Stinnes In Düsseldorf klingelt die Kasse

Die Deutsche Bahn zahlt 32,75 Euro pro Stinnes-Aktie. Insgesamt kostet die Übernahme des Logistikkonzerns 2,5 Milliarden Euro. Großaktionär Eon fährt 600 Millionen Euro Buchgewinn ein.

Düsseldorf - Die Deutsche Bahn will den Logistikkonzern Stinnes  für rund 2,5 Milliarden Euro kaufen. Mit der Übernahme kann die Bahn künftig Gütertransporte von Werkstor zu Werkstor anbieten und zu einem der führenden europäischen Logistik-Unternehmen werden.

Den Stinnes-Aktionären sollen 32,75 Euro pro Anteilschein geboten werden. Das teilte Stinnes-Großaktionär Eon  am Mittwoch ad hoc mit. Am Abend werde der Eon-Aufsichtsrat über die Transaktion, die noch im Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden solle, entscheiden, hieß es weiter in der Ad-hoc-Mittteilung. Eon hält rund 65 Prozent an Stinnes und kann dadurch mit einem Erlös von gut 1,6 Milliarden Euro rechnen. Der Buchgewinn liegt laut Eon bei rund 600 Millionen Euro.

Die im MDax notierten Aktien der Stinnes AG waren am Mittwoch von 13.00 Uhr bis 14.30 Uhr vom Handel ausgesetzt. Der letzte Kurs vor dem Handelsstopp lag bei 31 Euro, ein Plus von 4,9 Prozent. Nach Wiederaufnahme des Handels sprang die Aktie sofort über die 32-Euro-Marke.

Den Kreisen zufolge will die Bahn den Kauf durch eine vorübergehende Erhöhung seiner Neuverschuldung finanzieren. Dies könne über Bankkredite aber auch über die Ausgabe neuer Anleihen erfolgen, hieß es.

Analysten hatten einen Kaufpreis für den Mülheimer Traditionskonzern Stinnes in der Größenordnung von 2,5 Milliarden Euro als fair bezeichnet. Ein Teil des Kaufpreises solle durch den anschließenden Verkauf von Randbereichen wie der Werkstoffsparte von Stinnes refinanziert werden, hieß es in den Kreisen weiter.

Erst kaufen, dann zerschlagen

Dieser Stinnes-Bereich, der den Handel mit Stahlprodukten und Rohstoffen umfasst, hatte zuletzt mit Problemen zu kämpfen. Auch die Branchenexperten rechnen daher mit einem Verkauf der Sparte durch den neuen Eigentümer.

Die Bahn erwartet den Kreisen zufolge aus dem Verkauf Einnahmen von 700 bis 800 Millionen Euro. Es liefen bereits Gespräche, ein Käufer stehe aber noch nicht fest, verlautete aus den Kreisen. Die dritte Konzernsäule, die Chemielogistik unter der Dachgesellschaft Brenntag, soll indes bei der Bahn bleiben. Sie ist hochprofitabel.

Die Spedition Schenker gehörte vor gut zehn Jahren noch zur Bahn. Sie war dann aber unter dem damaligen Management verkauft worden - ein Fehler, den der heutige Bahnchef Mehdorn nun wieder wettzumachen versucht. Schenker ist im zersplitterten deutschen Logistikmarkt zusammen mit der Post-Tochter Danzas eines der stärksten Unternehmen.

Der frühere Schenker-Chef Bernd Malmström wechselte bereits zur Bahn und ist Chef von DB Cargo. Diese hatte in den vergangenen Jahren allerdings nur schwache Erträge verzeichnet. Ihr Geschäft macht sie vor allem mit Massengütern und sie ist stark von wenigen Großkunden abhängig.

Probleme könnte der bevorstehende Zusammenschluss unterdessen bei den Gewerkschaften hervorrufen. Während die Bahn-Mitarbeiter von der Eisenbahngewerkschaft Transnet betreut werden, sind die Stinnes-Beschäftigten bei der Dienstleistungsgesellschaft Verdi organisiert. Zwischen den Gewerkschaften soll es daher in den nächsten Tagen bereits Gespräche über eine einheitliche Arbeitnehmervertretung geben.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.