Allianz Die Friedensgrenze bröckelt

Mit der Öffnung ihrer Betriebskrankenkasse sorgt die Allianz für großen Ärger.
Von Arne Stuhr

München – Obwohl die Allianz  ihre Betriebskrankenkasse (BKK) bereits im Herbst vergangenen Jahres für Betriebsfremde geöffnet hat, kocht der Streit darüber erst jetzt richtig hoch. In einem Brief an den Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) hat sich Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt über die Allianz beschwert. Schmidt halte die Öffnung der Allianz-BKK "nicht für akzeptabel", schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer Dienstagsausgabe.

Grund für die Beschwerde ist die faktische Aufhebung der so genannten Friedensgrenze zwischen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen durch den Münchener Branchenprimus. Denn mit der für Betriebsfremde geöffneten BKK hat die Allianz jetzt auch eine gesetzliche Krankenkasse im Angebot.

Eine Konstellation die qua Selbstverpflichtung der PKV-Mitglieder eigentlich ausgeschlossen ist. Private Krankenversicherer dürfen nämlich nur Beamte, Freiberufler oder Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 3375 Euro pro Monat aufnehmen.

"Wasser auf die Mühlen der Politik"

Gegenüber manager-magazin.de sagte Allianz-Sprecher Reiner Wolf, hinter der Öffnung der BKK stecke keine "taktische Absicht". Vielmehr sei der Schritt nötig gewesen, um auch die Mitarbeiter der Dresdner Bank in die Allianz-BKK einbeziehen zu können.

Die Voraussetzungen, um bei den rechtlich eigenständigen Gesellschaften der Dresdner Bank eigene Betriebskrankenkassen zu gründen, die man dann mit der Allianz-BKK hätte fusionieren können, waren bei etlichen Unternehmen der Bank-Gruppe nicht gegeben - unter anderem deswegen, weil dafür jeweils 1000 Versicherungspflichtige erforderlich gewesen wären. "Die Öffnung war daher für uns der rechtlich einzig gangbare Weg", verteidigt Wolf den Schritt der Allianz.

Harte Kritik von der Konkurrenz

Der PKV fordert die Ministerin jetzt auf, per Gesetz die Schließung der BKK für Nicht-Mitarbeiter der Allianz-Gruppe zu ermöglichen. Annelies Ilona Klug, Pressesprecherin des Bundesgesundheitsministeriums, hält dies für eine unverständliche Forderung. "Sie können eine BKK öffnen und auch wieder schließen, das ist die Gesetzeslage", sagte Klug auf Nachfrage von manager-magazin.de.

Die Konkurrenten der Allianz kritisieren unterdessen den Münchener Konzern. "Das ist Wasser auf die Mühlen der Politik", bewertet Gernot Schlösser, Vorstandsvorsitzender der Axa Krankenversicherung AG, die "höchst brisante" Situation. Auch Barmenia-Chef Josef Beutelmann ist über die Öffnung "nicht gerade erfreut".

90 zu 10 soll bleiben

Hintergrund der gesamten Diskussion sind die aktuellen Pläne der Bundesregierung, die Grenze für einen Wechsel von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Privaten Krankenversicherung (PKV)in der nächsten Legislaturperiode nach oben zu setzen. "Das Verhältnis von 90 (GKV) zu 10 (PKV) droht sich zu Gunsten der PKV zu verschieben", sagt Ministeriumssprecherin Klug.

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