Colt Telecom "Endlich Druck aus Brüssel"

Die Eröffnung des EU-Kartellverfahrens gegen die Telekom lässt Mitbewerber frohlocken. Sie hoffen auf günstigere Wettbewerbsbedinugen. manager-magazin.de sprach mit Horst Enzelmüller, Geschäftsführer von Colt Telecom Deutschland.
Von Christian Buchholz

mm.de:

Was erhoffen Sie sich von dem Kartellverfahren gegen die Deutsche Telekom?

Enzelmüller: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Endlich nimmt sich eine außenstehende, unabhängige Institution der Frage der Regulierung in Deutschland an. Ohne Druck aus Brüssel werden die Regulierer der Nationalstaaten, in denen der Staat noch signifikante Anteile an den Ex-Monopolisten halten, nichts unternehmen, was diese schwächt und damit zu fairen Wettbewerbsbedingungen führt. Hinzu kommt, dass es an ordnungspolitischen Konzepten im deutschen Telekommunikationsmarkt fehlt.

mm.de Welche Konzepte meinen Sie?

Enzelmüller: Die konkrete Frage des Preises für den Zugang zum Ortsnetz ist ein Beispiel. Sie wird seit Jahren diskutiert und ist von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post mehrfach entschieden. Leider stets im Sinne der Deutschen Telekom, so dass im Ortsnetz das Monopol der Telekom praktisch immer noch besteht. So profitiert sie unter anderem von der Situation im quasi remonopolisierten DSL-Markt.

mm.de: Welche Entscheidung erwarten Sie von der EU?

Enzelmüller: Ich hoffe, dass die Kommission dafür sorgen wird, dass die bestehende Ungleichbehandlung zwischen eigenen Endkunden und privaten Mitbewerbern aufgehoben wird. Dann könnten andere Unternehmen den Ortsnetzanschluss zu attraktiven Preisen vermarkten und auch hier für mehr Wettbewerb sorgen.

mm.de: Sie kritisieren die Nähe zwischen Bundesregierung, Telekom und Regulierungsbehörde. Wenn es hier ein Interessenbündnis geben sollte - hat die EU die Macht, es nachhaltig zu durchbrechen?

Enzelmüller: Das hoffe ich. Denn es gibt es eine Vielzahl von Entscheidungen, die in den nächsten Monaten anstehen. Beispielsweise geht es um die Frage nach den Bereitstellungszeiten für Leitungen an andere Anbieter, also etwa an Colt Telecom. Ich erwarte, dass die Regulierungsbehörde künftig konkrete Fristen festlegt, damit wir zuverlässig planen können. Wenn der Ex-Monopolist dem nicht nachkommt, muss er zahlen. Und zwar kräftig.

mm.de: Das wird aber sicher nicht in wenigen Tagen passieren.

Enzelmüller: Es muss schnell zu Entscheidungen kommen. Wenn diese Verfahren und auch die Strafen nicht bald eindeutig festgelegt werden, müssen demnächst weitere Anbieter aufgeben und die Tarife in der Folge wieder steigen. Denn die Telekom könnte die Preise dann nach Monopolistenmanier festlegen - und der Kunde hat das Nachsehen.

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