Mobilcom "Keine 20 Euro pro Aktie"

Die France Telecom steht einem Pressebericht zufolge vor einer Einigung über die Umschuldung der Milliardenkredite ihrer deutschen Beteiligung. Hauptbedingung: Mobilcom-Gründer Schmid soll schnell seinen Hut nehmen.

Paris/Büdelsdorf - Die Einigung über die Umschuldung der 4,7-Milliarden-Euro-Kredite von Mobilcom  steht nach einem Pressebericht kurz bevor. Auf Anfrage von manager-magazin.de bestätigte eine France-Telecom-Sprecherin, dass der Konzern weiter mit den beteiligten Banken verhandele, ein abschließendes Ergebnis sei aber noch nicht erreicht.

Ein Bankrott von Mobilcom wäre mit der Verlängerung des Großkredits, die spätestens Ende Juli ansteht, höchstwahrscheinlich abgewendet.

Banken zum Forderungsverzicht bereit

Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) haben sich die Gläubigerbanken bereits zu einem zehnprozentigen Forderungsverzicht bereit erklärt. Die Institute würden demnach 90 Prozent der Mobilcom-Schulden in Form von Wandelanleihen des Großaktionärs France Telecom erhalten.

Entscheidend für ein Zustandekommen des Geschäfts ist allerdings, dass Mobilcom-Vorstand Gerhard Schmid seinen Posten räumt. Dies ist laut France Telecom  möglich, wenn auf der nächsten Aufsichtsratssitzung ein entsprechender Beschluss gefasst wird.

Einfache Mehrheit könnte Schmid stürzen

Während Schmid auf der letzten Aufsichtsratssitzung noch mehr als ein Drittel der zwölf Vertreter in dem Gremium auf seine Seite ziehen konnte, reicht den Schmid-Gegnern auf der nächsten Sitzung nach Auskunft von France Telecom (FT) eine einfache Mehrheit, um Schmid vom Chefsessel zu kippen. Die FT-Sprecherin: "So sind die geltenden Bestimmungen."

Die nächste Mobilcom-Aufsichtsratssitzung ist für den kommenden Freitag, 21. Juni, anberaumt. Seitens Mobilcom hieß es, dass der Termin möglicherweise vorverlegt wird. "Das ist möglich, ich kann aber keinen genauen Termin nennen", sagte Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch gegenüber manager-magazin.de. Die FT-Sprecherin betonte: "Für das Überleben von Mobilcom zählt jetzt jeder Tag."

Unterstützung "mit soviel Geld wie möglich"

Anschließend wird es vermutlich ein Übernahmeangebot seitens der FT an alle Mobilcom-Aktionäre geben. Schmid, der gemeinsam mit seiner Ehefrau mehr als die Hälfte der Aktien besitzt, wäre freiwillig ausgeschieden, wenn der französische Partner ihm 22 Euro pro Aktie gezahlt hätte.

"Ich denke nicht, dass es ein Übernahmeangebot in Höhe von 22 Euro pro Aktie geben wird, auch 20 Euro wird France Telecom nicht zahlen", erklärte die FT-Sprecherin und verwies auf den aktuellen Kurs bei etwa 8,50 Euro.

Bis zu einer abschließenden Entscheidung werde FT die Mobilcom AG "mit soviel Geld unterstützen wie nötig, um den laufenden Betrieb aufrecht zu halten", so die FT-Sprecherin weiter. Sollte Schmid in einigen Tagen seinen Vorstandsposten noch nicht geräumt haben, sei ein Bankrott des Konzerns möglich.

Schmid begründet sein Beharren auf den Vorstandsposten damit, dass er aufgrund eines Partnervertrages (CFA) vom März 2000 das Recht habe, 22 Euro pro Aktie von den Franzosen für den Fall einer Aufkündigung zu fordern. FT hatte den Vertrag in der vergangenen Woche zwar für nichtig erklärt, Mobilcom erkannte die Kündigung, die mit mehreren "Fehlverhalten" von Schmid begründet worden war, aber nicht an.

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