Deutsche Bank Elefantenhochzeit mit den Eidgenossen?

In Frankfurt und Zürich sorgen Gerüchte für Unruhe. Plant Bank-Chef Josef Ackermann eine Fusion mit der Crédit Suisse Group?

Frankfurt - Kaum hat der Schweizer Josef Ackermann den Chefsessel von Rolf-E. Breuer übernommen, gibt es neue Fusionsgerüchte. Diesmal im Gespräch: Der ehemalige Arbeitgeber Ackermanns, die Züricher Crédit Suisse Group . Der Kursverfall der Aktie wird von einigen Marktteilnehmern als Hinweis auf eine mögliche Übernahme des Schweizer Finanzkonzerns durch die Deutsche Bank  gedeutet.

Der Titel der Crédit Suisse Group (CSG) verlor am Dienstag erneut. Er gab 4,81 Prozent auf 46,50 Euro ab, nachdem er zu Jahresbeginn noch bei über 70 Euro gehandelt worden war.

Die betroffenen Unternehmen selbst hüllen sich in Schweigen. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verweigerte am Mittwoch einen Kommentar zu dem Thema. Als er auf einer Pressekonferenz zum Thema Corporate Governance in Berlin zu den Fusionsgerüchten befragt wurde, sagte er: "Ich bin hier, um über das Thema Corporate Governance zu sprechen. Ich möchte über nichts anderes reden." Immerhin bekräftigt er seine frühere Aussage, dass Akquisitionen für das Finanzinstitut derzeit nicht im Fokus stehen. Im Mittelpunkt stünde vorerst die Kostenkontrolle.

Bankanalyst: "Grundsätzlich würde es Sinn machen"

Marktexperten sind sich noch nicht einig, wie sie das Fusionsgerücht bewerten sollen. Einige sehen allerdings in Detailfragen noch große Schwierigkeiten für eine möglichen Übernahme.

"Von den Grundvoraussetzungen würde eine Übernahme schon Sinn machen", sagte ein Bankanalyst gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Deutsche Bank wolle einerseits im Finanzbereich zukaufen, anderseits sich schnell von den Industriebeteiligungen trennen, da ein möglicher Berliner Regierungswechsel die Steuerfreiheit bei Beteiligungsverkäufen rückgängig machen könnte.

In diesem Jahr hat die Deutsche Bank bereits Aktienpakete von Allianz  und Münchener Rück  abgestoßen. Darüber hinaus wird immer wieder spekuliert, dass man sich auch vom Anteil an DaimlerChrysler  - insgesamt rund zwölf Prozent - trennen wolle.

Zudem mache die Marktentwicklung die Suche nach Alternativen zum Investment Banking, das die Deutsche Bank vor allem seit der Übernahme der amerikanischen Bankers Trust im Jahr 1999 forciert hat, nötig. Da der Aktienkurs der CSG stark gefallen sei und der neue Deutsche-Bank-Chef Ackermann Josef Ackermann zuvor bei CSG tätig war, "wird Ackermann eine mögliche Übernahme zumindestens mal gedanklich durchspielen", sagte der Analyst.

Die größte Schwierigkeit für eine mögliche Übernahme der CSG durch die Deutsche Bank sehen Marktexperten in der aktuellen Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen. Die Deutsche Bank sei mit 44 Milliarden Euro nur etwas höher bewertet als die CSG mit rund 40 Milliarden Euro.

"Deshalb käme nur ein Merger of Equals in Frage, der ist von der Deutschen Bank aber nicht gewollt", urteilte ein Frankfurter Analyst. Josef Ackermann, der die CSG im Streit verlassen hatte, würde sich nicht zudem das Zepter von seinem ehemaligen Arbeitgeber aus der Hand nehmen lassen. Auch die CSG dürfte sich als Junior Partner zu schade sein.

Das sagen Fachleute

Auch zusätzliche Kosten durch Überschneidungen und Doppelkapazitäten wären eine große Belastung. Die Frage sei, wie hoch das Kostensparpotenzial sein würde und ob die Gewerkschaften eine solche Übernahme überhaupt mittragen würden - zumal die Deutsche Bank bereits angekündigt hatte, 13.000 Stellen abbauen zu müssen. Durch höhere Kosten würde zudem das operative Geschäft erst einmal leiden, Synergien würden sich erst langfristig ergeben.

Dieter Hein, Branchenexperte bei der französischen Großbank Credit Lyonnais, glaubt aber, dass die Deutsche Bank eher an einer "kleineren Einheit" in der Schweiz interessiert sei - und das wäre die CSG nicht. Außerdem seien andere Bereiche weniger komplementär: Im Investment Banking würden sich mit der Crédit Suisse First Boston viele Überlappungen ergeben.

Außerdem habe sich die "Deutsche" gerade aus dem Versicherungsgeschäft zurückgezogen und den Deutschen Herold veräußert, während die CSG mit Winterthur Versicherungsprodukte verkauft.

