Mobilcom Schmid besteht weiter auf 22 Euro

Gerhard Schmid gibt nicht auf. Nach seiner Abberufung ringt der Ex-Mobilcom-Chef mit France Telecom um den Preis für seine Aktien.

Hamburg - "Es wird sicherlich noch einigen Ärger geben. France Telecom möchte möglichst billig an die Mehrheit von Mobilcom  kommen", hieß es am Sonntag aus Kreisen, die Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid beraten. Schmid selbst bekräftigte unterdessen in einem Zeitungsinterview, bei den Verhandlungen mit dem französischen Großaktionär für seine Firmenanteile 22 Euro in bar je Aktie erzielen zu wollen. France Telecom (FT)  will ihm indes offenbar nur zehn Euro anbieten.

Der Aufsichtsrat hatte Schmid nach einem monatelang öffentlich geführtem Streit mit France Telecom über die Höhe der Investitionen in den Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland am Freitag auf Antrag von France Telecom als Vorstandschef abgesetzt.

Wenn auch die Lieferanten einem von den Franzosen angestrebten zehnprozentigen Forderungsverzicht zustimmen, kann die mit den Banken vereinbarte Umschuldung von Darlehen über 4,7 Milliarden Euro bei Mobilcom in Kraft treten und die sonst drohende Insolvenz vermieden werden. Zu Schmids Nachfolger an der Unternehmensspitze wurde der bisherige Finanzchef, Thorsten Grenz, berufen, der als Vertrauter von France Telecom gilt.

Schmid will Cash

Schmid verwies in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) darauf, dass France Telecom mit seiner Absetzung die Kontrolle in der von ihm gegründeten übernommen habe und somit nach dem Übernahmegesetz zu einem Angebot an alle anderen Aktionäre verpflichtet sei. France Telecom kommt mit 28,5 Prozent der gesetzlichen Grenze von 30 Prozent bereits nahe.

Nach dem Übernahmegesetz muss ein Aktionär beim Überschreiten der Anteilsgrenze ein Pflichtangebot unterbreiten, das nicht schlechter als der gewichtete Durchschnittskurs der letzten drei Monate ist. Nach Ansicht von Schmid sind das etwa 15 Euro. Schmid hält zusammen mit seiner Ehefrau knapp die Hälfte der Mobilcom-Anteile.

Schmid hofft auf Flankenschutz der Wertpapieraufsicht

Aktien-Einbruch unterliegt Prüfung

Eine Auszahlung in Aktien der FT-Mobilfunktochter Orange lehnt Schmid nach eigenen Worten ab. "Das Übernahme-Gesetz sieht cash vor. Ich glaube, das muss man in Deutschland auch einhalten", sagte Schmid. Die am Neuen Markt notierte Mobilcom-Aktie war am Freitag nach Bekanntgabe der Abberufung Schmids durch den Aufsichtsrat deutlich gestiegen. Zum Wochenende schloss der Titel bei 10,08 Euro und lag damit gegen den Markttrend mit gut zehn Prozent im Plus.

In den ab Montag erwarteten Verhandlungen hofft Schmid offenbar auf Flankenschutz der Wertpapieraufsicht. Denn die dürfte am Dienstag Voruntersuchungen über den Kursverlauf bei Mobilcom abgeschlossen haben. Die Prüfungen waren eingeleitet worden, nachdem die Aktie in der umsatzschwachen Zeit während des Fußballspiels Deutschland - Kamerun am 11. Juni zeitweise um 37 Prozent eingebrochen war. Nach der Nachricht über die Beendigung des Kooperationsabkommens durch France Telecom am gleichen Abend hatte der Titel mit minus 46 Prozent bei 7,29 Euro ein vorübergehendes Rekordtief erreicht. Am Tag darauf hatten Mobilcom mit 5,35 Euro ein Allzeittief erreicht.

Schmidts Anteile bei Banken parken

Hinter dem Kurseinbruch vermutet Schmid nach Angaben aus Kreisen France Telecom, die damit den Preis drücken wolle. Erschwerend für die Verhandlungen könnte nach Einschätzungen aus Schmids Umfeld hinzukommen, wenn France Telecom ein Angebot an die freien Aktionäre vermeiden wollte. Im März hatte France Telecom erwogen, Schmids Anteile zunächst bei den Banken zu "parken" und erst später zu erwerben, um so das Überschreiten der 30-Prozent-Grenze hinauszuzögern. Die deutsche Wertpapieraufsicht hat allerdings erkennen lassen, dass sie ein solches Modell nicht mittragen würde.

Nachdem France Telecom die Kontrolle in Büdelsdorf übernommen hat, könnte ein Plan greifen, wonach Mobilcom mit der Orange-Tochter Hutchison Telecom in Münster zusammengelegt werden soll. Der Name der von Schmid gegründeten Firma dürfte dann verschwinden und durch Orange ersetzt werden.

Jan C. Schwartz, Reuters