Babcock Borsig Der Paukenschlag

Vorstandschef Lederer muss seinen Hut nehmen. Kurz zuvor hatte das Verteidigungsministerium harte Kritik am von Lederer eingefädelten Verkauf der HDW-Werft geübt. Über den Handel wird nun neu abgestimmt.

Oberhausen - "Prof. Dr.-Ing. Klaus G. Lederer hat mit sofortiger Wirkung alle Ämter im Babcock-Borsig-Konzern  niedergelegt. Der Aufsichtsrat hat dem zugestimmt." Der Satz steht zwar am Ende einer Adhoc-Meldung, die der Aufsichtsrat des Oberhausener Konzerns am Freitag um 15.30 Uhr veröffentlichte. Doch die Personalie hat es in sich. Sie könnte den bereits vorerst genehmigten Verkauf der HDW-Anteile von Babcock Borsig an den US-Investor One Equity Partners ins Wanken bringen.

Nach heftiger Kritik von Investoren und zuletzt auch vom Verteidigungsministerium räumte Lederer das Feld. Ob er trotz seines vorzeitigen Abdankens bei Babcock Borsig wie geplant weiterhin die Konzernleitung der HDW-Werft in Kiel behalten kann, scheint damit äußerst fraglich.

Lederer hatte sein Ausscheiden bei Babcock Borsig bereits kurz vor der vergangenen Hauptversammlung angekündigt. Dass er nun aber direkt nach einer Aufsichtsratssitzung und vor der angekündigten außerordentlichen Hauptversammlung abdankt, war in dieser Form von Beobachtern nicht erwartet worden.

HDW sieht Lederers Chefposten nicht gefährdet

Auch die Formulierung, der Rücktritt erfolge "mit sofortiger Wirkung", deutet darauf hin, dass die Atmosphäre zwischen Aufsichtsrat und Lederer angespannt ist. Die zu solchen Anlässen üblichen Dankesworte fehlen in der Erklärung des Aufsichtsrats ebenfalls.

HDW-Sprecher Jürgen Rohweder erklärte gegenüber manager-magazin.de, dass Lederers Ausscheiden bei Babcock Borsig keine Auswirkungen auf die Fortführung seiner Amtsgeschäfte bei der HDW habe: "Herr Professor Lederer hat sein Ausscheiden bei Babcock Borsig schon vor Wochen angekündigt - nun wurde es einfach in die Tat umgesetzt."

Der Vertrag über den Vorstands-Chefposten für Lederer unterliege keiner besonderen zeitlichen Befristung. Rohweder: "Die HDW Holding GmbH tritt an Stelle der Babcock Borsig AG in den Vertrag ein."

Außerordentliche HV beschlossen

Babcock Borsig teilte weiter mit, dass am 14. und 15. August 2002 eine außerordentliche Hauptversammlung nach Oberhausen einberufen wird. "Diese Hauptversammlung wird den Aktionären Gelegenheit geben, unter anderem den Gesamtkomplex HDW einschließlich des Verkaufs der noch verbliebenen HDW-Beteiligung zu erörtern." Auf der vergangenen Hauptversammlung hatte die Ankündigung des HDW-Verkaufs zu tumultartigen Szenen geführt - die anwesenden Kleinaktionäre waren erzürnt über den Schritt.

Auf der nun anberaumten außerordentlichen Hauptversammlung wird Großinvestor Guy Wyser-Pratte versuchen, durch eine erneute Abstimmung über den HDW-Verkauf den Deal rückgängig zu machen. Wyser-Pratte hatte auf dem Klageweg die Einberufung des Gremiums gefordert. Ob dieser Klage seitens des Aufsichtsrats entsprochen wurde, oder ob die Entscheidung aus freien Stücken getroffen wurde, teilte der Aufsichtsrat nicht mit.

Chronologie: Wie es zu dem HDW-Skandal kam

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