Andersen "No, no, no!"

Im Prozess um die vernichteten Enron-Akten ist für den Wirtschaftsprüfer jetzt sogar ein Freispruch drin.

Houston - Nach sieben Tagen und insgesamt 60 Stunden Beratung kam die Kapitulation. Die Geschworenen teilten Richterin Melinda Harmon mit, sie seien nicht in der Lage gewesen, eine einstimmige Entscheidung zu treffen. Harmon forderte die Geschworenen - neun Männer und drei Frauen - auf, weiter nach einer Lösung zu suchen.

Arthur Andersen wird beschuldigt, die Justiz bei den Ermittlungen zur Milliardenpleite des Energiekonzerns Enron massiv behindert zu haben. Nachdem Ermittlungen über die Buchhaltungspraktiken des Unternehmens bekannt geworden waren, wurden bei Andersen Berge von Enron-Akten vernichtet. Die noch ungeklärte Frage ist allerdings, ob sich die Wirtschaftsprüfer damit strafbar gemacht haben.

Ein Freispruch für Andersen wäre eine empfindliche Nierderlage für die US-Behörden. Nachdem sich der für Enron zuständige Andersen-Partner David Duncan vor Gericht der Aktenvernichtung schuldig bekannt hatte, sah alles nach einem leichten Sieg für die Staatsanwälte aus.

Die Geschworenen sind ratlos

Die Andersen-Anwälte behaupteten dagegen, dass die Vernichtung der Enron-Akten ein Routinevorgang gewesen sei. Da sich die Staatsanwaltschaft allein auf diesen Tatbestand konzentrierte und nicht dem Vorwurf der Beihilfe zum Betrug nachging, ist nun wieder ein Freispruch möglich.

Außerdem wäre es in dieser Situation möglich, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Anwalt Rusty Hardin, der Andersen in dem Prozess verteidigt, will davon allerdings nichts wissen: "No, no, no, no, no", sagte er auf Nachfrage von Journalisten.

Er würde den Fall sogar neu verhandeln lassen, wenn dies nötig sei. "Ich hasse es, so weit zu gehen", so der Anwalt, "aber die Ratlosigkeit der Geschworenen zeigt, dass Andersen nicht schuldig ist."

Verbot der Rechnungsprüfung droht

Im Fall eines Schuldspruchs drohte dem Unternehmen neben einer Geldstrafe ein Verbot der Rechnungsprüfung bei öffentlichen Unternehmen. Enron wird vorgeworfen, seine prekäre Finanzlage mit Hilfe von dubiosen Partnerschaften verschleiert zu haben.

Tausende Beschäftigte und Investoren verloren Millionen von Dollar, als das Unternehmen Anfang Dezember dann seinen Bankrott erklärte und die Aktien im Sturzflug fielen. Andersen war Enrons Rechnungsprüfungsfirma.

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