In einem wichtigen Bereich sieht Hein trotzdem Gemeinsamkeiten: Die Deutsche Bank wolle sich stärker im Private Banking, dem Geschäft mit den vermögenden Privatkunden, engagieren - auch durchaus in der Schweiz. In diesem Geschäftsfeld sei die Crédit Suisse "stark".

Ein Frankfurter Experte würde zudem rosigere Zeiten auf das Asset Management (Vermögensverwaltung) der Deutschen Bank zukommen sehen, denn da sei die Schweizer Konkurrenz führend.

Andere Marktexperten schätzen auch, dass Ackermann wegen seiner früheren CSG-Tätigkeit eine Übernahme schneller als andere durchziehen könnte. Der neue Deutsche-Bank-Chef wisse, an welcher Stelle Kosten schnell gespart werden könnten und welche Leuten innerhalb der Crédit Suisse bei einer Eingliederung in die Deutsche Bank helfen könnten, so die Einschätzung eines Analysten.

Seine Einschätzung: "Ackermann hat sicherlich noch gute Kontakte zu vielen einflussreichen Leuten innerhalb der Crédit Suisse".

Crédit Suisse weiter auf Talfahrt

Unterdessen geriet die Aktie der Crédit Suisse  am Dienstag weiter unter Druck. Bis Handelsschluss verlor sie 4,81 Prozent an Wert und kostete am Ende des Tages nur noch 46,50 Schweizer Franken. Der SMI büßte indessen 2,03 Prozent auf einen Schlussstand von 5.863,80 Punkten ein.

Händler erklärten diese Schwäche mit Gerüchten um einen Wechsel im Vorstandsvorsitz des Finanzkonzerns. Die Anleger würden sich von ihren Anteilsscheinen trennen, da sie befürchteten, mit einem neuen Mann an der Spitze des Unternehmens könnten "neue Leichen aus dem Keller geholt" werden.

Spekulationen um Ablösung von Bank-Chef Mühlemann

Gerüchte, dass Konzernchef und Verwaltungsratspräsident Lukas Mühlemann abgelöst werden soll, kursierten bereits seit einiger Zeit. Einem Bericht der schweizerischen Tageszeitung "L'agefi" vom Montag zufolge werden als mögliche Nachfolger der gegenwärtige Vorstandschef der Schweizer Rück, Walter Kielholz, und der ehemalige Leiter von Credit Suisse Private Banking, Oswald Grübel, genannt.

Mühlemann war in die Kritik geraten, als er die Versicherungstochter Winterthur mit 1,7 Milliarden Franken Kapital stützte. Einige Branchenteilnehmer zweifeln nun seine Strategie, Bank- und Versicherungsgeschäft zu vereinen, an. Außerdem mehrte sich dadurch die Sorge, dass die Bank nun eine Bezugsrechtsemission plane.

Auch die Probleme der Investment-Tochter Crédit Suisse First Boston - hohe Kosten, Stellenabbau, Restrukturierung - werden Mühlemann angelastet. Zudem hat der Aktienkurs, der am Jahresanfang noch bei 70 Franken notierte, Unmut aufkommen lassen, vom Gewinneinbruch um mehr als 70 Prozent im vergangenen Jahr nicht zu reden.

Derzeit herrsche außerdem die Sorge vor, dass das Engagement beim Skandal-Konzern Worldcom größer sei als das der Bank-Konkurrenz, hieß es am Markt. Schließlich habe die Kreditvergabe an den amerikanischen Enron-Konzern die Bank genug belastet. Nun soll Mühlemann möglicherweise sein Doppelmandat zurückgeben.

Lukas Mühlemann (Jahrgang 1950) und Josef Ackermann (Jahrgang 1948) sind nicht nur fast gleich alt, sondern auch alte Bekannte. Als Ackermann 1996 nach einem Streit mit dem Verwaltungspräsidenten Rainer E. Gut.überraschend seinen Chefsessel bei dem Schweizer Finanzkonzern räumte, folgte ihm Mühlemann, der zuvor bei McKinsey und dann bei Swiss Re gearbeitet hatte.

Die weitere Kurs-Entwicklung der Crédit Suisse wird von einigen Analysten kritisch gesehen. Erst unlängst hatten die Experten der WestLB Panmure ihr Kursziel für Crédit Suisse von 78 auf 74 Euro gesenkt und dies damit begründet, dass die Bank ihren Anteil an Swiss Re von 5,3 Prozent auf weniger als fünf Prozent reduziert habe.

Es werde daher vermutet, dass hierdurch ein Gewinn erzielt worden sei, der maßgeblich zu den 600 Millionen Schweizer Franken beigetragen habe, die zur Stärkung der Eigenkapitalbasis von Winterthur zugeschossen wurden. Dies dürfte zu gesunkenen Reserven führen, weshalb der faire Wert reduziert werde. Es bleibe dennoch bei der Kaufempfehlung für Crédit Suisse, da die Aktie auf den Kurssturz an den Märkten überreagiert habe.


Porträt: Ackermann - der stille Macher Diese Männer sollen die Deutsche Bank umbauen

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