BASF Busfahrt gegen Langeweile

Obwohl die heutige Hauptversammlung größtenteils den Charakter einer Betriebsfeier haben dürfte, warten die Investoren mit Spannung auf den Ausblick von Konzernchef Jürgen Strube.
Von Arne Stuhr

Mannheim - Am Dienstag treffen sich die Aktionäre der BASF AG  in Mannheim zu ihrer Hauptversammlung. Ein Jubiläum - 50 Jahre ist es nun her, dass die Badische Anilin- & Soda-Fabrik im Jahre 1952 als eine der drei Nachfolgegesellschaften der I.G. Farben ins Handelregister eingetragen wurde.

BASF-Chef Jürgen Strube empfängt damit seine Anteilseigner, rund 6000 werden erwartet, in Sichtweite zum Unternehmenssitz in Ludwigshafen auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Eine kluge Entscheidung - die Führungsriege von DaimlerChrysler hatte vor zwei Wochen erneut dafür Kritik geerntet, dass sie ihr Aktionärstreffen statt in Stuttgart wieder in Berlin veranstaltet hatte. Gerade im 50. Jubiläumsjahr des Landes Baden-Württemberg wollten sich die Aktionäre, darunter auch viele Inhaber von Belegschaftsaktien, mit der Begründung, "es gebe in Stuttgart Kapazitätsprobleme", nicht zufrieden geben.

Warnung vor Überbewertung

Wie dem auch sei: Die Investoren und Analysten erwarten von Jürgen Strube kein lokalpatriotisches Bekenntnis, sondern harte Fakten. Vor allem der bei der Bilanz-Pressekonferenz am 14. März dieses Jahres noch verweigerte Ausblick muss nachgeholt werden.

Für die ebenfalls präsentierten Zahlen fürs erste Quartal 2002 erwarten die Experten sowohl beim Ebit als auch beim Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal einen Rückgang. Beim Ebit gehen die Prognosen in Richtung 540 Millionen Euro (erstes Quartal 2001: 962 Millionen Euro), beim Umsatz dürften rund 8,2 Milliarden Euro (9,29 Milliarden Euro) verzeichnet werden.

Analysten der Bankgesellschaft Berlin sehen bei den Chemieaktivitäten aber bereits eine leichte Verbesserung im Vergleich zum vierten Quartal 2001. Seit Ende Februar erhole sich das Chemiegeschäft mit zunehmender Dynamik. Die Experten rechnen daher damit, dass sich in den BASF-Zahlen nach dem Tiefpunkt im vierten Quartal 2001 bereits eine leichte Verbesserung zeigen werde, warnen jedoch gleichzeitig vor einer Überbewertung.

Eigene Aktien an den Vorstand geben

Tumulte oder lautstarke Kritik an der BASF-Führung wird nicht erwartet. Bis einen Tag vor der HV lagen nur drei Gegenanträge des "Aktionärs Bernhard" vor. Neben der Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat fordert der Anteilseigner eine Kürzung der Dividende von 1,30 Euro auf 1,20 Euro. Mit der eingesparten Differenz solle dann die Forschung so gefördert werden, dass Tierversuche nicht mehr nötig seien.

Einzig spannender Punkt der Tagesordnung ist der unter Nummer sechs aufgelistete Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, der den Erwerb und die Verwendung eigener Aktien betrifft. Die BASF-Spitze will sich nämlich neben der Fortsetzung des Rückkaufprogramms auch den Ausschluss der Bezugsrechte bei der Wiederausgabe eigener Aktien, zum Beispiel an Vorstände im Rahmen von Aktienoptionsplänen, genehmigen lassen.

Stadtrundfahrt als Berlin-Attraktion

In seinem Bericht an die Hauptversammlung erklärt der BASF-Vorstand dazu: "Die Möglichkeit, eigene Aktien der Gesellschaft in Erfüllung der Bezugsrechte aus den Aktienoptionen an die Bezugsberechtigten zu gewähren, ist ein geeignetes Mittel, einer bei Erfüllung der Bezugsrechte mit auf Grund des bedingten Kapitals neu geschaffenen Aktien eintretenden Verwässerung des Kapitalbesitzes und des Stimmrechts der Aktien entgegenzuwirken."

Sollten diese aktienrechtlichen Spitzfindigkeiten die Aktionäre langweilen, hat der Chemiekonzern vorgesorgt. Parallel zur HV finden zwischen 11 und 16 Uhr 90-minütige Rundfahrten über das BASF-Werksgelände statt, die vor dem Congress Center am Mannheimer Rosengarten beginnen. Kleiner Tipp an DaimlerChrysler: Kostenlose Stadtrundfahrten in einem Mercedes- oder Setra-Bus könnten die Attraktivität des HV-Standortes Berlin bestimmt erhöhen.

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