Banken "Angst um Arbeitsplätze"

Nachdem im vergangenen Jahr eine Horrorzahl die nächste jagte, gilt es nun, die angekündigten Stellenstreichungen umzusetzen und die vorhandenen Strukturen anzupassen.
Von Arne Stuhr

Hamburg - Viele Kunden der Deutschen Bank Lübeck  dürften sich am Sonntagmorgen vor Schreck fast an ihrem Kaffee verschluckt haben. Die Regionalzeitung "Lübecker Nachrichten" (LN) servierte den Lesern in ihrer Sonntagsausgabe unter der Überschrift "Angst um Arbeitsplätze" die Pläne der endgültigen Integration des Instituts (Bilanzsumme 3,3 Milliarden Euro) in den Deutsche-Bank-Konzern  zum Frühstück.

Denn auch wenn knapp 95 Prozent der Aktien schon bei der Frankfurter Mutter liegen, firmiert die Lübecker Dependance, die besonderen Wert auf den Namenszusatz "vormals Handelsbank" legt, immer noch als rechtlich selbstständige AG mit eigenem Zwei-Mann-Vorstand.

Der für das Firmenkundengeschäft verantwortliche Vorstand Max J. Darpe (62) will nach Angaben der LN den Verlust der Eigenständigkeit nicht mittragen und seinen Arbeitsplatz am Lübecker Kohlmarkt schon vor Ablauf seines bis 2004 laufenden Vertrags räumen.

Die Schätzungen gehen davon aus, dass in der Region Lübeck rund 200 der 620 Arbeitsplätze bei der Deutschen Bank Lübeck verloren gehen werden. Die Bereiche Personal, Organisation, Controlling, Recht und Revision sollen womöglich komplett nach Hamburg verlagert werden.

Ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt erklärte hierzu gegenüber manager-magazin.de, es werde ein Squeeze-Out geprüft. In diesem Zusammenhang geäußerte Personalspekulationen seien jedoch "aus der Luft gegriffen".

Der Aufsichtratsvorsitzende der Deutschen Bank Lübeck, Thomas Duhnkrack, (47), der in der Frankfurter Zentrale das inländische Firmenkundengeschäft leitet, bestätigte den LN die Pläne zur Übernahme der restlichen Aktien. Sobald die Frankfurter 95 Prozent der Aktien besitzen, könnten sie mit einem sogenannten "Squeeze out" die übrigen Aktionäre zwangsweise abfinden. Laut Duhnkrack sei das Erreichen dieses Wertes durch das Ausüben von Optionen schon jetzt möglich. Er rechne mit einer Übernahme in 2003.

Die Geschäfte mit den Reichen laufen nicht gut

Mit der Deutschen Bank Lübeck bleibt auch eine Ertragsperle nicht von der Umbauwelle bei Deutschlands größtem Bankkonzern verschont. Die Hanseaten von der Trave konnten in 2001 nämlich gegen den Branchentrend beim Gewinn zulegen (Plus 20 Prozent zum 30.September 2001). Auch das Aufwand-Ertrag-Verhältnis ist mit 53 Prozent deutlich besser als im Konzerndurchschnitt.

Die Einschnitte in Lübeck könnten nur das Startsignal für weitere unerwartete Maßnahmen sein. Unter Berufung auf den Leiter des Private Banking bei der Deutschen Bank, Guido Heuveldop, berichtete die "Börsenzeitung" ebenfalls am Wochenende, dass die Zahl der Private Banking Center von aktuell 225 auf 150 reduziert werden soll. Laut "Börsenzeitung" war der Bereich Private Banking, in dem die Kunden mit einem liquiden Vermögen von fünf bis zehn Millionen Euro betreut werden, in den ersten neun Monaten des Vorjahres die ertragsschwächste Sparte im gesamten Konzern.

Commerzbank - Wetten erlaubt

Auch bei der Commerzbank  geht es an die Umsetzung des angekündigten Abbaus von 3400 Stellen. Jetzt haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf einen Sozialplan geeinigt. Betriebsbedingte Kündigungen seien zwar nicht ausgeschlossen, sollen aber möglichst vermieden werden, zitiert die der "Financial Times Deutschland" Commerzbank-Direktor Rainer Dahms, der die Verhandlungen mit dem Betriebsrat führte. Bereits seit einem Jahr herrscht bei der Commerzbank ein Einstellungsstopp.

