Sonntag, 26. Mai 2019

Interview "Stärker differenzieren"

Multi-Aufsichtsrat Cromme über Managergehälter

 Gerhard Cromme: Der ehemalige Chef von ThyssenKrupp sitzt heute dem Aufsichtsrat des Konzerns vor und ist Mitglied in den Kontrollgremien von VW, Eon, ABB und Suez. Seit September 2001 leitet er die Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung.
REUTERS
Gerhard Cromme: Der ehemalige Chef von ThyssenKrupp sitzt heute dem Aufsichtsrat des Konzerns vor und ist Mitglied in den Kontrollgremien von VW, Eon, ABB und Suez. Seit September 2001 leitet er die Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung.
mm:

Schering-Chef Hubertus Erlen hat im März als erster deutscher Manager sein Gehalt offen gelegt. Auch ThyssenKrupp will die Vorstandsbezüge, dem neuen Corporate-Governance-Kodex folgend, einzeln ausweisen. Wann?

Cromme: Das neue Transparenz- und Publizitätsgesetz, das dem Kodex Gültigkeit verschafft, tritt voraussichtlich im August in Kraft. Dann ist für die meisten Unternehmen das Geschäftsjahr weit gehend gelaufen. Ich bin trotzdem davon überzeugt, dass viele schon für dieses Jahr einigen Empfehlungen des Kodex folgen werden. So auch ThyssenKrupp.

mm: Die Veröffentlichung der einzelnen Vorstandsbezüge ist keine gesetzliche Pflicht, sondern nur eine Anregung. Es braucht sich also keiner daran zu halten.

Cromme: Wer nach internationalen Maßstäben wettbewerbsfähig entlohnt werden will, muss auch die internationalen Transparenzregeln beachten. Beides gehört zusammen.

mm: Auch das Salär der Aufsichtsräte soll künftig, so Ihre Anregung, individuell ausgewiesen werden. Hier dürften weniger Skrupel bestehen: Angeblich arbeiten deutsche Kontrolleure für Hungerlöhne.

Cromme: Die Bezahlung entspricht oft nicht dem rasant gestiegenen Arbeitsaufwand. Hier muss stärker differenziert werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende, die Vorsitzenden und Mitglieder der Ausschüsse müssen entsprechend ihrem höheren Arbeitseinsatz entlohnt werden.

mm: Verdient der AR-Chef zu wenig?

Cromme: Er hat heute ein Vielfaches an Arbeit, verglichen mit einem einfachen Aufseher, erhält aber in der Regel nur die doppelten Bezüge.

mm: Wie viel ist das bei ThyssenKrupp?

Cromme: In unserer von der Hauptversammlung genehmigten Satzung ist klar festgelegt, welche fixen und variablen Vergütungen Aufsichtsräte bekommen. Für das zurückliegende Geschäftsjahr waren das für ein einfaches Mitglied rund 40.000 Euro, der Vorsitzende bekam das Doppelte.


© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung