Babcock Borsig Komödie der Irrungen

US-Investor Guy Wyser-Pratte unterliegt vor dem Oberhausener Amtsgericht wegen Anfechtung des ersten HDW-Deals.

Düsseldorf - Babcock Borsig  hat in der juristischen Auseinandersetzung mit ihrem Aktionär Guy Wyser-Pratte einen Teilerfolg erzielt. Das Amtsgericht Oberhausen habe den Verkauf der ersten Tranche von 25 Prozent an der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) für rechtmäßig erklärt, teilte Babcock am Montag mit.

Danach sei die Zustimmung der Hauptversammlung für den Verkauf nicht erforderlich gewesen. Das Gericht habe einen entsprechenden Antrag des US-Investors Wyser-Pratte und anderer Aktionäre auf Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung abgewiesen.

Babcock Borsig sah sich durch die Gerichtsentscheidung bestätigt. "Damit ist auch die erste Einstweilige Verfügung des Landgerichts Duisburg gegen uns hinfällig", sagte Sprecher Hans-Joachim Wieckmann. Aus Sicht von Wyser-Pratte sei dies nicht der Fall, verlautete von der Gegenseite. Wyser-Pratte wolle gegen die Entscheidung Beschwerde einlegen, sagte sein Sprecher Markus Elsässer.

Das Landgericht hatte entschieden, dass Babcock bis zur Entscheidung des Registergerichts Oberhausen keine Anstrengungen unternehmen dürfe, um HDW-Anteile zu verkaufen. Der Verkauf war nach Babcock-Auffassung jedoch zum Zeitpunkt dieser Entscheidung schon abgewickelt. Die Verfügung sei ins Leere gelaufen. "Das ist jetzt das vorläufige Ende der Komödie der Irrungen", sagte Wieckmann.

An die zweite Einstweilige Verfügung des Landgerichts, die weitere Anteilsverkäufe ohne Befragung der Hauptversammlung untersagt, will sich Babcock halten. Für den Spätsommer ist bereits eine Aktionärsversammlung angesetzt.

Wer soll die Sanierung bezahlen?

Das Ringen des Konzerns um ein Sanierungsprogramm ging unterdessen weiter. Bis Montagnachmittag hätten die Gläubigerbanken nach Babcock-Angaben noch keine Hilfe zugesagt. Der Konzern benötigt bis Mittwoch 50 Millionen Euro, um die aufgeschobenen Juni-Gehälter zahlen zu können.

Der kurzfristige Finanzbedarf zur Aufrechterhaltung der Geschäfte wird mit 200 Millionen Euro angegeben. In Bankenkreisen wird ein Gesamtbedarf von 600 Millionen Euro geschätzt. Der künftige Babcock-Chef Jochen Melchior will sein Amt erst antreten, wenn eine Erfolg versprechende Sanierung eingeleitet ist.

Die Banken fordern von den größten Anteilseignern eine Beteiligung am Sanierungskonzept. Während die WestLB und TUI  Hilfe zugesagt haben, hat der dritte Großaktionär, Wyser-Pratte, der Konzernführung Versagen vorgeworfen. Es sei nach dem Ausscheiden von Klaus Lederer nicht einmal ein Interimschef eingesetzt worden, sagte sein Sprecher.

Zweifel am Roland-Berger-Konzept

Von der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat Babcock aber offenbar trotz des bevor stehenden Ultimatums keine Hilfe zu erwarten. "Eine Landesbürgschaft kommt nicht in Frage", wiederholte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums eine frühere Erklärung seines Ministers.

Erstmals wurden in Bankenkreisen auch ernsthafte Zweifel an dem vom Unternehmensberater Roland Berger erarbeiteten Sanierungskonzept für Babcock geäußert. In dieser Skepsis, dass damit das Überleben Babcocks langfristig gesichert sei, schienen die Teilnehmer überein zu stimmen, hieß es.

Das Konzept sieht im Kern eine drastische Verkleinerung der Babcock auf das Geschäftsfeld Energietechnik und den Verkauf von Beteiligungen vor. Dabei gelte es beispielsweise als fraglich, ob diese Verkäufe in der aktuell schwierigen Konjunktur überhaupt möglich seien, beziehungsweise annehmbare Preise erbrächten.


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