Mobilcom Neuer Job für Schmid?

Den Coup hatte sich Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid einfacher vorgestellt: Schon im März wollte er sein Mobilcom-Paket an France Télécom verkaufen. Schmid, die Franzosen und ein Bankenkonsortium streiten aber heute noch um die Details. Darunter leidet das Geschäft - Kunden wandern ab.
Von Christian Buchholz

Paris/Büdelsdorf - Wenn schon, denn schon - Gerhard Schmid, der Mobilcom  vor elf Jahren gründete, steigt aus und verkauft alle seine Aktien - und die seiner Gattin - an die France Télécom . Beschlossen, verkündet und mit dem Verweis auf eine Vertragsklausel mit France Télécom von Schmid als rechtssicher bezeichnet während der Bilanz-PK am 21. März . Doch die Hälfte aller Mobilcom-Aktien gehören nach wie vor dem Ehepaar Schmid.

Schlechte Quartalszahlen, Zurückhaltung bei Kunden

"Es gibt Schwierigkeiten, weil sich die Durchführung der geplanten Transaktion in die Länge zieht", bestätigte Mobilcom-Sprecher Mathias Quaritsch gegenüber manager-magazin.de. So fielen die Quartalszahlen gestern schlechter aus als erwartet: Der Fehlbetrag vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf 120,7 Millionen Euro - im Vorjahresquartal waren es noch 34,8 Millionen Euro.

Auch die Zahl der Mobilcom-Kunden im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal verschlechterte sich. Sie ging um 100.000 auf 4,9 Millionen zurück. "Einige Businesskunden haben Entscheidungen über Verträge mit Mobilcom erst einmal aufgeschoben", erläutert Quaritsch den negativen Effekt der noch immer offenen Verhandlungen.

Keine Alternative zum Public Offering?

Die führt Gerhard Schmid nicht mit France Télécom allein. Weil die Franzosen planten, ein Angebot für alle Aktionäre (Public Offering) zu vermeiden, schlugen sie Schmid vor, er solle seine Aktien an mehrere Banken verkaufen. "Gerhard Schmid hat dabei seine Aktien zu einem Preis von 22 Euro pro Stück angeboten", erklärte der Mobilcom-Sprecher.

Mit den am Deal beteiligten Banken wollte France Télécom eine Vereinbarung treffen: Der heute mit etwa 65 Milliarden Euro verschuldete Konzern hatte vor, die Aktien erst in drei oder vier Jahren in den eigenen Besitz zu nehmen - und wollte eine entsprechende Verpflichtungserklärung gegenüber den Banken abgeben.

Kauft Schmid Freenet frei?

Wie sich immer stärker abzeichnet, ist die Taktik allerdings nicht gesetzeskonform. "Ich gehe davon aus, dass France Télécom an einem Übernahmeangebot für alle Aktionäre nicht vorbeikommt", äußerte Schmid jetzt im Rahmen einer Analystenkonferenz. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft bereits seit Wochen, ob France Télécom zu einem Angebot an alle Aktionäre verpflichtet werden kann. Mindestens ebenso schwer wiegt die Übernahme einer Schuldenlast von etwa sieben Milliarden Euro, die durch einen Komplett-Kauf zusätzlich auf die tiefrote France-Télécom-Bilanz drücken würde.

Vom Mobilcom-Chef zum Freenet-Chef?

Ein wenig Entlastung könnte sich der halbstaatliche Konzern allerdings durch den Verkauf der Mobilcom-Tochter Freenet verschaffen. Angeblicher Interessent für die Mobilcom-Tochter mit 112 Millionen Euro Marktkapitalisierung: Gerhard Schmid.

Aus Frankfurter Bankenkreisen verlautete, der 49-jährige Schmid wolle seine unternehmerische Zukunft an der Spitze des Internet-Portals, auf das kürzlich auch das Festnetzgeschäft von Mobilcom übertragen wurde, fortführen. "Kein Kommentar", heißt es dazu aus der Mobilcom-Zentrale.

Als "falsch" bezeichnete Mobilcom-Sprecher Quartisch dagegen die Meldung, Mobilcom könne bei einem Ausscheiden des Aktionäres France Télécom bereits im Sommer zur Insolvenz gezwungen sein. "Mobilcom allein hätte nie die 16,5 Milliarden Mark zur Ersteigerung der UMTS-Lizenz aufbringen können", sagte Quartisch.

Der UMTS-Kredit wurde von der France Télécom abgesichert - damit bleibe das Unternehmen auch künftig in der Pflicht, die fälligen Raten zu zahlen. Eine automatische Übernahme der Schulden durch Mobilcom bei einem möglichen Ausscheiden der Franzosen aus dem Unternehmen schloss Quartisch aus.

"Wir gehen davon aus, dass die France Télécom eine Entscheidung zur Übernahme spätestens in vier Wochen, möglicherweise aber auch schon morgen vorlegen wird", sagte Quaritsch. Dabei bezog er sich auf France-Télécom-Finanzvorstand Jean-Louis Vinciguerra, der diesen Zeitrahmen vor zwei Wochen genannt habe. Somit scheint wahrscheinlich, dass die Transaktion noch vor der Mobilcom-Hauptversammlung am 30. Mai stattfindet.

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