DaimlerChrysler Vorprogrammierte Turbulenzen

Spekulationen über die Ergebnisprognose 2002. Die Anleger hoffen auf mehr Infos bei der HV.

Berlin/Stuttgart - Die Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG  an diesem Mittwoch wird voraussichtlich wie in den Vorjahren wieder turbulent verlaufen. Die teilweise äußerst scharf vorgetragene Kritik von Aktionären und Aktionärsgruppen ist allerdings für den Kapitalmarkt eine Randerscheinung, wichtiger sind dort aufkommende kursrelevante Informationen. Es dürfte "eher qualitative als quantitative Nachrichten geben", sagt Analyst Michael Raab von Sal. Oppenheim.

Im Mittelpunkt steht nach seinen Angaben die Region Nordamerika und der Verlustbringer Chyrsler. Aussagen zu den Kosteneinsparungen und zu dem mehrmals bekräftigten Versprechen, im laufenden Jahr werde die Gewinnschwelle erreicht, erwarten die Anleger mit Spannung. "Wahrscheinlich wird es aber nicht viel Fleisch auf die Knochen geben", bewertet Raab den voraussichtlichen Nachrichtengehalt.

Spekulationen gab es im Vorfeld des Aktionärstreffens über eine neue Ergebnisprognose. Einem Magazinbericht zufolge soll für 2002 ein operativer Gewinn ohne Sondereffekte von rund vier Milliarden Euro in Aussicht gestellt werden. Zuletzt war auf der Bilanz-Pressekonferenz ein bereinigter operativer Gewinn prognostiziert worden, der das Doppelte des Vorjahreswertes von 1,3 Milliarden Euro "sehr deutlich" übertrifft.

Aus gut informierten Unternehmenskreisen war aber zu erfahren, dass DaimlerChrysler am Wortlaut dieser Gewinnaussage festhalten wird und keine neue Gewinnprognose abgeben wird. Eine Hauptversammlung wäre dafür auch kein adäquates Forum, war zu hören.

Mehrheit an Mitsubishi

Fragen dürfte es zu den jüngsten Aussagen des Vorstandschefs Jürgen E. Schrempp zum Japan-Engagement des Konzerns geben. Denn DaimlerChrysler will offenbar langfristig die Mehrheit an der Mitsubishi Motors Corp, Tokio, übernehmen. "Mitsubishi muss aber erst wieder profitabel sein und die Schulden abbauen", sagte Schrempp in einem Interview mit dem Magazin "Spiegel".

Die Übernahme sei logischerweise ein Fernziel. Das Engagement bei dem japanischen Unternehmen sei "die Gelegenheit, durch die wir zum richtigen Zeitpunkt sehr preisgünstig und mit relativ niedrigem Risiko in den asiatischen Markt einsteigen konnten" gewesen.

Gerade das Engagement bei Mitsubishi und noch mehr der Zusammenschluss mit Chrysler dürften erneut im Mittelpunkt der Aktionärskritik stehen. Gegenanträge, etwa auf Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat wegen des Sponsorings von Rodeo-Veranstalungen, werden dem Management zwar keine Kopfschmerzen bereiten. Die Kritik der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz über eine "völlig unzureichende Informationspolitik", die auch von vielen Kapitalmarktteilnehmern zu hören ist, dürfte aber etwas schwerer wiegen.

Verwandte Artikel