teile müssen verkauft werden. Nur Nacchio persönlich hat keine Sorgen. Sein Jahressalär versechsfachte sich 2001 auf über 27 Millionen Dollar.

Gerhard Schmid wurde Ende Juni auf Betreiben des einstigen Partners France Telecom  als Mobilcom-Chef geschasst. Der Firmengründer hatte voll auf ein eigenes UMTS-Netz gesetzt und nahm dafür eine immense Schuldenlast in Kauf. Großaktionär und Kreditgeber France Telecom - selbst hoch verschuldet - wollte diese kostspielige Strategie nicht länger mittragen. Derzeit streiten die Parteien um den "fairen" Übernahmepreis der Anteile Schmids, der noch immer Mobilcom-Hauptaktionär ist und direkt 39,8 Prozent sowie indirekt weitere rund zehn Prozent der Papiere  über die von seiner Ehefrau kontrollierte Millennium GmbH hält. Eine Einigung ist nicht in Sicht, das Überleben der Mobilcom AG bleibt ungewiss.

Paul Smits gab auf Druck der Gläubigerbanken im September 2001 seine Position als Vorstandschef der niederländischen KPN (Kurswerte anzeigen) auf. Er wollte aus der kleinen Telefonfirma einen europäischen Großkonzern formen und scheiterte an der erdrückenden Schuldenlast von 22,8 Milliarden Euro. Ob KPN ihre teuer gekaufte deutsche Mobilfunktochter E-Plus auf Dauer halten kann, ist noch unklar.

Kaj-Erik Relander konnte sich nur sieben Monate als Vorstandschef der finnischen Telefongesellschaft Sonera (Kurswerte anzeigen) behaupten; er trat Mitte 2001 zurück. Seine riskante Beteiligungsstrategie in Europa und die teure UMTS-Investition in Deutschland (Sonera hält 42,8 Prozent am Mobilfunkneuling Quam) ließen die Schulden auf mehr als fünf Milliarden Euro schnellen.

Die Aussitzer

Die Aussitzer

Ron Sommer hat im Zuge des Börsenhypes teure Zukäufe in den USA (Voicestream) und Großbritannien (One2One) forciert, musste Milliardensummen für UMTS-Lizenzen bezahlen. Verbindlichkeiten der Deutschen Telekom  in Höhe von über 65 Milliarden Euro drücken den Kurs, verschlechtern das Kreditrating. Alle Pläne, die Schulden rasch abzubauen, sind vorerst gescheitert. Nun scheint Sommer das Heft des Handelns genommen. Der Telekom-Chef steht vor dem Rausschmiss.

Michel Bon hat auf seinem Weg, France Telecom  in einen führenden europäischen Konzern umzuwandeln, Rekordschulden von 63,2 Milliarden Euro angehäuft. Fragwürdigstes Manöver war die Beteiligung an der deutschen Mobilcom  und der damit verbundene Erwerb einer deutschen UMTS-Lizenz. Jetzt fehlt Bon das Geld für den Netzausbau und die Übernahme von Mobilcom.

Michael Armstrong galt bei seinem Antritt bei AT&T  als Retter des führenden US-Fernnetz-Betreibers. Sein Plan, mit Zukäufen für 100 Milliarden Dollar einen integrierten Konzern für Telekommunikation zu schmieden, ist gescheitert. Vor zwei Jahren wurde die Aufspaltung von AT&T in vier Einheiten beschlossen. Die Firma hat langfristige Schulden von 94 Milliarden Dollar. Armstrong verlässt AT&T, bleibt aber der Telekombranche treu. Er soll Chairman der neuen AT&T Comcast werden. Die schon lange eingefädelte Fusion zwischen der Kabelfernsehsparte von AT&T und Comcast wurde am Donnerstag von den Aktionären abgesegnet.

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