Babcock Borsig Die Retter streiten

Trotz enormen Zeitdrucks ist bei den Verhandlungen um den Sanierungsplan für den angeschlagenen Konzern bisher keine Einigung in Sicht. Stattdessen diskutieren die Beteiligten um ihren Rettungsbeitrag.

Düsseldorf – Die Zukunft der angeschlagenen Babcock Borsig AG  ist nach wie vor ungewiss. Auch am frühen Montagabend waren sich Arbeitnehmer und Banken in den Verhandlungen noch nicht über ihren jeweiligen Rettungsbeitrag für das Oberhausener Traditionsunternehmen einig.

Sollte es Babcock Borsing nicht gelingt, kurzfristig neue Kredite in Höhe von 200 Millionen Euro zu erhalten, droht dem Konzern bereits in der kommenden Woche die Insolvenz.

Nach Auskunft von Betriebsratschef Heinz-Georg Westfeld sollen die Arbeitnehmer dabei einen Beitrag von 50 Millionen Euro zusichern. Anderenfalls könnte das Unternehmen die Juni-Gehälter nicht mehr zahlen. Zudem wollten die Banken erst nach einer Entscheidung mit den Arbeitnehmervertretern darüber beraten, ob sie überhaupt für die restlichen 150 Millionen Euro aufkommen.

Zu hohe Forderungen für die Arbeitnehmerseite

Vertreter der Arbeitnehmer zeigten unterdessen wenig Bereitschaft, den von ihnen geforderten Sanierungsbeitrag von 50 Millionen Euro zu leisten, ohne den Sanierungsplan des Unternehmensberaters Roland Berger zu kennen. Man werde die Ergebnisse der Studie zunächst prüfen müssen und benötige dafür Zeit.

Einige Mitglieder des Betriebsrates bezeichneten die ihnen von den Banken bis zum Montagabend gesetzte Entscheidungsfrist als Erpressung. Es herrsche der Eindruck vor, dass die Banken auf jeden Fall ihr Risiko vermindern wollten.

Die Landesregierung hält sich bedeckt

Die nordrhein-westfälische Landesregierung sah sich mangels Detailinformationen zu Wochenbeginn noch nicht zu konkreten Hilfsangeboten in der Lage. Man spreche gleichwohl mit allen Beteiligten und sei bestrebt, möglichst viele Arbeitsplätze bei Babcock zu erhalten, sagte in Düsseldorf ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Babcock hat weltweit rund 22.000 Mitarbeiter, 13.000 davon in Deutschland.

Für die so genannten Kernbanken von Babcock, die Deutsche Bank , Dresdner Bank und Commerzbank  sowie die Düsseldorfer WestLB sei die zur Sanierung des Konzerns nötige Kapitalerhöhung offenbar unumgänglich, hieß es aus Bankenkreisen.

WestLB und Deutsche Bank seien bei Babcock mit je knapp neun Prozent beteiligt. Weitere Pakete in dieser Größenordnung halten die Preussag AG  und die Londoner Credit Agricole Lazard.

Abstimmung über HDW-Verkauf im August

Mit acht Prozent ist zudem der US-Investor Guy Wyser-Pratte an Babcock beteiligt. Der Amerikaner kritisiert die vom Babcock-Vorstand im März völlig überraschend eingeleitete Trennung von der lukrativen Schiffbaubeteiligung HDW und will auf einer für Mitte August angekündigten außerordentlichen Hauptversammlung die Aktionäre über den Werft-Verkauf abstimmen lassen.

Außerdem hält er sich ausdrücklich die Möglichkeit offen, auf dem Gerichtsweg die bereits vollzogene Trennung von der Hälfte der HDW-Beteiligung zu torpedieren. Babcock will sich ganz aus HDW zurückziehen und hält eine Option, auch die restlichen 25 Prozent plus eine Aktie an den Käufer des ersten Paketes, den US-Investor One Equity Partners (OEP), abzugeben.

Reduzierung auf Energietechniksparte

Das von Banken und Arbeitnehmern am Montag getrennt diskutierte Sanierungskonzept sieht im Kern eine Verkleinerung des Babcock-Konzerns auf seine Sparte Energietechnik vor. Gleichzeitig sollen Vermögenswerte verkauft werden. Dabei denke man beispielsweise an die US-Holdinggesellschaft Babcock Borsig Capital Corp, die etwa 700 Millionen Dollar umsetzt, hieß es in Bankenkreisen.

Babcock wollte sich am Montag zu den laufenden Vorgängen um die finanzielle Schieflage nicht äußern und kündigte eine Stellungnahme für Dienstag an.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.