KPMG Die Wunschhochzeit

Die E-Mail von Deutschland-Chef Wiedmann ließ die Mitarbeiter aufatmen: Der große US-Bruder KPMG Consulting wird seine Schwestern in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernehmen.

Berlin - Die Nachricht von KPMG Deutschland-Chef Harald Wiedmann löste am Montag morgen Erleichterung aus. Er freue sich, dass ein Käufer für die Beratungssparte gefunden sei, teilte Wiedmann seinen Angestellten mit.

Damit trennt sich der Wirtschaftprüfer KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft (DTG) in Deutschland vollständig von seinem bereits in eine eigene Gesellschaft ausgelagerten Beratungsgeschäft. Die Beteiligung an der KPMG Consulting AG (KCA) wird an die börsennotierte US-Schwester KPMG Consulting Inc. (KCIN)  mit Sitz in McLean (Virginia) verkauft. Der Preis liegt bei 685 Millionen US-Dollar (726 Millionen Euro) in bar, abzüglich Schulden, teilte KCA am Montag mit.

Vor allem für die KPMG-Partner wird sich das Geschäft lohnen. Da das Firmenvermögen des Wirtschaftsprüfers auf das leitende Personal (in verschieden großen Paketen) verteilt ist, profitieren sie persönlich von der Übernahme.

Warum die Partner nicht nach Ibiza dürfen

Aus Mitarbeiterkreisen erfuhr manager-magazin.de, dass die KPMG-Partner zum Teil mit einer Barzahlung, zum anderen höchstwahrscheinlich mit Aktienpaketen für die Übernahme "entschädigt" werden. Allerdings, so der Vorstand der deutschen Consultingsparte, Henrik Amsinck, sollten sich die Partner ob des neu gewonnenen Reichtums "nicht für ein Jahr Ibiza" absetzen können. Die Zahlungen würden so gestaltet, dass die Betroffenen nicht auf einen Schlag über das neue Vermögen verfügen könnten.

In Mitarbeiterkreisen wurde der Schritt mit Erleichterung aufgenommen. Während zuvor zwei Soft- und Hardwarekonzerne als Käufer gehandelt wurden (Unisys und Atos Origin), gehen die Mitarbeiter jetzt davon aus, dass sie ihre lukrativen Netzwerke zu den US-Kollegen erhalten oder noch ausbauen können. Als "Entscheidung für Kontinuität" wurde der Kauf vermittelt - was auch für die personelle Struktur gelten soll. Personelle Veränderungen werde es vorerst kaum geben.

Mit der Entscheidung trage der Wirtschaftsprüfer KPMG auch den Anforderungen an die Unabhängigkeit von Abschlussprüfung und Unternehmensberatung Rechnung, hieß es. Die Trennung von Prüfung und Beratung in der Branche war nach den jüngsten internationalen Bilanzierungsskandalen wieder lauter geworden.

Der Rest vom Plan

KCA ist nach KPMG-Angaben die drittgrößte Consultinggesellschaft im deutschsprachigen Raum. Sie beschäftige in Deutschland, Österreich und der Schweiz 3200 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug 2001 rund 553 Millionen Euro. Die US-Schwester KPMG Consulting Inc. gilt mit 2,9 Milliarden Dollar Umsatz und rund 10.000 Mitarbeitern als einer der größten Wirtschaftsberater.

Nach dem Verkauf der Beratungsaktivitäten des weltweiten Wirtschaftsprüfers KPMG unter anderem in Großbritannien und den Niederlanden ist damit für eine weitere europäische Consultingtochter eine Lösung gefunden worden.

Die partnerschaftlich organisierten Firmen hatten sich nicht am Börsengang der US-Schwester KMPG Consulting Inc. beteiligt. Ursprünglich war gehofft worden, für alle europäischen Beratungstöchter einen gemeinsamen Käufer zu finden. KPMG will sich nach eigener Aussage künftig auf Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Finanzberatung konzentrieren.

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