Mobilcom 85,89 Prozent gegen Gerhard Schmid

Zuerst warf der Aufsichtsrat Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor. Der entschuldigte sich zwar, wurde von der HV aber nicht entlastet. Gemurmel gab es, als Schmid sein Gehalt verriet.
Von Christian Buchholz und Arne Stuhr

Hamburg - Zum Auftakt der Hauptversammlung am heutigen Donnerstag in Hamburg musste Mobilcom-Chef Gerhard Schmid einen Tiefschlag einstecken: Er hat nach Feststellung des Aufsichtsrats gegen seine Pflichten im Rahmen das Aktienrechts verstoßen. Der Mobilcom-Kurs  sank daraufhin in den ersten Handelsstunden um bis zu 16 Prozent.

Schmid agierte am Finanzvorstand vorbei

11.20 Uhr: Der erklärte Verstoß hätte sich aus einem Gutachten des Wirtschaftsprüfers BDO ergeben. Es sei im Zusammenhang mit einem Aktienoptionsprogramm erstellt worden, bei dem Schmids Ehefrau Aktien zur Verfügung gestellt hatte, teilt Mobilcom-Aufsichtsratschef Klaus Ripken zu Beginn der Hauptversammlung in Hamburg mit. Schmid habe es versäumt, sich zumindest mit dem Finanzvorstand über das Programm abzustimmen, erklärte Ripken.

Außerdem seien die Zahlungen zwischen Mobilcom und Schmids Ehefrau ohne Vertragsgrundlage und Sicherheiten geleistet worden. Das Aktienoptionsprogramm, aus dem Mobilcom-Vertretern Provisionen gezahlt werden sollten, werde nun rückgängig gemacht.

350 Aktionäre reagieren gelassen

Der Aufsichtsrat habe die Nacht hindurch zu dem Thema getagt, in etwa zwei Wochen wolle man sich erneut treffen, um eine verbindliche Lösung bezüglich Schmids Verbleib im Vorstand zu finden.

Vorab untersagte es der Aufsichtsrat Schmid, in seiner Vorstands-Funktion mit der Rechtsperson Gerhard Schmid Geschäfte zu tätigen. In vielen Aktiengesellschaft ohnehin eine Selbstverständlichkeit - bei Mobilcom galt dazu allerdings bisher eine Sonderregelung.

Als zweite Auflage nach dem Rechtsbruch darf Schmid so gut wie keine Entscheidungen mehr ohne Absprache mit und Zustimmung von Finanzvorstand Grenz treffen.

Vorwürfe wegen Insiderhandels, die gegen Schmid in den vergangenen Wochen laut geworden waren, haben sich nach Aussage Ripkens nicht bestätigt.

Die etwa 350 Aktionäre verhalten sich, ganz im Gegensatz zu den aufgebrachten Akienbesitzern auf der Telekom-Hauptversammlung vor zwei Tagen, ruhig. Dem Mobilcom-Gründer, der Stellung nimmt zum Vorwurf, er habe die Sorgfaltspflicht verletzt, spendete das Publikum sogar Applaus.

So viel verdient der Mobilcom-Chef

12.10 Uhr: "Es sind mir persönlich Verfehlungen nachgewiesen worden und es tut mir persönlich leid, ich bedauere das", sagte Schmid bezugnehmend auf den Rüffel des Aufsichtsrats. Allerdings sei Schmid "dankbar", dass dem Unternehmen durch seinen Fehler kein finanzieller Schaden entstanden sei.

"Ich werde so etwas in Zukunft nicht mehr tun. Ich habe die Komplexität offensichtlich unterschätzt", entschuldigte sich der Mobilcom-Gründer weiter. Ein Grund für den Fehler ist aus seiner Sicht, dass in seinem Konzern viele Entscheidungen schnell und flexibel getroffen würden. Indirekt gab Schmid aber zu, mit dem Aktienoptionsprogramm übers Ziel hinausgeschossen zu sein.

Den Impuls für das Programm nannte Schmid aber "nach wie vor richtig". Weil es für die Zukunft von Mobilcom entscheidend sei, möglichst schnell Kunden zu akquirieren, war für Vertreter ein Anreiz geschafft worden: Unter dem Slogan "Eine Aktie pro Kunde" war den Vertretern das Recht eingeräumt worden, für bestimmte von ihnen vermittelte Verträge eine Mobilcom-Aktie zum Vorzugspreis von fünf Euro zu erwerben.

Schmid äußert sich auch erstmals zu einem Auftrag, der ein Anzeichen dafür sein könne, dass sich die milliardenschweren UMTS-Investitionen des Konzerns lohnen könnten: Mit der Bundeswehr stehe man in Verhandlungen über einen Auftrag mit einem Umsatzwert von etwa zwei Milliarden Euro.

