MAN "2003 wird durchgestartet"

Talsohle erreicht? Ein "Nachfrageschub" macht Vorstand Rupprecht auf der HV optimistisch.

München - Eine merkliche Erholung im April nach überraschend großen Verlusten im ersten Quartal 2001 stimmt den MAN-Konzern  optimistisch. Der Nachfrageschub bestärke das Unternehmen in der Hoffnung, "dass wir die konjunkturelle Talsohle durchschritten haben", sagte Vorstandschef Rudolf Rupprecht.

Auf der Hauptversammlung in München sagte der Konzernchef, das Unternehmen halte an seinem Jahresziel fest, ein höheres Ergebnis als im Vorjahr einzufahren.

So verbuchte die verlustreiche Nutzfahrzeugsparte im April 29 Prozent mehr Aufträge als im Vergleichsmonat 2001. Der Auftragseingang sei von Januar bis April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gesunken, bis März habe das Minus aber noch 18 Prozent betragen, sagte Rupprecht.

Lastwagenverkauf besser, Busgeschäft schleppend

"Diese Entwicklung bestärkt uns in unserer Hoffnung, dass wir die konjunkturelle Talsohle durchschritten haben." Bei den Lastwagen habe sich eine deutliche Erholung gezeigt, das Geschäft mit Bussen verlaufe dagegen noch gedämpft.

Von Januar bis Ende März verbuchte MAN ein Minus von 75 Millionen Euro. Das Vorzeichen vor dem Ergebnis werde sich im laufenden Jahr aber "nachhaltig umkehren", kündigte der MAN-Chef an.

2002 will der Konzern das Vorsteuerergebnis deutlich über den Vorjahreswert von 213 Millionen Euro bringen. Auftragseingang und Umsatz sollen jeweils in Größenordnungen zwischen 15,5 und 16 Milliarden Euro steigen.

2003 werde der Konzern "beim Ertrag wieder durchstarten". Analysten wollten hingegen nicht von einer Trendwende sprechen. Viele von ihnen stuften die Aktie herab.

Tarifabschluss - ein Signal für Beschäftigungsabbau

Entscheidend für die angestrebte Verbesserung ist laut Rupprecht, dass sich die Wirtschaft wie erwartet positiv entwickele. Als Problem wertete der Unternehmenschef aber den Pilotabschluss in der Metall- und Elektrobranche. Vier Prozent mehr Geld schössen über das Ziel hinaus; dies erschwere es, die Beschäftigungszahlen zu halten. "Ein Prozent Erhöhung bedeutet für uns eine Belastung von etwa 30 Millionen Euro,", sagte Rupprecht.

Laut Rupprecht will der Konzern bis 2005 rund 700 Millionen Euro sparen, davon mehr als 400 Millionen Euro im kommenden Jahr. Bei der britischen Lastwagentochter ERF, bei der massive Bilanzfälschungen aufgedeckt worden waren, sollen im zweiten Halbjahr die Restrukturierungen greifen.

Zudem würden gegen den früheren ERF-Besitzer Western Star Schadensersatzansprüche von rund 300 Millionen Pfund geltend gemacht. Rupprecht sagte, insgesamt werde für das Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge "mindestens eine schwarze Null" angestrebt.

Aktientausch beschlossen, um im Dax zu bleiben

Zusätzliche Anstrengungen kündigte der Vorstandsvorsitzende für MAN-Technologie an. Die Konzerntochter hatte im ersten Quartal mit hohen Verlusten überrascht: Beteiligungen an der Europäischen Raumfahrtgesellschaft Arianespace und am zahlungsunfähigen Flugzeugbauer Fairchild Dornier verursachten rote Zahlen. Rupprecht hatte bereits angekündigt, das Arbeitsvolumen bei MAN-Technologie zu reduzieren. Weiteren Stellenabbau schloss er dabei nicht aus.

Um den Verbleib im Leitindex Dax30 zu sichern, wurde auf der Hauptversammlung die Umwandlung der stimmrechtlosen Vorzugsaktien in Stammaktien beschlossen. Anleger können ihre Vorzugsaktien nun gegen Zuzahlung einer Prämie von 3,30 Euro in die attraktiveren Stammaktien umtauschen.

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