Babcock Borsig Noch eine Woche bis zur Insolvenz?

Die Finanzlage sei "schwierig", gibt der Konzern zu. Der Verkauf von Anteilen an der HDW-Werft wird zum Boomerang - denn statt mehr ist weniger Geld in der Kasse. Angeblich fehlen 400 Millionen Euro. Das halbiert blitzschnell den Aktienkurs.

Oberhausen - Die finanzielle Situation der Babcock Borsig AG  bleibt nach Angaben des Sprechers Hans-Joachim Wieckmann schwierig, eine Insolvenz erwarte er jedoch nicht. "Die Situation ist schwierig, aber lösbar", sagte der Sprecher des Oberhausener Konzerns.

Babcock Borsig droht bereits in der kommenden Woche die Insolvenz, falls es dem Konzern nicht gelingt, neue Kredite in Höhe von 200 Millionen Euro zu bekommen. In einem Bericht von "Focus" heißt es Babcock benötige sogar 400 Millionen Euro.

Babcock Borsig beschäftigt derzeit weltweit 22.000 Mitarbeiter, davon arbeiten rund 13.000 in Deutschland. Das Magazin "Focus" berichtet unterdessen in seiner aktuellen Ausgabe davon, dass das Sanierungskonzept Roland Bergers vorsehe, dass Babcock Borsig die Mitarbeiterzahl auf nur noch 15.000 Beschäftigte reduzieren soll. Der Aufsichtsrat wolle dieses Konzept am 28. Juni verabschieden, heißt es.

Bezüglich des Beitrages der Arbeitnehmer zur Sanierung des Konzerns sagte Westfeld am Freitag noch: "Bis Montagabend sollen wir ein Paket schnüren, dass Einsparungen in Höhe von 50 Millionen Euro erbringen sollen". Er glaube aber nicht, dass dies erreicht werden könne.

Banken fordern angeblich Hermes-Bürgschaft

Die Kernbanken des angeschlagenen Konzerns machen angeblich die Bereitstellung dringend benötiger Kredite unter anderem von einer Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen abhängig. Wie "vwd" meldet, verlangen die Institute außerdem, dass zurückgezogene staatliche Hermes-Bürgschaften wieder eingesetzt werden. NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement habe Bereitschaft signalisiert, an einer Lösung der Krise mitzuarbeiten.

Zudem sollen die Banken nur dann zu weiteren Krediten bereit sein, wenn auch die Arbeitnehmer und Anteilseigner einen Beitrag leisteten. Dem Bericht zufolge hat die IG Metall bereits einem Verzicht auf die jüngsten Tariferhöhungen für Mai und Juni zugestimmt. Die Zahlung der Juni-Gehälter ist allerdings laut einer Konzernmitteilung nicht gesichert.

Babcock Borsig hatte nach der angekündigten und zum Teil bereits vollzogenen Trennung von seiner Mehrheitsbeteiligung an der Kieler Werft HDW eine seiner zwei Hauptsparten verloren.

Außerordentliche HV zum HDW-Verkauf

Von den Anteilseignern erwarten die Banken einem Zeitungsbericht zufolge eine Kapitalerhöhung. Ob die Anteilseigener dem zustimmen würden, sei aber noch unklar. Zu ihnen gehören mehrere Banken, die Preussag AG  sowie der US-Investor Guy Wyser-Pratte.

Babcock Borsig hatte 25 Prozent seiner Beteiligung von 50 Prozent plus einer Aktie an der HDW-Werft an den US-Investor One Equity Partners (OEP) verkauft. Dieser Verkauf ist heftig umstritten. Aktionäre konnten für den 14. und 15. August eine außerordentliche Hauptversammlung durchsetzen, auf der auch über die komplette Trennung vom lukrativen Schiffbau abgestimmt werden soll.

In der Branche wird befürchtet, Babcock Borsig komme ohne die finanzielle Unterstützung seiner Schiffbaubeteiligung in seinen verbliebenen Geschäftsfeldern Energie- und Umwelttechnik in Schwierigkeiten.

Aktionärsschützer: Misere ist Folge des HDW-Verkaufs

Nach Einschätzung von Aktionärsschützern sind die Finanzschwierigkeiten bei Babcock-Borsig eine direkte Folge des HDW-Anteilsverkauf. Durch die Abgabe der Beteiligung fehlten im Konzern flüssige Mittel aus dem Verkauf von Schiffen, die zum Fortführen der Geschäfte benötigt würden, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jörg Pluta, am Freitag der "dpa".

Wie die bisherige Konzernspitze geäußert habe, bringe auch der HDW-Anteilsverkauf kein frisches Geld, da der Kaufpreis mit Verbindlichkeiten von Babcock-Borsig gegenüber HDW verrechnet werde.

Vorstandschef gab sein Amt überraschend schnell ab

Babcock Borsig hatte bislang im laufenden Geschäftsjahr von einem erwarteten Verlust "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich" gesprochen. Am Freitag vergangener Woche hatte Vorstandschef Klaus Lederer nach einer Aufsichtsratssitzung sein Amt niedergelegt.

Der ehemalige Babcock-Chef war vor allem wegen des umstrittenen Verkaufs von 25 Prozent der Anteile an der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW), deren Chef Lederer bleiben soll, massiv in die Kritik geraten. Auf Betreiben des US-Investors Guy Wyser-Pratte sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 14. und 15. August über den Verkauf der verbliebenen 25 Prozent HDW-Anteile beraten. Wyser-Pratte hatte den Verkauf kritisiert, weil damit ein einträglicher Teil des Konzerns entfalle.

Babcock Borsigs: Zorn auf Ex-Chef Lederer

Verwandte Artikel