Babcock Borsig/HDW "Gegen deutsche Interessen kann nicht verkauft werden"

Babcock-Borsig-Chef Klaus Lederer dementiert Gerüchte, der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman werde direkt bei HDW einsteigen - was dem Ausverkauf von deutschem Technologie-Knowhow gleichkäme.

Oberhausen - Was plant Klaus G. Lederer? Ebenso wie eine Mehrheit der Kleinaktionäre bei Babcock Borsig  und Großinvestor Guy Wyser-Pratte ist sich offensichtlich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht ganz sicher, ob der Vorstandsvorsitzende hinter den Kulissen Fäden zieht, die die Öffentlichkeit nicht sehen soll. Vorsorglich stellte der Kanzler jedenfalls klar, dass es keinen Export des HDW-Prunkstücks "U31" nach Taiwan geben wird: Die Lieferung von acht U-Booten werde "nicht genehmigt".

Lederer dementiert Planungen für weiteren Anteilsverkauf

US-Präsident George Bush allerdings soll der taiwanesischen Regierung die Lieferung von acht nicht-atomar betriebenen U-Booten zugesagt haben. Die technisch besten weltweit werden in Kiel produziert. Und nach einem Bericht des "Handelsblatts" soll bereits über einen Verkauf von 20 Prozent der HDW-Anteile an den US-Rüstungskonzern Northrop Grumman verhandelt werden. Der Verkauf von knapp 75 Prozent von HDW an die US-Investorengruppe One Equity Partners (OEP) ist bereits von der EU genehmigt.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), bestreitet Babcock-Chef Leder nicht, dass es Gespräche mit US-Rüstungskonzernen zum Thema HDW gibt. "Aber Gegenstand dieser Gespräche ist nur eine mögliche Vertriebspartnerschaft, nicht die Übernahme von Anteilen an HDW durch Northrop", zitiert die "FAZ" Lederer.

Einflußnahme des deutschen Konsortiums endet 2012

Branchenexperten halten es allerdings für möglich, dass nach dem Ablauf einer Haltefrist im Jahr 2004 ein US-Konzern die Kontrolle über HDW übernehmen könnte. "Nach Ablauf dieser Frist hat das deutsche Konsortium für weitere drei Jahre ein Vorkaufs- und dann noch fünf Jahre ein Andienungsrecht", sagt Lederer. Gegen den Willen deutscher Interessen könne HDW bis 2012 nicht an Interessenten außerhalb Deutschlands verkauft werden.

Ob die Gefahr tatsächlich von der Hand zu weisen ist, bezweifelt nach einem Bericht des "Handelsblatts" jetzt allerdings auch die EU-Kommission, die erst vor wenigen Tagen den Verkauf von HDW-Anteilen an den US-Investor OEP genehmigte. Das Blatt berichtet, in der von Mario Monti geleiteten Kommission gebe es "Verärgerung". Es sei nicht ausgeschlossen, dass die bereits genehmigte Transaktion erneut geprüft oder gar widerrufen werden könne.

Schlecht informiert? Verärgerung bei der EU-Kommission

Hintergrund des Ärgers: Nach dem grünen Licht aus Brüssel hatte OEP bekannt gegeben, mit Northrop Grumman und dem zweiten US-Rüstungsriesen General Dynamics über mögliche Kooperationen zu verhandeln. In der EU-Kommission entsteht jetzt der Verdacht, dass OEP und Babcock Borsig im Genehmigungsverfahren nicht ausreichend über "Nebenabreden" zu dem Deal informiert hätten.

Ein anderer erklärter Gegner des Verkaufs ist der US-Großinvestor Guy Wyser-Pratte, der mehr als acht Prozent der Anteile an Babcock Borsig hält. Er will auf dem Gerichtsweg eine außerordentliche Hauptversammlung durchsetzen, auf der über den HDW-Anteilsverkauf erneut abgestimmt werden soll.

Wyser-Pratte hat bereits eine Einstweilige Verfügung erwirkt, die den HDW-Verkauf blockiert. Babcock Borsig legte allerdings umgehend Widerspruch ein. Wer bei dem Kräftemessen die Oberhand behält und welche Pläne zur HDW-Zukunft greifen werden, scheint daher noch völlig offen. Das Bundeskartellamt jedenfalls hat angekündigt, jeden weiteren Schritt von OEP und Babcock Borsig "sehr wachsam zu prüfen".

Am Mittwoch nachmittag wurde bekannt, dass Lederer seinerseits den Babcock-Großaktionär Guy Wyser-Pratte wegen übler Nachrede, Verleumdung und Geschäftsschädigung verklagen will, berichtet "Teleboerse.de".

HDW-Verkauf: Die Blockade von Wyser-Pratte

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