DaimlerChrysler Unangenehme Fragerunde

Konzernlenker Schrempp wird als "Dauerversager" kritisiert. Die anstehende HV wird schwer.

Berlin - DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp stehen unangenehmen Stunden bevor. Er muss am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin seinen Aktionären Rede und Antwort stehen, von denen viele erbost sind. Denn zusätzlich zu schlechten Bilanznachrichten wird den Anteilseignern diesmal auch noch das letzte Trostpflaster genommen: Die Dividende wird erstmals seit sechs Jahren gekürzt. Sie fällt mit einem Euro pro Aktie um knapp 58 Prozent geringer aus als noch im Vorjahr.

Zur Begründung für die schlechte Entwicklung verweist der deutsch-amerikanische Autobauer auf die weltweite Konjunkturflaute und den harten Wettbewerb in Nordamerika. Aktionärsschützer machen dagegen Vorstand und Aufsichtsrat für den Wertverlust verantwortlich und wollen ihnen die Entlastung verweigern.

Chrysler und Mitsubishi lasten auf der Bilanz

Im vergangenen Jahr schrieb DaimlerChrysler  einen Netto-Verlust von 662 Millionen Euro. Das größte Minus steuerte die US-Tochter Chrysler bei, aber auch die japanische Tochter Mitsubishi ist ein Sorgekind. Die Kleinaktionäre halten die Expansion des Konzerns daher für falsch und fordern, sich von den Verlustbringern zu trennen. DaimlerChrysler selbst will jedoch an der strategischen Ausrichtung festhalten und den Konzern so zu "einem der weltweit führenden Automobilhersteller machen".

Die Kleinaktionäre kritisieren angesichts der vielen Probleme die vorzeitige Verlängerung des Vertrages von Schrempp bis April 2005. "Ein solcher Schritt wäre nachvollziehbar, wenn er gute Arbeit geleistet hätte und er an das Unternehmen gebunden werden soll", sagt Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Dies sei aber nicht der Fall. Vielmehr sei etwa die Fusion mit Chrysler eine Fehlentscheidung der Firmenleitung gewesen.

SDK will Vorstand Unterstützung verweigern

Die SdK will dem Vorstand deshalb die Unterstützung verweigern. "DaimlerChrysler ist heute weniger wert, als Daimler-Benz allein wert war. Und es wird weiter Geld vernichtet", begründet die Schutzgemeinschaft ihren Gegenantrag. Als "völlig unzureichend" bezeichnet zudem die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Informationspolitik von DaimlerChrysler. Gemäß dem neuen Verhaltenskodex der Bundesregierung für Unternehmensführungen sollten die Einkommen der Spitzenmanager offengelegt werden, fordern die Aktionärsschützer. DaimlerChrysler publiziere dagegen weiterhin nur die Gesamtsummen der Vorstandsgehälter. Diese stünden zudem in keinem Verhältnis zur Unternehmensentwicklung, kritisiert die DSW. Auch sie will dem Vorstand die Entlastung verweigern.

Allerdings sehen die Aktionärsschützer ihre Abstimmungsvorlagen für Mittwoch selbst eher als symbolisch an: "Realistische Hoffnungen, dass der Antrag angenommen wird, bestehen nicht. Aber wir fühlen uns unseren Mitgliedern verpflichtet", sagt Straub. Er gehe davon aus, dass sowohl die Großaktionäre als auch die Banken der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zustimmen. Insofern hat Schrempp nicht wirklich was zu befürchten - wohlfühlen wird er sich bei der Hauptversammlung aber auch nicht.

Wenger kritisiert Deutsche Bank

Heftige Kritik an der Geschäftspolitik der Deutschen Bank hat dagegen der Würzburger Betriebswirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger geübt. Vor allem das Abstimmungsverhalten des Finanzhauses beim DaimlerCrysler-Konzern ist Wenger ein Dorn im Auge. "Die Deutsche Bank rettet DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp seit Jahren. Schrempp ist ein Dauerversager, der das Geld der Aktionäre verzockt", zitierte die "Welt am Sonntag" den Professor.

Wenger warf den Banken insgesamt vor, nicht die Interessen der Aktionäre zu vertreten. "Wenn sie gegen einen Vorstand stimmen, der jahrelang von den Banken gestützt wurde, müssten die Banken ihre Fehler eingestehen. Das tun sie nur sehr ungern", sagte Wenger den Angaben zufolge. Für die Aktienkultur in Deutschland und das Ansehen des Finanzplatzes im Ausland habe das Verhalten der Kreditinstitute negative Auswirkungen. "Wenn sich die Ausländer erst mit der Rechtlosigkeit der Aktionäre in Deutschland vertraut gemacht haben, werden sie sich sehr genau überlegen, zu welchen Preisen sie bei uns Aktien kaufen sollen".

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