Andersen Das Fell wird verteilt

Der angeschlagene Wirtschaftsprüfer verhandelt jetzt offiziell mit Konkurrent KPMG. Auch Deloitte hat plötzlich wieder Interesse, Teile des Konzerns zu übernehmen.

Berlin - Dies teilten beide Unternehmen am Montagabend gemeinsam mit. Man sei dabei, Möglichkeiten zu sondieren, wie verschiedene Ländergesellschaften von Andersen und KPMG zusammengeführt werden können.

Harald Wiedmann, Sprecher des Vorstands KPMG Deutschland nannte ausdrücklich Europa, Afrika, den Nahen Osten, Kanada, Asien und Lateinamerika als Regionen, in denen die Fusion vonstatten gehen könnte - also praktisch die ganze Welt mit Ausnahme der USA. Wiedmann stellte heraus, dass eine Fusion "erhebliche Synergie-Effekte in Bezug auf geografische Präsenz, Branchen-Know-how und Dienstleistungs-Portfolio" freisetzen würde.

Andersen will "die Chance nutzen"

Christoph Groß, Sprecher der Geschäftsführung Andersen Deutschland, nannte die geplante Fusion "eine Chance, die wir nutzen wollen im Interesse unserer Mandanten und Mitarbeiter".

Allerdings werden die Verhandlungen zwischen den Partnern nicht exklusiv geführt - eine entsprechende Vereinbarung sei bisher nicht getroffen, bestätigten beide Häuser. Zumindest theoretisch eröffnet sich damit für Andersen Deutschland die Möglichkeit, parallel auch mit Konkurrenten von KPMG zu verhandeln. Ein Ergebnis der Gespräche sollte bis zur Bilanz-Pressekonferenz von KPMG Deutschland am 11. April vorliegen. Konkretere Details, beispielsweise zur Frage, wie weit die Verhandlungen in anderen Ländern fortgeschritten seien, nannten die beiden Prüfer nicht. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Verhandlungen", sagte ein KPMG-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. "Für die aktuell sensible Verhandlungsphase haben beide Parteien vereinbart, keine öffentlichen Statements abzugeben", erklärte eine Andersen-Sprecherin auf Anfrage.

Deloitte meldet sich zurück im Andersen-Poker

Laut "Wall Street Journal" (WSJ) prüft unterdessen Deloitte Touche Tohmatsu die Möglichkeit, nun doch bei Andersen einzusteigen und die Geschäftsfelder Steuern und Unternehmensberatung in den USA zu übernehmen. Die weltweite Nummer zwei der Wirtschaftprüfer hatte sich zuletzt aus den Verhandlungen zurückgezogen. Das Risiko von Schadenersatz-Forderungen aus den Enron-Debakel sei einfach zu groß, hieß es zur Begründung.

Dem Mutterkonzern laufen die Kunden davon

Gegen das US-Mutterhaus Andersen ist im Zusammenhang mit der Pleite des Energiehandelsriesen Enron Anklage wegen Behinderung der Justiz erhoben worden. Zahlreiche Großkunden haben die Geschäftsbeziehungen bereits gekündigt. In der vergangenen Woche waren Gespräche in den USA über ein Zusammengehen mit den Konkurrenten Deloitte & Touche und Ernst & Young ohne Ergebnis geblieben.

Andersen und KPMG gehören zu den weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. KPMG beschäftigt rund 103.000 Beschäftigte, davon 9600 in Deutschland. Andersen zählt 85.000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es rund 3800.

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.