Bankgesellschaft Berlin „Die Basis ist geschaffen“

Vorstandschef Vetter sorgt für Perspektiven. 2003 soll das Institut wieder profitabel sein.

Berlin - Im Vorfeld der Bilanzpressekonferenz am kommenden Dienstag versucht Hans-Jörg Vetter, seit Dezember Vorstandsvorsitzender der Bankgesellschaft Berlin, Schönwetter zu machen. Mit neuen Produkten für 3,5 Millionen Kunden wolle das Institut im Jahr 2003 bereits wieder profitabel sein, sagte der Firmenchef in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

"Die Basis für einen Neubeginn ist geschaffen", gab sich Vetter zuversichtlich. Nachdem Missmanagement und ein Hauch von Größenwahn die Bank in den vergangenen Jahren an den Rand des Ruins getrieben hatten, will der neue Mann an der Spitze nun aus dem krisengeschüttelten Institut wieder eine "ordentliche Bank" machen.

Das Land Berlin trägt sich als Mehrheitsaktionär weiterhin mit Verkaufsabsichten. Vier Bewerber haben bereits Interesse bekundet. Aus heutiger Sicht, so Vetter, sei die Bank aber alleine überlebensfähig.

Eigenkapitalquote gestiegen

Die Eigenkapitalquote des angeschlagenen Unternehmens sei wieder auf über elf Prozent gestiegen, so Vetter. Zuletzt war die Rate "weit unter" die Mindestforderung der Aufseher von acht Prozent gerutscht.

Das Unternehmen wird möglicherweise auch von der jüngst vom Abgeordnetenhaus verabschiedeten "Risikoabschirmung" aus dem Immobilienbereich profitieren. Diese könnte die Bank um Milliardenbeträge entlasten und vor der Schließung durch die Bankenaufsicht bewahrt. Diese Neuregelung muss jedoch zunächst noch durch das Land Berlin geprüft werden.

Radikaler Sparkurs

Hoffnungen setzt der Vorstandschef auch auf ein drastisches Sparprogramm. Mit Hilfe der Mitarbeiter will die Bank die Kosten um bis zu 450 Millionen Euro reduzieren. Ende dieses Jahres will der Firmenchef bereits annähernd die Hälfte des Betrages eingespart haben. Vetter setzt dabei vor allem auf die Zuammenführung der drei Töchter-Institute und die Nutzung der daraus resultierenden Synergieeffekte.

Zudem will sich die Bankgesellschaft zunehmend auf das Kerngeschäft konzentrieren. Die Beteiligungen in Tschechien, in Polen sowie die Tochter Allbank sollen schnellstmöglich verkauft werden. Ob die Berliner Weberbank ebenfalls zur Disposition steht, sei bisher nicht entschieden trenne, so Vetter.

Vom Großkundengeschäft abnabeln

"Wir haben nur eine Zukunft als starke Regionalbank mit einem Retailnetz für Privat- und Firmenkunden", betonte der Vorstandvorsitzende gegenüber dem Handelsblatt. Aktivitäten im Großkundengeschäft wolle man sukzessive zurückfahren.

Eine neue Risikoverteilung ist auch für das Immobilien- und Hypothekengeschäft angedacht. Vorerst plant das Unternehmen, schwerpunktmäßig in den alten Bundesländern zu investiert. Als Bauträger wolle die Bank künftig jedoch nicht mehr agieren.

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