13.10 Uhr: Die Aktionärsvertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) geben komplett gegensätzliche Einschätzungen zur Mobilcom-Lage wieder. SdK-Vertreter Gernot Hildebrandt zeigt sich zufrieden: Die Zukunftspläne von Mobilcom seien transparent vorgestellt worden, die Strategie nachvollziehbar.

"Skandalöser Vorgang": Anwalt greift Schmid an

DSW-Vertreter und Anwalt Dirk Unrau dagegen wundert sich über die milden Töne seines Vorredners: "Die Frage, 'Quo vadis, Mobilcom', ist nicht beantwortet worden. Aus meiner Sicht ist die Zukunft von Mobilcom heute völlig offen."

Dass Schmid das Aktienoptionsprogramm offenbar ohne Zustimmung anderer Vorstände installieren wollte, sei ein "skandalöser Vorgang". Dass dieser erst jetzt, "nachdem die Forderung schon monatelang bestand" auf den Tisch komme, sei nicht akzeptabel.

Unrau fordert Schmid auf, seinen Vorstandsposten aufzugeben. "Sie sind ein Macher und haben eine Bombenleistung am Neuen Markt und gegen die Deutsche Telekom hingelegt", lobt der DSW-Vertreter.

14.10 Uhr: Schmid verrät sein Jahreseinkommen 2001: 120.000 Euro. Allerdings hätte er im vergangenen Jahr auch die letzte Chance genutzt, fünf Jahre alte Aktienoptionen auszulösen. "Gegenüber dem Kurs beim Börsengang war der Erlös ganz okay", kommentiert Schmid. Hätte er zu Höchstkursen verkauft, hätte die Summe, die er nicht beziffert, etwa zehnmal höher ausfallen können.

Finanzvorstand Thorsten Grenz bekam im vergangenen Jahr 300.000 Euro Gehalt, was laut Grenz doch "eher an der Unterkante des Üblichen" sei.

Schmid wird nicht entlastet

14.50 Uhr: Gerhard Schmid lehnt Forderungen aus der Hauptversammlung nach seinem Rücktritt entschieden ab. "Ich habe lange über den Rücktritt nachgedacht. Aber ich habe diese Story, auch die mit France Télécom, begonnen. Und ich werde sie auch zu Ende führen." Schmid erntet erneut Applaus der Aktionäre.

Ob Schmid weiter eine Zukunft als Mobilcom-Chef hat, ist ungewiss. Der Aufsichtsrat wird über seinen Verbleib als Vorstandschef in den nächsten Tagen entscheiden. Wird ihm seitens der Aktionäre die Entlastung verweigert, würde er nicht automatisch aus dem Amt scheiden. In diesem Fall ist dem Aufsichtsrat die Erlaubnis erteilt, den Vorstandsvorsitzenden abzuberufen.

Der Aufsichtsrat kann sich aber auch anders entscheiden und Schmid trotz der Missbilligung durch die Aktionäre im Amt belassen. In den seltenen Fällen, in denen Vorständen die Entlastung verweigert wurde, haben sich die zuständigen Aufsichtsräte meist für die zweite Variante entschieden. Im Fall Mobilcom könnte es wegen der Sondersituation des Machtkampfs zwischen Schmid und FT-Chef Bon aber anders laufen.

Der Vertreter einer Investmentgesellschaft innerhalb des France-Telekom-Konzerns, bei der knapp 30 Prozent der Mobilcom-Aktien angesiedelt sind, stellte einen Antrag auf Einzelentlastung des Vorstandsvorsitzenden, will also den Vorstand nicht insgesamt entlasten. Er ließ offen, wie er abstimmen will.

15.20 Uhr: Finanzvorstand Grenz erklärt auf die Frage, wann das Eigenkapital von Mobilcom aufgebraucht wäre: "Wenn an den bestehenden Finanzierungs-Eckpunkten nichts verändert wird, reichen die Mittel noch bis Mitte 2003."

15.45 Uhr: Beginn der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands. Für jedes Vorstandsmitglied muss einzeln abgestimmt werden - dem Antrag des FT-nahen Aktionärsvertreters wurde entsprochen.

16.30 Uhr: Die HV ist unterbrochen, da der Aufsichtsrat sich zu einer Besprechung zurückgezogen hat. Am Nachmittag ist die Mobilcom-Aktie  für rund 23 Prozent weniger zu haben als zum Handelsbeginn. Aktueller Kurs: 13,30 Euro.

17.10 Uhr: Die Auszählung der Abstimmung läuft.

17.30 Uhr: Die Hauptversammlung verweigert Gerhard Schmid die Entlastung. 85,89 Prozent des anwesenden Kapitals sprechen sich gegen ihn aus. Schmidt selbst, der rund 40 Prozent der Mobilcom-Anteile hält, war dabei nicht stimmberechtigt.

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