Ryanair Erfolgreich durchgestartet

Die Billigfluggesellschaft jagt der Lufthansa immer mehr Kunden ab. Das belegt nun eine Studie. Experten rechnen damit, dass die Flugpreise nochmals deutlich unter Druck geraten dürften.

Bonn - Bei Lufthansa  dürften die Alarmglocken läuten: Fast die Hälfte der Fluggäste in Maschinen der Ryanair  haben früher bei ihnen Platz genommen.

Dies ist zumindest das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners. 48 Prozent der befragten 230 Fluggäste der Billig-Fluggesellschaft gaben an, vorher mit der Lufthansa in die Luft gegangen zu sein.

"Die angegriffenen großen Airlines müssen jetzt schnell handeln und gezielt Preise und Serviceleistungen überarbeiten", sagte Berater Michael Schleusener. Einmal verlorene Kunden würden bei den Discounter-Gesellschaften bleiben. Bereits 47 Prozent der Billigflug-Kunden buchten, ohne sich nach den Angeboten anderer Airlines zu erkundigen. Auch klassische Kundenbindungsversuche würden nicht weiterhelfen: 27 Prozent der Billigflug-Kunden besäßen eine Vielflieger-Karte.

Weiteres Kundenpotenzial: Geschäftsreisende

Ein hektischer Umbau von Geschäfts- und Preissystemen der Lufthansa sei aber der falsche Weg, glaubt Schleusener. Dieser verwirre nur die Kunden und verbessere das Ergebnis nicht langfristig. Alle Optionen vom Aufbau einer eigenen Billigfluglinie bis zum Verzicht einzelner Segmente müssten von Lufthansa aber geprüft werden. "Es sieht danach aus, dass die Preise langfristig sinken werden."

Ryanair könnte die Daumenschraube noch weiter anziehen und den Wettbewerb beschleunigen. Die Iren sollen mit weiteren Flughäfen im Gespräch stehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Airports mit den Billigfliegern Geld verdienen wollen.

Ein weiteres Potenzial sind Geschäftsreisende, die noch weitgehend Lufthansa-Maschinen buchen. Bei sinkenden Reisebudgets in den Unternehmen, so Schleusener, gebe es auch hier Möglichkeiten.

Als Gründe für das Umsteigen werde vor allem der Preis genannt. "Es gab Fluggäste, die jedes Wochenende etwa heim nach Italien fliegen", sagte der Unternehmensberater.

Kostenlose Parkplätze sind auch ein Anreiz

Ein Vorteil des entlegenen Flughafens Frankfurt-Hahn, der von Ryanair angeflogen wird, seien außerdem die kostenlosen Parkplätze. "Manche nehmen eine Anreise von 200 Kilometern in Kauf", sagte Schleusener. Selbst ein Reisender aus der Schweiz war dabei. "Andere Flugplätze sind mit teuren Parkplätzen und schwierigen Anfahrten auch nicht gerade attraktiv."

Dabei sind es nicht unbedingt Fluggäste, die das erste Mal das Flugzeug benutzen und dazu mit dem Rucksack anreisen. "Dieses Argument wird von Lufthansa immer wieder genannt", sagte Schleusener. Gerade junge, gut ausgebildete Kunden nehmen das Angebot überdurchschnittlich gerne an. Die Hälfte der Befragten habe studiert, 40 Prozent seien zwischen 25 und 35 Jahre alt. "Das ist ein für Fluggesellschaften hoch attraktives Zielpublikum", glaubt der Berater.

Bislang gibt sich die deutsche Fluggesellschaft gelassen. Lufthansa-Chef Jürgen Weber räumte vergangenen Woche ein, dass die Billigflieger ihm "den einen oder anderen Kunden" wegnehmen. Allerdings sei dies "noch nicht dramatisch".

Thomas Veitinger