Ob die aktuell angekündigten Stellenstreichungen aber ausreichen werden, um die Commerzbank allein überlebensfähig zu halten, darf bezweifelt werden. Gerade in den vergangenen Wochen verdichten sich die Zeichen, dass es trotz der formelhaften Dementis von der HypoVereinsbank (HVB) , zu einer Lösung unter dem Dach des gemeinsamen Großaktionärs Münchener Rück  kommen könnte.

Fragezeichen mit Gewinnaussichten?

So stoppte die HVB zuletzt die Integrationspläne ihrer Tochter Norisbank, ohne einen handfesten Grund zu nennen. Warten die Münchener auf die Zusammenlegung mit dem Filialnetz der Commerzbank? Der Einstieg der Beteiligungsgesellschaft WCM spricht ebenfalls für eine anstehende Neuordnung in der Bankenlandschaft. Hat der Hamburger WCM-Patriarch Karl Ehlerding wieder den richtigen Riecher? Auch die positiven Analystenstimmen und die dazugehörigen Kursziele lassen sich ohne Fusionsfantasie nicht rechtfertigen. So stufte das Bankhaus Metzler die Commerzbank Anfang März mit einem Kursziel von 23,60 Euro auf "buy" hoch. Auch das Bankhaus Sal. Oppenheim betont immer wieder das Vertrauen in Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller und bleibt bei der Einschätzung "Outperformer". Wissen die Investment-Banker schon mehr?

Studie - Im Kooperationsfieber

Um die Ausgaben zu senken und den Konkurrenzdruck abzuwehren, schmieden Banken und Sparkassen eilig Allianzen: Jedes zweite Geldinstitut will bis 2004 mit einem anderen Unternehmen fusionieren, 86 Prozent der Kreditinstitute wollen in den nächsten drei Jahren Geschäftsprozesse outsourcen. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Mummert und Partner in einer gemeinsam mit dem FAZ-Institut und dem manager magazin erstellten Studie.

Dabei geht die Mehrheit der Befragten außerhalb der eigenen Branche auf Partnersuche. Lieblingspartner der Banker sind Versicherungen. Mit ihnen wollen künftig 95 Prozent der Kreditinstitute kooperieren. Knapp dahinter folgen Fondsgesellschaften (94 Prozent), IT-Dienstleister (90 Prozent) und andere Kreditinstitute (84 Prozent). Mit Mobilfunkunternehmen plant jede vierte Bank eine engere Zusammenarbeit, mit der Automobilindustrie will jede fünfte Bank kooperieren.

Mit Geldanlage Geld verdienen

Um Kosten zu senken, machen die Banken auch Tempo bei der Industrialisierung. Dabei geht es darum, jeden manuellen Eingriff überflüssig zu machen. Nur noch 18 Prozent investieren überhaupt nicht in die weitere Automatisierung von Zahlungsverkehr und Wertpapiergeschäft. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch doppelt so hoch.

Und wo warten die Gewinne? Bei Altersvorsorge- und Allfinanz-Produkten sind die Banker skeptisch. Über die Hälfte rechnet in beiden Fällen mit keinen oder nur niedrigen Gewinnen. Anders sieht es bei der Anlage- und Finanzberatung aus: Mehr als zwei Drittel der Befragten erwarten in dieser Geschäftssparte mittlere bis hohe Gewinne.

Pessimistische Banker

Interessant ist auch die unterschiedliche Einschätzung des Geschäftsbereichs Private Banking. Galt die Vermögensverwaltung wohlhabender Kunden bislang als Domäne der Privatbanken, setzen nun auch öffentlich-rechtliche Geldinstitute ihre Hoffnung in die Gelder der Erbengeneration. Vier Fünftel der Sparkassen rechnet mit Private-Banking-Gewinnen. Bei der privaten Konkurenz sind es weniger als die Hälfte. Die Genossenschaftsbanken liegen mit ihrer Bewertung dazwischen.

Wann sich die geplanten Einsparungen und Investitionen im Kreditgewerbe auszahlen, ist fraglich. Die Branche selbst ist pessimistisch: Nur acht Prozent der Bankmanager glauben, dass die Geldhäuser in den nächsten drei Jahren besser abschneiden als die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Jedes dritte Geldhaus rechnet sogar mit einer Verschlechterung.

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