Deutsche BA/EasyJet Raubvogel gegen Kranich

Der Lufthansa weht ein kräftiger Wind entgegen. Bald könnten Billiganbieter den Markt erobern.

London/München - Im Markt für innerdeutsche Flugstrecken dürfte bald ein frisches Lüftchen wehen. Der ernstzunehmende Billigfluganbieter EasyJet dringt in den deutschen Markt.

Die nach Ryanair  zweitgrößte Billigfluglinie Europas will den defizitären Konkurrenten Deutsche BA übernehmen. EasyJet hat von British Airways , der Muttergesellschaft der Deutschen BA, eine Kaufoption erworben.

Das Kaufangebot kann bis zum 31. März 2003 ausgeübt werden. Eine Verlängerung bis zum 3. Juli 2003 ist möglich. Als Verkaufspreis ist eine Summe zwischen 30 Millionen und 46 Millionen Euro im Gespräch, die genaue Höhe hänge jedoch vom Kaufzeitpunkt ab.

Doch EasyJet braucht Bedenkzeit. Man werde die Zeit bis zum Ende des Angebots wahrscheinlich ausschöpfen, um das Unternehmen genau zu prüfen. Erst dann falle die Entscheidung über den Kauf der Deutschen BA, sagte Konzern-Chef Ray Webster am Mittwoch.

Ausgabe neuer Aktien nicht ausgeschlossen

Sollte die Option erst zum 31.März 2003 eingelöst werden, betrüge der Preis voraussichtlich 46 Millionen Euro, so ein Sprecher der Deutschen BA gegenüber manager-magazin online. Zur Finanzierung der Übernahme schloss Firmenchef Webster die Ausgabe von neuen Aktien nicht aus.

Bis zum Kauf wird die Deutsche BA weiterhin von British Airways kontrolliert. Rückläufige Passagierzahlen hatten die deutsche Fluggesellschaft, die 1992 als Konkurrent der Lufthansa  für den innerdeutsche Flugverkehr angetreten war, zum Übernahmekandidat werden lassen.

Einstieg in den größten Passagierflugmarkt Europas

Die Fluglinie hat seit ihrer Gründung Jahr für Jahr nur Verluste eingefahren. Über einen Verkauf war bereits seit Monaten spekuliert worden.

Mit der Übernahme will EasyJet die Gelegenheit nutzen und sich "mit einem Schlag als größte Billigfluggesellschaft in Deutschland etablieren und die Wachstumschancen verstärken", sagte EasyJet-Vorstandschef Ray Webster. Deutschland sei der größte Passagierflugmarkt Europas, werde aber sehr schlecht von preisgünstigen Airlines bedient, begründet EasyJet-Chairman Stelios Haji-Ioannou die Chancen für sein Unternehmen.

Hauptkonkurrent Ryanair hätte das Nachsehen

Die Deutsche BA ist nicht EasyJets einziges Eisen im Feuer. Die Verhandlungen über die geplante Übernahme des britischen Billigfliegers Go Fly, einer ehemaligen BA-Tochter, könnten noch in dieser Woche abgeschlossen werden, sagte EasyJet-Vorstandschef Webster. Im Gespräch ist ein Kaufpreis zwischen 400 und 600 Millionen Pfund.

Damit könnte EasyJet seine 31 Flugzeuge starke Flotte um weitere 22 Maschinen aufstocken. Sollte dieser Übernahmedeal erfolgreich abgeschlossen werden, würde EasyJet zur größten Billigfluggesellschaft Europas aufsteigen und damit Hauptkonkurrent Rayanair auf Platz Zwei verweisen.

Billigfluglinien weiterhin gut im Geschäft

Auch renommierte Unternehmen dürften aggressive Newcomer wie EasyJet fürchten. Während etablierten Fluglinien nach den Terroranschlägen des 11. September unter sinkenden Passagierzaheln und rückläufigen Einnahmen zu leiden hatten, machten Billigfluglinien mit niedrigen Preisen satte Gewinne.

Und die Nachfrage nach Billigflügen steigt auch weiterhin. EasyJet konnte die Passagierzahlen in den vergangenen sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres um 36 Prozent auf 4,2 Millionen steigern. Der Umsatz legte ebenfalls um 36 Prozent auf 194 Millionen Pfund zu. Lufthansa könnte bald ein kühlerer Wind ins Gesicht blasen.

Weitere Schlappe für Ryanair

Unterdessen hat der irische Billigflieger Ryanair  eine weitere Schlappe erlitten. Das Unternehmen darf nicht mehr mit der Bezeichnung "Frankfurt-Hahn" werben.

Eine bereits von der Lufthansa erwirkte Einstweilige Verfügung vom Februar wurde am Mittwoch von einer Zivilkammer das Hamburger Landgerichts bestätigt, ein Einspruch von Ryanair wurde abgewiesen (AZ 315 0 57/02). Verwendet Ryanair weiterhin die beanstandete Bezeichnung, droht der Gesellschaft ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro.

Vorwurf: Unlauterer Wettbewerb

Der werbende Name "Frankfurt-Hahn" für den ehemaligen US- Luftwaffenstützpunkt mehr als 120 Kilometer von Frankfurt/Main entfernt sei ein Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, hieß es in dem Urteil. Die Richter begründeten ihre Entscheidung mit dem Verschweigen der gravierenden Nachteile für die Verbraucher. So gebe es in Hahn keine Anschlussverbindungen, der Flughafen sei nicht an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden und nur mit wenigen Bussen oder Taxis über Landstraßen erreichbar.

Zuvor hatte bereits das Landgericht Köln Ryanair in einer Einstweiligen Verfügung untersagt, mit der Bezeichnung "Frankfurt-Hahn" zu zu werben. Die Richter folgten damit einer früheren Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln.

Kölner Oberlandesgericht hatte ähnlich entschieden

Ryanair hatte damals vor Gericht argumentiert, das rheinland-pfälzische Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen habe im September 2001 den Hunsrück-Flugplatz offiziell zum "Verkehrsflughafen Frankfurt-Hahn" umbenannt. Diese Verwendung des Namens in Anzeigen, die Angebote von Ryanair mit der Lufthansa verglichen, hatte bereits das Kölner Oberlandesgericht als Bruch des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb gewertet.

Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte unlängst in einem Interview erklärt, "niemals" Großflughäfen wie Frankfurt-Main oder London-Heathrow anzufliegen, "weil sie teuer und ineffizient sind". O'Leary meinte: "Wir sagen den Leuten lieber: Warum probiert ihr nicht einen Airport aus, der vielleicht eine Dreiviertelstunde oder eine Stunde weiter entfernt ist, bei dem ihr aber Zeit und vor allem Geld sparen könnt?"

Eine Ryanair-Strecke verbindet Stanstad weit vor den Toren Londons mit Lübeck. Der erhoffte Ansturm britische Touristen an die Trave blieb allerdings aus: nach der Landung bringen Busse die Fluggäste nach Hamburg. Auf den Anzeigen im Flughafen London-Stansted heißt das Ziel auch Hamburg-Lübeck.

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