Autobranche "Nicht von Krise reden"

Die Neuzulassungen sinken. Nur ein schlechter Monat, oder wird die Entwicklung zum Trend?

Hamburg - Der Absatz der Automobilindustrie sinkt europaweit. Doch in fast keinem anderen europäischen Land ging die Zahl der Neuzulassungen so stark zurück wie in Deutschland.

Während im Mai die Zahl der Neuwagen in den 15 Ländern der Europäischen Union, Island, Norwegen und der Schweiz um durchschnittlich acht Prozent sank, ging die Zahl der in Deutschland neu angemeldeten Autos um satte 14 Prozent auf 284.000 Fahrzeuge zurück. Damit belegt Deutschland im Europavergleich vor Griechenland (minus 18 Prozent) den vorletzten Platz.

"Den einzelnen Monat nicht überbewerten"

"Man soll die Zahlen eines einzelnen Monats nicht überbewerten", sagte Eckehart Rotter, Pressesprecher des Verbandes der Autoindustrie (VDA), gegenüber manager-magazin.de. In Europa stamme jedes zweite zugelassene Auto immer noch von deutschen Autobauern, beschwichtigt er.

Er gibt jedoch zu: "Der Markt ist schwach, das sieht man nicht allein an den Verkaufsförderungsprogrammen der Autoindustrie." Bereits seit drei Jahren kämpft die Branche im Inland gegen sinkende Absatzzahlen.

"Die Mobilitätskosten müssen gesenkt werden"

Für das schwache Ergebnis machen Industrie und Verbände vor allem die zweiwöchigen Streiks der deutschen Metall- und Elektronikindustrie verantwortlich. Die Arbeitsunterbrechungen hätten nicht nur die Produktionsseite belastet, sondern hätten auch zu einer zusätzlichen Belastung des Konsumklimas geführt, erklärt Rotter. Zudem sei die Anzahl der Arbeitstage im Mai durch Feiertage geringer gewesen als im Vorjahresmonat.

In den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres ging die Zahl der Neuzulassungen europaweit um 3,8 Prozent zurück, in Deutschland sogar um fünf Prozent. Grundsätzlich sorge vor allem die schwache Konjunktur und die durch Öko- und Versicherungssteuer gestiegenen Mobilitätskosten bei den Autobauern für sinkende Absatzzahlen, erklärte Rotter. Um in der Branche eine baldige Erholung herbei zu führen, sei die Politik gefordert, positive Impulse zu setzen und die Mobilität zu verbilligen, lautet seine Lösung für die Zukunft.

Die Industrie setzt auf verkaufsfördernde Maßnahmen

"Die Autohersteller müssen sich selber helfen", sagte eine Analystin von Merck Finck & Co gegenüber manager-magazin.de. Das tun sie bereits: Sonderprogramme zur Förderung des Verkaufs, Rabatte bei Sonderausstattungen und Preisnachlässe bei Neuwagen sind in Deutschland inzwischen an der Tagesordnung.

Sie rechnet damit, dass die Industrie den Absatz mit zunehmenden verkaufsfördernden Maßnahmen nach Manier der US-Konzerne ankurbeln wird. "Wir haben zwar in Deutschland zwar noch nicht so ein aggressiver Preiskampf wie auf dem US-Markt, aber wir sind auf dem Weg dahin", sagte ein Experte.

Der Mini rettet BMW

Konzernen wie Volkswagen  halfen diese Programme im Monat Mai jedoch nicht zu steigenden Verkaufszahlen. Der Wolfsburger Konzern büßte bei der Anzahl der Neuzulassungen von den deutschen Autoherstellern am meisten ein. Es wurden im vergangenen Monat 9,6 Prozent weniger Fahrzeuge von Volkswagen zugelassen als im Vorjahresmonat.

Die Zahl der Zulassungen der DaimlerChrysler-Marken ging um 3,5 Prozent zurück. Unter den großen deutschen Autobauern kann einzig BMW  mit einem Zulassungsplus von fast elf Prozent Freudenrunden drehen. Der Münchener Autobauer profitierte von der Popularität des Mini.

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