Deutsche Bank "Uns fehlt die Akquisitionswährung"

Die angestrebte Steigerung des Börsenwertes ist laut Bankchef Breuer keine Abwehrmaßnahme, sondern ein wichtiger Schritt, um selber wieder als Übernehmer aktiv werden zu können.

Hamburg – Gut eine Woche vor seiner Ablösung als Chef der Deutschen Bank  und dem Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats unterstreicht Rolf-E. Breuer seine volle Unterstützung für die Strategie seines Nachfolgers, Josef Ackermann. Die Deutsche Bank werde sich in den nächsten anderthalb Jahren auf die Steigerung ihrer Profitabilität und die Festigung ihrer Organisation konzentrieren. "Wir planen in den nächsten 18 Monaten keine Expansion, weder durch große Investitionen noch durch Übernahmen oder Fusionen", sagte der mit der Hauptversammlung am 22. Mai ausscheidende Vorstandssprecher der "Financial Times Deutschland".

Breuer, der auch Präsident des Bundesverbandes der deutschen Banken ist, sagte, in Deutschland "passiere gar nichts". Die großen Banken seien paralysiert, denn sie hätten zu hohe Kosten und eine zu niedrige Profitabilität. "Der Marktwert ist zu niedrig", so der Top-Banker. Der Sektor sei zudem überfüllt und werde von den öffentlichen Instituten dominiert. Das mache Deutschland für ausländische Investoren unattraktiv. Bei der zu erwartenden Konsolidierung in Europa würden voraussichtlich britische und spanische Banken den Ton angeben.

"Ich rechne aber eher nicht mit Megafusionen ganzer Konzerne", sagte Breuer. Wahrscheinlicher seien Kooperationen, Partnerschaften und Zusammenschlüsse in Teilen des Geschäfts. "Da kommt aus meiner Sicht das Retailgeschäft und das Private Banking eher in Frage, als das Investmentbanking oder das Firmenkundengeschäft", so Breuer. Die Deutsche Bank wolle an dem Prozess teilnehmen. Die Steigerung der Profitabilität und die Erhöhung des Unternehmenswerts für die Aktionäre hätten aber Vorrang.

Breuer hält die Deutsche Bank nicht für übernahmegefährdet. "Theoretisch ginge das, da eine Reihe von Wettbewerbern über ein Vielfaches unserer Marktkapitalisierung verfügen. Wenn es aber darum geht, durch die Akquisition eine vor den Aktionären zu rechtfertigende Eigenkapitalrendite zu erzielen, wird es angesichts des zu zahlenden Preises und der entsprechenden Prämie schwierig." Deshalb sei das Programm zur Erhöhung der Rentabilität weniger eine Schutzmaßnahme. "Wir machen uns weniger Sorgen über eine Übernahme, als über die Einschränkung unserer strategischen Flexibilität. Kurz gesagt, uns fehlt die Akquisitionswährung."

Altersgrenze für den Aufsichtsrat

Laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL plant Breuer, seinen Einfluss als künftiger Aufsichtsrat zu stärken. "Früher hatten wir 13 Vorstände, heute sind es noch vier, die sich um strategische Fragen kümmern. Da können sie mit jedem Einzelnen viel intensiver sprechen und größeren Einfluss nehmen", zitiert das Magazin den Deutsche-Bank-Chef.

Außerdem wolle Breuer, so der SPIEGEL, das Kontrollgremium mit Persönlichkeiten aus dem Ausland internationalisieren und das Höchstalter der Mandatsträger auf 70 Jahre begrenzen. Der heute bereits 71 Jahre alte Berthold Leibinger, Geschäftsführer der Trumpf GmbH, dürfte sich demnach im nächsten Jahr nicht zur Wiederwahl stellen. Für Breuer selbst und den einflussreichen Ex-Vorstand Ulrich Cartellieri stellt die Regelung keine Gefahr dar: Beide sind Jahrgang 1937.