Babcock Borsig Von Strohhalmen und Raubtieren

Neue Hoffnung keimt auf - nach einem positiven Beschluss des Landgericht Köln will NRW-Ministerpräsident Clement am Mittwoch auf einem Krisengipfel den Maschinenbaukonzern vor dem Aus retten.

Düsseldorf - Das Landgericht Köln hat nach Angaben der Babcock Borsig AG  den Arrestbeschluss vom 17. Juni über insgesamt 143 Millionen Euro gegen die Tochter Steinmüller am Dienstag endgültig aufgehoben. Dies gelte für Beträge, die über 25 Millionen Euro hinausgingen, gab der Oberhausener Konzern am Dienstag bekannt. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte bereits am vergangenen Freitag angekündigt, den Arrestbeschluss nicht mehr zu vollstrecken, um nicht die Rettung von Babcock zu gefährden. Damit sei eine weitere wesentliche Hürde auf dem Weg zur Sanierung des Konzerns genommen, erklärte Babcock Borsig.

Zugleich hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) die Hausbanken, großen Anteilseigner und den Vorstand des angeschlagenen Oberhausener Maschinen- und Anlagenbauers für Mittwoch zu einem Krisengipfel eingeladen. Dies kündigte Clement am Dienstag vor rund 1500 Beschäftigten des Konzerns an, die zu einer Demonstration vor der Düsseldorfer Staatskanzlei zusammen gekommen waren.

Man müsse sich so lange an einen Tisch setzen, bis eine Lösung gefunden sei, forderte er. Die Landesregierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um zur Rettung von Babcock beizutragen. Grundlage müsse aber ein tragfähiges Sanierungskonzept sein, betonte Clement.

Als letzten Strohhalm hatte Rainer Schilling, Mitglied im Betriebsrat von Babcock-Borsig, die Hilfe der Politik bezeichnet. Nur sie könne noch Einfluss auf die Banken nehmen. Sonst werde Babcock-Borsig zum einem weiteren "Opfer auf dem Altar des Raubtierkapitalismus".

Die Aktie von Babcock schoss nach der Ankündigung wie ein Pfeil nach oben und stand am frühen Abend mit rund vier Prozent im Plus, nachdem sie schon mit mehr als 20 Prozent im roten Bereich notiert hatte.

"Die Ratten verlassen das sinkende Schiff"

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) kritisierte den Vorstand des Unternehmens: "Was unten erwirtschaftet wird, wird oben wieder rausgepustet." Scharfe Kritik übten auch die Demonstranten am früheren Babcock-Chef Klaus Lederer. Auf Transparenten war zu lesen: "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff." Oberhausens Oberbürgermeister Burkhard Drescher (SPD) sagte: "Das ist ein Scherbengericht und es hat einen Namen: Klaus Lederer."

Babcock selbst trat unterdessen energisch den in Frankfurter Bankenkreisen geäußerten Vorwürfen entgegen, wonach die Rettungsbemühungen aus dem Unternehmen heraus sehr begrenzt waren. "Das weisen wir nachhaltig zurück", sagte ein Babcock-Sprecher zu vwd. Es habe sehr wohl hektische Betriebsamkeit geherrscht, und auch mehrere Rettungspakete seien geschnürt worden. Daher halte er auch an seiner Prognose fest, dass "mit etwas gutem Willen die Sache lösbar ist". Zudem gebiete es die wirtschaftliche Vernunft, das von Roland Berger erarbeitete Rettungskonzept nicht scheitern zu lassen.


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