WM-Gastgeber contra Fifa Zoff wegen leerer Stadien

Ticket-Misere bei der WM in Japan und Korea - die japanische Regierung gibt der Fifa die Schuld.

Seoul/Tokio - Am Ende mündete das Schlangestehen in einer Schlägerei. Trotz stundenlangen Wartens war ein Fußball-Fan im japanischen Saitama an der Kasse abgewiesen worden. Er verlor die Beherrschung und trat die Tür zum Kartenverkaufschalter ein. Schließlich wurde der Mann von der Polizei abgeführt.

Auch in Südkorea verlieren die WM-Begeisterten langsam die Geduld. In Busan hatten etwa 15.000 Fans vor den Verkaufsschaltern übernachtet, als bekannt geworden war, dass nur 3000 Restkarten für den WM-Start des heimischen Teams gegen Belgien zur Verfügung stehen sollten. Hunderte Polizisten mussten die Kartenstellen im Busan Sajik Baseballstadion beschützen, die Fahndung nach Schwarzhändlern lief auf Hochtouren.

Trotzdem schäumen die Vertreter der japanischen und der südkoreanischen Regierung vor Wut. Denn trotz des Kartenchaos an den Stadionkassen und aufgebrachter Fans ist die Zuschauerkulisse bei den meisten WM-Partien blamabel. Das, so die Befürchtung, könnte zu einem nachhaltigen Imageschaden führen, denn die leeren Plätze werden durch die TV-Ausstrahlungen weltweit dokumentiert.

Der japanische Minister für Erziehung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie, Atsuko Toyama, gibt dem Fußball-Weltverband Fifa die Hauptschuld an der Misere. "Ich bin überzeugt davon, dass die Verantwortung der Fifa gravierend ist. Wir werden uns mit Südkorea über geeignete Maßnahmen verständigen", sagte Toyama.

Die Südkoreaner schließen selbst eine Schadensersatzklage gegen die von der Fifa mit der Kartenabwicklung betraute britische Agentur Byrom nicht aus. "Die Agentur Byrom muss sich kooperativ zeigen, es ist ihre Pflicht", sagte der Sprecher des südkoreanischen WM-Organisationskomitees KOWOC, Rim Che Min, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Seoul. Der Verlust pro Spiel auf Grund nicht verkaufter Eintrittskarten wird derzeit auf 900.000 Euro hochgerechnet. Dagegen weist Fifa-Pressechef Keith Cooper jede Schuld des Fußball-Weltverbandes zurück. Der Absatz insbesondere in Südkorea sei ohnehin eher schleppend verlaufen.

Die Zurückhaltung der Fans erklärt sich durch die horrenden Preise - das billigste Ticket in der ersten Gruppenphase kostet in beiden Ländern jeweils knapp 70 Euro. Auch im Ausland kann man nicht gerade von einem reißenden Absatz der Billets sprechen. Viele europäische Schlachtenbummler scheuten offensichtlich die weite Anreise und die horrenden Preise für Unterkunft und Verpflegung. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzte nur knapp 2000 der 3000 Tickets pro Vorrundenspiel im Vorfeld der WM-Endrunde ab.