Babcock Borsig Nichts bleibt unversucht

Zur Rettung des von Insolvenz bedrohten Maschinenbau-Konzerns Babcock Borsig leisten die Mitarbeiter einen Lohn- und Gehaltsverzicht von 50 Millionen Euro. Entlassungen sind aber trotzdem nicht ausgeschlossen.

Oberhausen/Frankfurt - Eine entsprechende Vereinbarung hätten Vertreter der IG Metall und des Unternehmens in der Nacht zu Dienstag unterschrieben, berichteten beide Seiten übereinstimmend. Neben einem Verzicht auf Auszahlung der Tariferhöhungen an die Arbeiter bis Ende 2003 sollen auch der Vorstand und die leitenden Angestellten Teile ihres Gehalts abgeben.

Unterdessen treten die Verhandlungen mit den Banken auf der Stelle. Bis zum Mittag gab es noch keine Einigung über einen Sofortkredit von 200 Millionen Euro, die das Unternehmen nach eigenen Angaben dringend zur Fortführung des Geschäftsbetriebs benötigt. Die Gespräche drehten sich vor allem um eine "Kapitalerhöhung der Anteilseigner", hieß es aus Bankenkreisen. Eine Entscheidung im Laufe des Dienstags gilt als unwahrscheinlich.

Insgesamt belaufe sich der Beitrag der Tarifbeschäftigten auf 25,7 Millionen Euro, erläuterte der Verhandlungsleiter der IG Metall, Armin Schild. Nach der Vereinbarung zwischen Gewerkschaft und Unternehmen sollen neben dem Tarifverzicht der Arbeiter auch die Angestellten bis Ende 2003 mit entsprechendem Lohnabschlag ihre Wochenarbeitszeit um eine Stunde auf 34 Stunden reduzieren.

Vereinbart wurden weitere Einsparungen von fünf bis acht Millionen Euro durch Abschläge bei Lohnkosten für Mitarbeiter, die unter den Bau-Tarif fallen. Gemeinsam mit insgesamt 16 Millionen Euro, auf die das Management verzichten wird, sei damit der im Sanierungskonzept geforderte Beitrag der Mitarbeiter erreicht", sagte Schild.

Verkauf des US-Geschäftes

Trotz der finanziellen Zugeständnisse droht den Beschäftigten aber ein massiver Stellenabbau. Nach dem Sanierungskonzept der Unternehmensberatung Roland Berger sollen in Deutschland zwischen 1000 und 1500 Stellen wegfallen. Weltweit solle die Zahl der Mitarbeiter durch Aufgabe und Verkauf von Produktionsstätten um 7000 auf 15.000 sinken, sagte Konzernbetriebsrats-Vorsitzender Heinz Westfeld. Geplant seien der Verkauf des USA-Geschäfts sowie der Produktion in der Schweiz sowie die Aufgabe von zwei Produktionsstätten in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeine Zeitung" (WAZ) braucht Babcock Borsig aber erheblich mehr Geld für eine Rettung als bisher bekannt. Der Kapitalbedarf betrage insgesamt 500 Millionen Euro, schreibt die Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe. Der Konzern selbst hatte den kurzfristigen Liquiditätsbedarf bisher mit 200 Millionen Euro angegeben.

Die Gehaltsauszahlung wird verschoben

Das Geld werde für Lohnzahlungen (60 Millionen Euro) und zur Begleichung von Rechnungen (140 Millionen Euro) benötigt. Ein Verhandlungsteilnehmer aus dem Kreis der Banken habe der Zeitung aber gesagt, dass es keinen Sinn hätte, Mittel nur kurzfristig bereitzustellen und später festzustellen, dass erneut Geld nachgeschossen werden müsse.

Die Verhandlungen mit den Banken über einen Sofortkredit für Babcock könnten sich nach Einschätzung von Betriebsrat Westfeld bis Ende der Woche hinziehen. "Insbesondere die Forderung nach einer Kapitalerhöhung der Anteilseigner führt zu zähen Verhandlungen", sagte Westfeld, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist. Daher sei die Auszahlung der Juni-Gehälter vom 27. Juni auf den 3. Juli verschoben worden.

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