Plastikgeld Zahltag bei Visa und MasterCard

Milliardenklage der Händler - arbeiten Kreditkartenfirmen mit überteuerten Zahlungssystemen?

New York - Eine Reihe großer US-Einzelhandelskonzernen, darunter Wal-Mart, Sears Roebuck & Co. und Safeway, werfen den beiden Kreditkartenfirmen einen Missbrauch von Marktmacht vor. In einem Vorverfahren wird der Streit möglicherweise bereits kommende Woche vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten verhandelt.

Die Einzelhändler beschuldigen Visa USA und MasterCard International, ihre starke Stellung im Kreditkartenmarkt ausgenutzt zu haben, um den Einzelhändlern auch ihre so genannten Debit Cards aufzuzwingen. Während bei einer Kreditkarte die Beträge erst nach einigen Wochen vom Konto des Inhabers abgebucht werden, funktionieren die in den USA weit verbreiteten Debit Cards ähnlich wie EC-Karten. Bereits nach wenigen Tagen wird das Geld vom Konto des Konsumenten auf das des Einzelhändles überwiesen - nach Abzug einer Gebühr, die der Aussteller der Karte einbehält.

Wuchergebühren für Debit Cards

Die Einzelhändler werfen Visa und MasterCard vor, deren Debit Cards seien völlig überteuert. Im Schnitt, so die Kläger, berechneten Debit-Card-Unternehmen den Händlern je 100 Dollar Kartenumsatz neun Cents an Gebühren. Die beiden Platzhirsche Visa und MasterCard verlangten hingegen mehr als fünfzehnmal so viel - nämlich 1,49 Dollar je 100 Dollar. Der einzige Grund, warum der Handel die überteuerten Debit Cards akzeptierte, sei der Druck, den die beklagten Kreditkartenunternehmen auf sie ausgeübt hätten, so die Händler.

Als Visa und MasterCard die margenträchtigen Debit Cards einführten, verpflichteten sie die Einzelhändler zur Akzeptanz aller ihrer Produkte: Jeder Einzelhändler, der Einkäufe mit Kreditkarten von Visa und MasterCard abrechnen will, muss auch die Debit Cards der Unternehmen akzeptieren. Da in den Vereinigten Staaten der Großteil aller Einkäufe per Kreditkarte abgewickelt wird, war es den Einzelhandelsketten unmöglich, dieses Karten-Junktim zu umgehen, argumentieren die Klägeranwälte. Etwa 75 Prozent der Kreditkartentransaktionen in den USA werden mit Plastikgeld von Visa oder MasterCard getätigt.

Ehre sei allen Karten

Ehre sei allen Karten

Viva und MasterCard halten die in den Vereinigten Staaten als "Honor all cards" bekannte Regelung hingegen für besonders wettbewerbsfreundlich, da sie die Rechte des Konsumenten stärke. "Ohne die Regel könnten die Händler festlegen, welche Bezahlungsmethode der Kunde verwenden muss", so MasterCards Anwalt Noah Hanft.

Der Rechtsstreit ist schon durch mehrere Instanzen gewandert. Zurzeit versuchen die Kreditkartenfirmen vor dem Obersten Gericht zu verhindern, dass den Einzelhändlern das Recht auf eine Sammelklage eingeräumt wird. Einer Sammelklage könnte sich nämlich jeder Supermarkt in den USA anschließen.

Riesige Schadenersatzzahlung

Die Summe, die MasterCard und Visa unter Umständen werden zahlen müssen, berechnet sich aus dem Schaden, der den Einzelhändlern durch das kartellähnliche Verhalten entstanden sein soll. Laut Gerichtsdokumenten, die dem "Wall Street Journal" vorliegen, beläuft sich die Summe auf 39 bis 47,5 Milliarden Dollar. Die Anwälte der Kreditkartenunternehmen halten unter Einbeziehung aller Faktoren sogar die Zahl von 100 Milliarden Dollar für möglich.

Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die volle Summe selbst dann nicht gezahlt würde, wenn die Klage der Handelsketten erfolgreich ist. Wahrscheinlicher sei es, dass sich die Parteien zuvor vergleichen. Außerdem hätten Visa und MasterCard angesichts der immensen Summe die Möglichkeit, Konkurs anzumelden und sich in den Gläubigerschutz zu flüchten.