Deutsche Telekom Keine Schnellverkäufe

Der Bonner Konzern überlegt laut Medienberichten, sich von Teilen der IT-Sparte zu trennen. So könnten zum Beispiel Rechenzentren verkauft werden.

Hamburg - Die Deutsche Telekom  prüft offenbar den Verkauf von Teilen ihrer IT-Sparte T-Systems. Das vorrangige Ziel sei der Abbau der Schulden. In diesem Zusammenhang würde auch ein Verkauf von Teilen der IT-Sparte geprüft. Das berichtete die "Financial Times Deutschland" in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf Unternehmenskreise. Es könnten beispielsweise Rechenzentren abgegeben werden.

Ein Verkaufspreis sei nicht genannt worden. T-Systems war aus einer Fusion verschiedener Telekomsparten mit dem Debis Systemhaus von DaimlerChrysler  entstanden. Erst im vergangenen Quartal zahlte die Telekom für die Übernahme der restlichen 49 Prozent der Debis-Anteile 4,7 Milliarden Euro. Insgesamt betrug der Kaufpreis fast zehn Milliarden Euro.

Die Telekom könnte für den Verkauf von T-Systems zurzeit lediglich einen Kaufpreis von vier bis sechs Milliarden Euro erzielen, erklärte ein Experte unter Berufung auf eine Studie von ABN Amro. "Damit würde die Telekom ihr Tochterunternehmen weit unter Wert verkaufen", sagte Joachim Koller, Analyst bei Merck Finck.

"Der Verkauf der gesamten Sparte ist unwahrscheinlich"

T-Systems erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern betrug minus 289 Millionen Euro. Neben T-Mobile wird die IT-Sparte als einer der hoffnungsvollsten Geschäftsbereiche der Telekom gehandelt, da gerade das Geschäft mit IT-Dienstleistungen als konjunkturunabhängig gilt.

"Es ist nicht auszuschließen, dass die Telekom Teile der T-Systems verkaufe", sagte Ilona Hasselbrink, Analystin der Berenberg Bank zu den Spekulationen. Möglicherweise sei der Konzern auf seinem Sparkurs nun gezwungen, erste Resultate vorzuweisen und würde sich deswegen von Unternehmensteilen der IT-Sparte trennen.

Ein Verkauf der gesamten Sparte aus Gründen zu geringer Synergieeffekte sei dagegen unwahrscheinlicher. T-Systems zähle zwar als IT-Dienstleister neben Unternehmenstöchtern wie T-Mobile, T-Com und T-Online weniger zum originären Telekommunikationsbereich, doch profitierten die anderen Sparten von den Synergieeffekten aus dem Geschäftskundenbereich des IT-Dienstleisters. Im vergangenen Jahr trug die Unternehmenstochter fast ein Viertel des Telekom-Umsatzes von 48,3 Milliarden bei.

"Die Reduzierung der Schulden ist eines der Hauptziele

Die Telekom-Tochter T-Systems verkauft Telekommunikationsdienstleistungen an Großkunden. T-Systems-Chef Christian Hufnagl hat den Angaben nach den Auftrag, das Unternehmen bis Ende 2002 fit für die Börse zu machen. Verkäufe von nicht zum Kerngeschäft zählenden Einheiten schließe diese Strategie mit ein. Ein Telekomsprecher wollte zu den Spekulationen keine Stellung nehmen, bestätigte aber gegenüber manager-magazin.de, dass die Reduzierung des Schuldenstandes nach wie vor eines der Hauptziele sei.

Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick will die Verschuldung des Konzerns bis Ende nächsten Jahres von rund 67 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro reduzieren. Dazu sollen unter anderem Immobilien und TV-Kabelnetze verkauft werden.

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