Deutsche Bahn Mehdorn dreht auf

Bahnchef Mehdorn sucht nach neuen Vertriebswegen und beschwert sich bei der EU über die billige Konkurrenz aus der Luft. In NRW kämpft er um einen Auftrag für den Metrorapid.

Bonn/Berlin - Hartmut Mehdorn denkt über die Zukunft der Bahn nach. Sorgen bereiten ihm einerseits die zunehmende Konkurrenz durch Billig-Fluganbieter, aber auch der Nahverkehr soll auf Trab gebracht werden. Und in Nordrhein-Westfalen ging der Bahn-Tochter DE Consult ein Auftrag zum Bau der Metrorapid-Strecke flöten. Aber für alles hat Mehdorn einen Ausweg parat:

Das Nachrichtenmagazin der SPIEGEL schreibt in seiner aktuellen Ausgabe, dass die Bahn unbedingt an der Trassenplanung für die Schnellstrecke zwischen Dortmund und Düsseldorf beteiligt sein will. Da aber die Bahn-Tochter DE Consult nicht zu den drei Favoriten gehört, dei dei Trasse in NRW bauen, hat der Konzern einen Nachprüfungsantrag zur Auswahl der drei Bieter gestellt.

Um einen langen Rechtsstreit aus dem Weg zugehen und um damit nicht die Fertigstellung der Strecke bis zur Fußball-WM 2006 zu gefährden, bietet der Schienenspezialist nun NRW-Verkehrsminister Ernst Schwanhold an, dass die drei ausgewählten Unternehmen den unterlegenen Konkurrenten Unteraufträge geben müssten.

Karten beim Bäcker

"Die Welt" hat unterdessen den Bahn-Marketing-Vorstand, Hans-Gustav Koch, interviewt und der erzählt, dass die Bahn über neue Vertriebswege nachdenkt. So könnten Fahrkarten für den Nahverkehr künftig beim Bäcker verkauft werden, heißt es. Viele unrentable Fahrkartenschalter könnten so geschlossen werden.

Koch kalkuliert dem Bericht zufolge mit jährlich 100 Millionen Mehreinnahmen auf Grund des neuen Preissystems. "Ich gehe davon aus, dass die Deutsche Bahn durch zusätzliche Nachfrage ab dem Jahr 2005 etwa 100 Millionen Euro Mehreinnahmen im Fernverkehr pro Jahr erzielen kann", zitiert das Blatt den Marketing-Chef. Allerdings werde es im Umstellungsjahr 2003 noch keine großen Veränderungen geben. In drei Jahren wolle die Bahn unter anderem auch keine Speisewagen mehr einsetzen.

Beschwerde bei der EU

Sorgen bereitet Bahn-Chef Mehdorn aber bei allen Preismodellen die zunehmende Konkurrenz aus der Luft. "Wenn die Dumping-Preise in der Luftfahrt unter die Bahn-Tarife gehen, müssen beide Verkehrsträger auch vergleichbare Wettbewerbsvoraussetzungen haben", zitiert das "Handelsblatt" den Chef.

Da sich die Bahn einem immer unfaireren Wettbewerb ausgesetzt sehe, müsse die Europäische Union die Voraussetzung für eine Besteuerung des Kerosins auf nationaler Ebene schaffen, fordert Mehdorn in einem Brief an Ratspräsident der europäischen Wirtschafts- und Finanzminister, Rodrigo Rato.

"Brüssel muss handeln", so Mehdorn in der Zeitung. Nach Auffassung der Bahn "stellt die Befreiung des Flugbenzins von der Mineralölsteuer nichts anderes dar als eine aus staatlichen Mitteln gewährte Beihilfe". Das Schienenunternehmen behalte sich rechtliche Schritte gegen die andauernden Wettbewerbsverzerrungen vor, heißt es in dem Schreiben an Rato.