Preussag "Es fehlt eine klare Strategie"

Der Touristikkonzern wird sich auf der heutigen Hauptversammlung in TUI umbenennen. Doch bereits vor der Aktionärsversammlung erhebt Union Investment deutliche Kritik an der Führung des Reisekonzerns

Hannover – Die Vorfreude der Preussag  ist groß. Auf der Hauptversammlung an diesem Mittwoch wird sich Europas größter Touristikkonzern in TUI umbenennen und damit auch namentlich mit seinem Kerngeschäft assoziiert werden. Doch ganz ungetrübt dürfte die Vorfreude nicht sein. Denn Preussag-Chef Michael Frenzel darf sich bereits vor der Hauptversammlung auf deutliche Kritik vorbereiten.

In einer vorab veröffentlichten Rede will Michael Gierse, Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment, auf Mängel des Managements aufmerksam machen. Auslöser für die Vorwürfe ist die im Vergleich zum Dax schwache Aktienentwicklung. Während das deutsche Börsenbarometer im vergangenen Jahr um 19,8 Prozent nachgab, verloren die Preussag-Aktionäre 26 Prozent ihres Kapitals.

Der Fondsmanager macht vor allem die seiner Meinung nach weiterhin unklare Strategie des Managements für den Kursverfall verantwortlich. Der Vorstand habe den Weg zum reinen Touristikkonzern nicht konsequent verfolgt, bemängelt er. Entgegen dem ursprünglich angekündigten Plan, sich vom Energie- und Logistikgeschäft zu trennen, seien beide Bereiche nun weiterhin Bestandteil des Konzern. Auf Nachfrage von manager-magazin.de wollte sich Preussag-Sprecher Herbert Euler zu diesem Vorwurf nicht äußern und verwies auf eine Stellungnahme auf der Hauptversammlung.

"Ein besseres Ergebnis wäre möglich gewesen"

Gleichzeitig äußerte Gierse deutliche Kritik am Umbau des Konzerns, der bereits seit 1997 in Gange ist. Er räumt ein, dass Preussag durch die Restrukturierung des Konzerns eine turbulente Phase durchlaufen habe.

Doch wäre auch in diesem schwierigen Marktumfeld ein bessere Ergebnisse möglich gewesen, kritisierte der Experte. "Dies zeigen die Aktienkurse anderer Unternehmen, die sich günstiger entwickelten", sagt Giese. Auch zu diesem Vorwurf verweist der Preussag-Sprecher Euler auf eine Stellungnahme auf der Aktionärstagung.

Mangelhafte Informationspolitik

Als "ungenügend" bezeichnete Gierse zudem die Informationspolitik des Konzerns. Zu viele einmalige Faktoren vernebelten das Gesamtbild. Der Preussag-Sprecher räumte gegenüber manager-magazin.de ein, dass durch die hohe Zahl der Unternehmenszukäufe und Desinvestitionen eine vollständig transparente Berichterstattung sehr schwierig gewesen sei. "Wirft man einen Blick auf den Geschäftsbericht des ersten Quartals 2002, wird man aber erkennen, dass unsere Berichterstattung bereits wesentlich transparenter geworden ist."

Gierse warnte auch vor einem möglichen Einstieg des Konzerns in den Markt mit Billigfluglinien. Preussag warte bei Kursabschlägen regelmäßig mit neuen Ideen auf. Erst wäre der Einstieg in den amerikanischen Markt in Erwägung gezogen worden, dann wäre Russland, dann China im Gespräch gewesen, lautete Gierses harsche Kritik.

Nachdem jüngst Spekulationen über die Gründung einer Billigfluglinie oder eine Kooperation mit der deutschen Fluglinie Germania räumt der Finanzexperte Preussags Vorstoß im Low-Cost-Segment nur geringe Chancen ein. "Was kann die Preussag besser als Ryanair oder Easyjet, die immerhin fünf Jahre Vorsprung haben?" Diese vorab veröffentlichte Frage dürfte Preussag-Chef Frenzel auf der Hauptversammung beantworten.

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