Babcock Borsig Tumulte in Düsseldorf

Eklat bei der Hauptversammlung - angebliche "Klüngel-Geschäfte" belasten den Vorstand.

Düsseldorf - Tumulte haben am Dienstag den Beginn der Hauptversammlung (HV) des Energietechnik- und Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig im Düsseldorfer Congress Center überschattet. Vor über 1000 Aktionären war zunächst eine lautstarke Debatte über den Antrag des Großaktionärs Guy Wyser-Pratte auf Vertagung der HV geführt worden. Der deutsche Partner des Großaktionärs Wyser-Pratte, Markus Elsässer, hatte den Antrag gleich zu Beginn der Versammlung wegen des Strategiewechsels im Werftengeschäft gestellt.

Babcock Borsig hat Wyser-Pratte zufolge Alternativen zur Abgabe des 25-Prozent-Paketes an der HDW gehabt. So hätte Babcock den Kauf weiterer HDW-Anteile finanzieren können. Er selbst habe am vergangenen Freitag mit einem potenziellen Investor aus den USA gesprochen, der bereit gewesen wäre, 25 Prozent an der Kieler Werft selbst zu erwerben und den Kauf der restlichen Anteile zu finanzieren.

Er verwies zugleich darauf, dass der ebenfalls in der vergangenen Woche bekannt gewordene Einstieg der Deutschen Bank  bei Babcock Borsig seinen Informationen zufolge "eine fiktive Transaktion" sei. Die Deutsche Bank habe zwar physisch 8,5 Prozent von der Preussag  übernommen. Das Geschäft sei jedoch mit einem Rückkaufrecht ausgestattet. Gleiches gelte für den Einstieg der Londoner Bank Credit Agricole Lazard, die ebenfalls mit 8,5 Prozent an Babcock beteiligt ist.

Nach außen hätten die Machtverhältnisse bei Babcock gewechselt, das eigentliche Machtzentrum liege aber noch bei der Preussag, kritisierte Wyser-Pratte. Der Preussag-Aufsichtsratsvorsitzende Friedel Neuber hat das gleiche Amt auch bei Babcock Borsig inne. Der US-Investor betonte zugleich, er wolle Babcock-Aktionär bleiben.

Auch die Aktionärsvereinigungen sparten nicht mit Kritik. "Unter den Aktionären herrschen Wut und Enttäuschung vor", sagte Erika Czebulla von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz forderte die Abberufung von Babcock-Chef Lederer.

Lederer verteidigt HDW-Verkauf

Ein weiterer Antrag eines Aktionärs auf Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Friedel Neuber als Versammlungsleiter wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die mit Spannung erwartete Rede des Vorstandsvorsitzenden Klaus Lederer verzögerte sich um über anderthalb Stunden.

In seiner Ansprache verteidigte Lederer dann den Verkauf der Anteile an der Kieler Werft HDW. Für den 25-Prozent-Anteil habe das Unternehmen einen Preis erzielt, der fast das Doppelte des damaligen Kaufpreises betrage, sagte der Babcock-Chef. Für das Geschäftsfeld Energietechnik habe das Unternehmen damit Bewegungsfreiheit zurückgewonnen.

Erst in der vergangene Woche war der Strategiewechsel der Oberhausener bekannt geworden. Babcock Borsig hatte überraschend die Hälfte seiner 50-Prozent-Mehrheit an der Kieler Werft HDW an einen amerikanischen Finanzinvestor verkauft und will sich künftig auf die Energietechnik konzentrieren. Zuvor hatte Babcock Borsig mehrfach die vollständige Übernahme von HDW noch in diesem Jahr als vorrangiges Ziel angegeben. Das Geschäft vor allem mit dem Bau von Marineschiffen durch HDW gilt derzeit als wesentlich ertragreicher als der Bau von Großanlagen wie zum Beispiel Kraftwerken.

"Sehr gute Ausgangsposition hinterlassen"

Gestern hatte der "Platow-Brief" in seiner Online-Ausgabe gemeldet, dass es beim Verkauf der HDW-Anteile zur Bevorzugung eines Vertrauten des Babcock-Chefs Lederer gekommen sei. Hinzu kommt, dass Lederer im Sommer bei Babcock Borsig ausscheidet aber bei HDW im Amt bleibt.

Der promovierte Maschinenbauingenieur will sich ganz auf die Weiterentwicklung einer europäischen Werftenkooperation sowie auf die Kieler Werft konzentrieren. "Ich bin überzeugt, nach meinem Ausscheiden dem Vorstand von Babcock Borsig eine sehr gute Ausgangsposition hinterlassen zu haben", wies Lederer jeden Vorwurf zurück.

Kieler Klüngel bei HDW?

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