WestLB Deutsches Geld für Briten-"Heiligtum"

Die Bank erhält den Zuschlag für die Finanzierung des neuen Wembley-Stadions in London.
Von Clemens von Frentz

London/Düsseldorf - Die Westdeutsche Landesbank wird den Neubau des legendären Londoner Wembley-Stadions finanzieren. Das bestätigten am Freitag WestLB-Vorstandsmitglied Andreas Seibert und Adam Crozier, Chef des britischen Fußballverbandes Football Association (FA). Das neue Stadion soll rechtzeitig zum englischen Cup-Finale im Mai 2005 fertig gestellt sein.

Zuvor hatte die britische Barclays-Bank einige Monate lang versucht, mit den Bauherren ins Geschäft zu kommen. Nach Angaben aus England waren die Verhandlungen mit der Betreibergesellschaft Wembley National Stadium Ltd., einer Tochter des Fußballverbandes, schon weit fortgeschritten.

Barclays soll dabei einen Kostenplan über 300 Millionen Pfund vorgelegt haben. Ende April allerdings gab das Finanzinstitut sein Vorhaben auf und machte damit den Weg frei für das Düsseldorfer Geldinstitut.

Nach Aussage von WestLB-Vorstand Andreas Seibert belaufen sich die Gesamtkosten für das Projekt auf rund 1,1 Milliarden Euro (ca. 715 Millionen Pfund). Medienberichten zufolge plant die WestLB ein Finanzierungspaket von 400 Millionen bis 500 Millionen Pfund. Die Bank selbst wollte sich zu diesen Zahlen nicht äußern.

Britische Presse ist skeptisch

Die Finanzierung des Bauvorhabens war bislang immer wieder gescheitert. Die Aussicht, dass nun ausgerechnet eine deutsche Bank den Neubau des "nationalen Stadions" ermöglichen könnte, wurde in der britischen Presse als brisant eingestuft.

Wie FA-Chef Crozier in London sagte, müssen Details für den Neubau noch ausgehandelt werden. Dies könne weitere zehn Wochen in Anspruch nehmen. Die ersten Bauarbeiten sollen im September beginnen.

Das 80 Jahre alte Stadion mit den berühmten Zwillingstürmen war vor 36 Jahren zum Schauplatz der legendären deutschen Niederlage bei der Fußball-Weltmeisterschaft geworden. 1966 fiel hier das umstrittene "Wembley-Tor" - der Lattenschuss von Geoff Hurst, der die deutsche Mannschaft unter Kapitän Uwe Seeler den Sieg kostete.

30 Jahre später gewann die deutsche Elf dann in der gleichen Arena dank Oliver Bierhoffs "Golden Goal" gegen Tschechien die Europameisterschaft, nachdem sie zuvor Gastgeber England aus dem Turnier geworfen hatte. Auch im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion trafen beide Teams aufeinander. Deutschland siegte am 7. Oktober 2000 mit 1:0 im Rahmen der Qualifikation zur gerade begonnenen Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea.

Entwurf von Norman Foster

Nachdem das nationale Fußball-Heiligtum im Oktober 2001 abgerissen wurde, soll nun nach einem Entwurf von Sir Norman Foster - in Deutschland bekannt durch den Umbau des Reichstags - ein modernes Nationalstadion mit 90.000 Sitzen entstehen.

Das Wembley-Projekt ist nicht der erste Vorstoß in die Welt des Sports für die WestLB. 1998 hatte sich die Landesbank erfolgreich an einem Rettungs- und Erneuerungsplan für die Formel 1 beteiligt. Dies Engagement könnte nun allerdings wegen der Finanzkrise der Kirch-Gruppe zum Bumerang werden.

Grund: Die Düsseldorfer Bank war Konsortialführer einer Anleihe über 1,4 Milliarden Dollar, die die Formel-1-Tochter Formula One Finance BV vor drei Jahren auf den Markt gebracht hat. Die Anleihe soll jedoch so schlecht gelaufen sein, dass die WestLB knapp eine Milliarde Euro in den eigenen Bestand nehmen musste. Knapp die Hälfte davon befindet sich nach Angaben gut informierter Kreise noch heute dort.

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