Mobilcom Staatsauftrag auf der Kippe

Gestern wurde ein Zwei-Milliarden-Auftrag vom Militär noch gefeiert - heute wackelt er.

Frankfurt - Der Verbleib von Mobilcom  in einer Bietergruppe für einen milliardensschweren Informationstechnik-Auftrag der Bundeswehr ist wegen der unsicheren Unternehmenslage nicht gesichert. Der Vorstandschef des Konsortialführers CSC Ploenzke, Peter Strabel, sagte, die Bietergruppe sei sich "darüber klar", dass es Probleme geben könne, wenn die Diskussion über die Eigentümerschaft bei Mobilcom anhalte.

Mobilcom bestätigt Diskussion im Konsortium

Die Bundeswehr will ihre auf unterschiedlichen Systemen laufende Informationstechnik (IT) in den kommenden Jahren vereinheitlichen und modernisieren. Das von CSC geleitete Konsortium war von der Bundeswehr für die abschließenden Verhandlungen als bevorzugter Partner ausgewählt worden. Der Mobilcom-Anteil an dem Gesamtauftragsvolumen von rund sechs Milliarden Euro beträgt nach Firmenangaben rund ein Drittel. Dies entspräche einem Umsatz von zwei Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Seit Wochen sucht die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche französische France Télécom  nach einem Weg, Mobilcom-Chef Gerhard Schmid auszukaufen und die Aktienmehrheit ohne die Schulden zu übernehmen. Bei Mobilcom stehen zu Ende Juni fällige Verbindlichkeiten von rund 4,7 Milliarden Euro zur Umschuldung an. Nach Mobilcom-Angaben besteht deshalb Insolvenz-Gefahr. Auch der geplante Einstieg in das UMTS-Mobilfunkgeschäft verzögert sich wegen der Unstimmigkeiten mit der France Telecom seit Monaten.

In Mobilcom-Kreisen wurde bestätigt, dass innerhalb des Konsortiums über den Verbleib des Telekom-Dienstleisters Diskussionen stattfänden. "Es gibt interne Gedankenspiele", hieß es in den Kreisen. Ein Mobilcom-Sprecher sagte hingegen: "Es ist uns nicht bekannt, das wir aus dem Konsortium rausgehen."

Kloevekorn: "Keine Probleme mit der Telekom"

Bei CSC Ploenzke wird ein mögliches Ausscheiden von Mobilcom als verschmerzbar eingeschätzt. Unternehmenschef Strabel sagte unter Verweis auf Überkapazitäten am Markt, es gebe andere Anbieter, die die Dienstleistungen erbringen könnten. Mobilcoms Rolle sei mit der der Telekom-Tochter T-Systems im konkurierenden Konsortium vergleichbar, sagte Rüdiger Kloevekorn, Chef der Ploenzke-Verteidigungssparte. "Wir hätten keine Probleme mit der Telekom", fügte er hinzu. Allerdings hänge dies von Preiszugeständnissen ab.

Löst der Finanzvorstand Grenz seinen Chef ab?

Unterdessen verlautete aus Kreisen des Aufsichtsrats von Mobilcom, dass Finanzvorstand Thorsten Grenz große Chancen habe, bei einem Ausscheiden von Unternehmenschef und -Gründer Schmid Vorstandsvorsitzender zu werden. In den Kreisen hieß es, eine Berufung von Grenz zum Nachfolger von Schmid sei "nicht völlig unwahrscheinlich." Nach Einschätzung der Kreise läuft das Votum des Aufsichtsgremiums aller Voraussicht nach auf Grenz zu. Mobilcom lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Eine ursprünglich für Freitag geplante außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates wurde nach Mobilcom-Angaben auf unbestimmte Zeit verschoben. Firmenchef Schmid muss einer Weisung des Aufsichtsrats zufolge bis Ende dieser Woche ein Aktienoptionsgeschäft mit seiner Ehefrau rückgängig machen, dass vor allem Großaktionär France Telecom beanstandet hatte. Auf der Hauptversammlung in der vergangen Woche wurde Schmid nicht entlastet.

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