Mobilcom Persilschein entdeckt

Ärger mit der mächtigen US-Börsenaufsicht SEC. Das droht der France Télécom, falls der Konzern seine Partnerschaft mit Mobilcom kündigt. Ein SEC-Dokument belegt weitgehende finanzielle Verpflichtungen - die France Télécom bisher bestritt.

Büdelsdorf / Paris - Vor einigen Wochen drohte Gerhard Schmid, Chef der schleswig-holsteinischen Mobilcom , Teile seines Partnerschaftsvertrags mit Frankreichs größtem Telekomanbieter France Télécom  zu veröffentlichen. Nach Protesten aus Paris machte Mobilcom einen Rückzieher - hebt das Thema jetzt aber erneut aufs Trapez.

Der Partner-Vertrag ist für das Überleben des von Schmid gegründeten Telekomunternehmens lebenswichtig: Hier ist angeblich verbindlich geregelt, ob und in welchem Umfang France Télécom (FT) den Aufbau des mehrere Milliarden Euro teuren UMTS-Mobilfunknetzes von Mobilcom in Deutschland mitfinanziert.

Mobilcom: "Keineswegs einen Streit entfachen"

Angeblich erst jetzt hat Mobilcom eine Verpflichtungserklärung von France Télécom gegenüber einer dritten Partei "entdeckt". Sie soll eindeutig klären, dass die Franzosen nicht aus dem teuren UMTS-Geschäft aussteigen können.

"Wir wollen mit der Veröffentlichung dieser Erklärung keineswegs einen Streit entfachen", sagte Mobilcom-Sprecher Wilhelm Fuchs gegenüber manager-magazin.de. Dem Konzern sei vielmehr selbst erst kürzlich zu Ohren gekommen, dass die bei der US-Börsenaufsicht hinterlegten Dokumente existierten. Fuchs: "Wir wollten diese Information gegenüber den Medien und Investoren nicht zurückhalten." Inhaltlich stärkten sie die Glaubwürdigkeit von Mobilcom.

Beim Wall-Street-Börsengang im vergangenen November erklärte France Télécom in einem umfangreichen Pflichtbericht zur eigenen finanziellen Situation die Art seines Büdelsdorfer Engagements. Der Konzern muss für UMTS-Investitionen und Kredite von Mobilcom aufkommen - mit eigenen Krediten oder Bürgschaften. Höchstgrenzen des finanziellen Engagements und mögliche Einschränkungen werden nicht genannt. Die Erklärung ähnelt vielmehr einem Persilschein für Mobilcom.

Analyst: Kredit in Laufzeit und Summe nicht begrenzt

Während France Télécom bisher darauf pochte, bei der UMTS-Finanzierung ein gewichtiges Wort mitreden zu können, belegt der SEC-Text das Gegenteil: Die Entscheidungsgewalt liegt demnach bei Mobilcom - und France Télécom muss in jedem Fall zahlen.

Nach Ansicht von Frank Rothauge, Analyst für Telekommunikationswerte bei Sal. Oppenheim, sind die französischen Verpflichtungen gegenüber Mobilcom sogar noch weitgehender, als es das SEC-Papier nahe legt. Laut dem "Form 20-F/A" vom 08. November 2001 müssen die Franzosen finanzielle Engpässe Mobilcoms zumindest bis zum Start des UMTS-Geschäfts ausgleichen. In dem Vertrag zwischen Mobilcom und France Télécom stehe jedoch nichts über eine zeitliche Begrenzung der finanziellen Verpflichtungen, so Rothauge: "Der Vertrag ist nicht deckungsgleich mit dem SEC-Papier."

"Über das Prinzip, dass France Télécom zahlen muss, braucht man nicht zu diskutieren", glaubt Rothauge. Höchstens könne man die Frage aufwerfen, ob die Franzosen tatsächlich in unbegrenzter Höhe Geld nachschießen müssten. Im Vertragswerk gebe es allerdings keine Aussagen zu einer Deckelung des Engagements.

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